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Loungige Panoramakapseln - Die Mobilität der Zukunft

Warum Autos zu Lounges werden und wie sich Antrieb sowie Fahrer verändern - wir blicken auf die Mobilität der Zukunft.

»Das Autonome Fahren wird sich etablieren – davon bin ich fest überzeugt«, meint Prof. Dr. Ing. Thomas Gänsicke, Leiter des Instituts für Fahrzeugbau der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften. Und nennt damit gleich eine der größten Veränderungen, die Autos zukünftig erfahren werden. Doch bis sich das Autonome Fahren etabliert, wird es dauern. Aktuell gibt es noch eine ganze Reihe technischer und rechtlicher Probleme, die vorher gelöst werden müssen. Gänsicke rechnet mit einer langsamen Einführung in das Autonome Fahren: Er vermutet, dass zuerst kleine Busse für circa vier bis sechs Personen eingesetzt werden, die innerstädtische Verkehrsknotenpunkte miteinander verbinden. Das größte Problem sieht Gänsicke im gemischten Vekehr, also wenn autonome und menschengesteuerte Fahrzeuge gleichzeitig die Straßen befahren. Diese Art des Verkehrs ist für Algorithmen schwer einzuschätzen, da sie im Gegensatz zum Menschen keine Intuition besitzen. Der Experte ist allerdings optimistisch, dass das autonome Fahren positiv aufgenommen werden kann, wenn die Autobauer den Fahrern die Möglichkeit lassen, selbst einzugreifen.

Loungige Panoramakapseln

Dr. Ing. Tim Lehmann, Gründer des ium-Instituts für urbane Mobilität sieht eine weitere große Neuerung in der Inneneinrichtung: »Autos werden sich komplett weg von schwerer Stahltechnik mit behäbiger Innenausstattung hin zu einem Dienstleistungs- und Erlebnisraum entwickeln. Ich stelle mir da loungige Panoramakapseln vor, wie in unserem mobuno-Projekt.« Mobuno, so heißt das autonome Individualfahrzeugs, das das ium-Institut gemeinsam mit der Architekturvisualisierung von xoio entwickelt hat. Besonders ist, dass es mehrere Mobilitätstypen miteinander vereint. Es ist sowohl Bus, Taxi als auch Auto und kann obendrein noch ›geshared‹ werden. Der Innenbereich ist sehr bequem, besitzt ergonomische Sitze und sogar eine Minibar. Dieser Vorstellung des ›Loungecharakters‹ pflichtet auch Gänsicke bei. Er glaubt allerdings, dass während sich das Innere eines Autos deutlich verändert, das Äußere nahezu gleich bleiben wird. »Menschen sind sehr an das Gesicht eines Autos gewöhnt«, so der Leiter des Institus für Fahrzeugbau der Ostfalia Hochschule. »Ein unförmiger Kubus wird definitiv nicht kommen.«

Erst Elektro, dann Wasserstoff

Tim Lehmann glaubt, es werde Verbrennungsmotoren bis 2040 nicht mehr geben. Zumindest könnten Kunden sie in entwickelten Ländern dann nicht mehr kaufen. Eine berechtigte Annahme, da viele Länder mittlerweile schon Deadlines für Autos mit Verbrennungsmotoren gesetzt haben. Norwegen etwa plant den Ausstieg 2025, Indien 2030 und 2040 folgen Frankreich sowie Großbritannien. Viele weitere Länder arbeiten gerade an einem Zeitplan. Doch was folgt auf den Verbrennungsmotor? Laut Gänsicke das Elektroauto, aber auch nur als Übergang zur Wasserstofftechnologie. Er rechnet damit, dass sie ab 2030 eine immer größere Rolle spielen werde. Das entsprechende Tankstellennetzwerk werde bereits jetzt aufgebaut.

Werden Autos überflüssig

Bleibt die Frage, wie sich die Rolle des Autos im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln verändern wird. Hier gehen die Meinungen deutlich auseinander. Dr. Katrin Dziekan, Fachgebietsleiterin ›Umwelt und Verkehr‹ im Umweltbundesamt, vermutet, dass der Stellenwert der Autos drastisch sinken wird: »In Großstädten ist das Rückgrat der Mobilität der öffentliche Verkehr, also Bus und Bahn – ergänzt um Fuß- und Radverkehr.« Damit können die meisten Wege gut und bequem zurückgelegt werden. »Wo es anders nicht geht, werden Car- und Ridesharing die Mobilitätslücken schließen. Das private Auto wird keine große Rolle mehr spielen – weil es überflüssig ist«, vermutet Dziekan. Gänsicke sieht das dagegen anders. Er glaubt daran, dass das Auto auch in Zukunft eine sehr wichtige Rolle spielen wird. Auch wenn er ebenso an Carsharing-Modelle glaubt, denkt er, dass die meisten Erledigungen nach wie vor mit dem Auto gemacht werden. Der Grund hierfür sei simpel: Die meisten Menschen würden es bevorzugen, in ihren eigenen vier Wänden zu reisen und ausreichend Privatsphäre zu haben. Demzufolge werde auch die nächsten Jahre die Anzahl der Pkw-Neukäufe konstant bleiben. Der Gesamtbestand wird jedoch bald eine Sättigung erfahren – aufgrund schrumpfender Bevölkerungszahlen. Wie verschieden die Visionen zum Auto der Zukunft auch sind – auf eine Prognose können sich wohl nahezu alle Experten einigen: Autos in der Stadt von morgen sind klein, elektrisch und werden – ganz im Einklang mit der Sharing Economy – geteilt.


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