zwei Enten von Hinteransicht
Ingenieure in Zuliefererindustrie birdys / Quelle:PHOTOCASE

Ingenieure in der Zulieferindustrie

Die Vorangeher: Ingenieure in der Zulieferindustrie sorgen unter anderem dafür, dass die Entwicklung von Autos nicht auf der Stelle tritt

»Es würden sehr viele Autos ohne Innovationen auf den Markt kommen«, antwortet Johannes Thannheimer auf die Frage, was seine Tätigkeit bei Webasto Roof & Components SE bewirkt. Seit 2012 ist der 28-Jährige in der Vorentwicklung als Entwicklungsingenieur bei dem international tätigen Unternehmen eingestiegen, das Dach- und Cabriodach-Systeme, Lüftungs-, Heiz- sowie Kühlsysteme entwickelt und produziert. Thannheimer hat sich hochgearbeitet: Vor zwei Jahren hat der Diplom-Fahrzeugtechnik-Ingenieur noch ein Hauptprojekt und zusätzlich ein kleineres mit geringerem Zeitaufwand betreut, heute verantwortet er parallel fünf Projekte von hoher Priorität.

Dabei begleitet er jedes einzelne von Anfang, dem Kick-off, bis Ende, der Technologiefreigabe: »Neben der Durchführung eigener Versuche koordiniere ich den Projektfortgang und die enge Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Abteilungen – wie Versuch, Prototypenneubau, FEM Berechnungsabteilung, Marketing, Einkauf, Patentabteilung und Logistik. Dabei gehört die Recherche über neue Technologien ebenso zu den täglichen Aufgaben wie sich mit Patenten zu meinem Projekten zu befassen«, sagt Thannheimer und fügt hinzu, dass er zudem immer auf der Suche nach neuen Lieferanten, Firmen und Projekten sei, mit denen das Unternehmen zusammenarbeiten könnte.

Thannheimer weiß, wie wichtig Teamwork ist – auch er arbeitet bei der Durchführung verschiedener Messungen eng mit Experten aus den Fachrichtungen Akustik, Thermodynamik und Kinematik zusammen: »Ich lasse Festigkeitsberechnungen von unseren Ingenieuren in der Finite-Elemente-Methoden (FEM)-Abteilung bearbeiten, unsere Konstrukteure erledigen umfangreiche Konstruktionen und bei sämtlichen Fragestellungen in Bezug auf das Patentwesen stehen mir unsere Patentingenieure zur Verfügung«, beschreibt er den interdisziplinären Aspekt seiner Tätigkeit.

Dadurch gestaltet sich die Arbeit des Diplom-Fahrzeugtechnikers abwechslungsreich und vielfältig, schließlich ist er dadurch nicht nur auf das typische Themengebiet der Automobilindustrie beschränkt. Gleichzeitig erhält er durch das breite Aufgabenspektrum viele Informationen und Anregungen aus anderen Bereichen wie beispielsweise dem Bauwesen oder dem Maschinenbau. Als eine besondere Herausforderung beschreibt er dies. Auch, die Projekte jeden Tag aufs Neue voranzutreiben und alle unterschiedlichen Abteilungen, die parallel an einem Projekt mitarbeiten, zu koordinieren: »Je mehr Projekte parallel laufen, desto höher ist der Koordinationsaufwand.«Auch Dario Wissler arbeitet eng mit anderen Bereichen zusammen: Der Maschinenbau-Ingenieur ist als Leiter des Industrial Engineerings der Dräxlmaier Group in England tätig. Da dieser Bereich sehr früh in den Produktentstehungsprozess eingebunden wird, arbeitet er eng mit den Entwicklungsingenieuren aus der Konstruktion, Prozess- und Anwendungstechnik zusammen: »Natürlich tausche ich mich regelmäßig mit Ingenieuren aus anderen Fachabteilungen aus. Diese können aus den Bereichen Einkauf, Logistik, Qualität, Erprobung oder aus dem Projektmanagement kommen«, erklärt der 28-Jährige, der für das Änderungsmanagement, die Prozessplanung sowie für die Projektleiter Werk im Bereich Industrial Engineering verantwortlich ist. »Gesamthaft geht es um den Aufbau von standardisierten Prozessen und Abläufen, die Umstrukturierung von bestehenden Produktionsprozessen zur Effizienzsteigerung sowie Projektmanagement im Bereich der Fabrikplanung.« Dabei verbringt er den größten Teil des Tages damit, seine Mitarbeiter aus den verschiedenen Bereichen zu führen sowie strategische Themen zu organisieren, zu koordinieren und durchzuführen.

Wissler schätzt die Freiheit, die ihm das Unternehmen für seine täglichen Aufgaben lässt, ebenso wie das gegenseitige Vertrauen, das es ihm ermöglicht, Dinge in Eigenverantwortung zu verändern und zu verbessern. Bereits während seines 18-monatigen Traineeprogramms wurde der Ingenieur auf die Leitung eines Fahrzeugprojekts in England vorbereitet – heute leitet er ein Team mit zehn Mitarbeitern und das Industrial Engineering an den Dräxlmaier-Standorten in Rubery, Solihull und Tamworth.

Mit der Erweiterung seiner Aufgabenbereiche wachsen auch die Herausforderungen, denen sich Wissler zu stellen hat. Er meint damit die weitere Intensivierung der guten Beziehungen mit den Kunden wie Jaguar Land Rover sowie die gemeinsame Zusammenarbeit bei Änderungen. Außerdem seien auch stets Personalfragen sowie strukturierte und professionelle Durchführungen von standortspezifischen Themen zu koordinieren.

Da ist es von Vorteil, dass er während seines England-Aufenthalts viel praktische Erfahrung in der Einführung von Standards und der Optimierung von Produktionsbereichen sammeln sowie die Sensibilität, die Kulturunterschiede und den Anspruch an eine strukturierte und professionelle Durchführung erfahren konnte. In seiner bisherigen Position sei ihm stets der Erfahrungsaustausch mit den Mitarbeitern aus anderen Standorten sehr wichtig gewesen, was auch in seiner neuen Position eine zentrale Rolle spielen wird. Schließlich sei eine andere Sichtweise auf die eigenen Themen einerseits, und der Einblick in die Herausforderungen anderer Werke und Bereiche andererseits, ein gutes Mittel, um die jeweiligen Themen besser verstehen – und um sie später gezielter und strukturierter angehen zu können. So wie er es auch mit seiner Karriere macht. 


Anzeige

Anzeige