ganz viele Gummireifen ineinander
Reifenherstellung – Gummi mit Gehirn © Pexels / Quelle:pixabay unter CC0 Public Domain

Reifenherstellung – Gummi mit Gehirn

Dass in der Reifenentwicklung attraktive Jobs lauern, ahnen die Wenigsten. Dabei planen die Zulieferer in großem Stil – mit neuen Stellen, intelligenten Sensor-Reifen und nachhaltigem Alternativ-Gummi

Eine Super-Fabrik für Gummi-Reifen: Nach knapp dreijähriger Bauzeit hat der französische Reifenhersteller Michelin im Dezember 2015 eine Erweiterung seines Forschungs- und Entwicklungszentrums im französischen Ladoux in Betrieb genommen. Seit der Grundsteinlegung im Dezember 2013 hat Michelin in Ladoux rund 280 Millionen Euro investiert und damit nicht nur ein hochmodernes Gebäude mit einer Grundfläche von 67.000 Quadratmetern errichtet, sondern auch zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen: Ganze 1.700 Ingenieure und Techniker sollen dort ab 2018 eingestellt werden.

Innovationen in der Reifenherstellung

Das neue F&E-Zentrum in Ladoux strahlt wie ein Fanal über einen selten beleuchteten Branchenzweig der Automobil- und Zulieferindustrie, der in Zukunft eines der interessantesten Jobfelder für Absolventen der Ingenieurwissenschaften darstellen könnte. Das Segment der Reifenherstellung strotzt nur so vor Innovationen und steht dem viel besungenen Connected Car-Trend in nichts nach: Nicht nur, dass die Reifen immer leichter und langlebiger werden und dadurch einen stetig sinkenden Rollwiderstand aufweisen. Auch alternative erneuerbare Materialien wie zum Beispiel Naturkautschuk aus Löwenzahn rücken zunehmend in den Fokus. Auch zukünftige Antriebs- und Fahrzeugkonzepte, die sich aus dem automatisierten Fahren oder der Elektromobilität ergeben, werden die Anforderungsprofile an Reifen nachhaltig beeinflussen. Schon ist die Rede von ›intelligenten Reifen‹, die über zusätzliche aktive Sensorik ihren Betriebszustand feststellen und mit dem Fahrzeug austauschen können. Denkbar wäre ein ›Gummi mit Gehirn‹, wenn Reifentyp, aktueller Reifenfülldruck, aktuelle Profiltiefe oder Radlast an den Fahrer gemeldet und angepasst werden.

Nachwuchsingenieure gesucht

Der Nachwuchsbedarf bei Reifenherstellern, von denen Continental, Goodyear Dunlop, Pirelli, Bridgestone oder Michelin nur die großen Namen sind, ist vor diesem Hintergrund enorm: »Es existieren vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten für Ingenieure«, bestätigt Dr. Stefan Torbrügge, Mitglied im Vorstand der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik. Das Problem ist nur: Der Berufszweig ist in den Karriereplänen der Ingenieurabsolventen nicht wirklich vorhanden, was auch daran liegt, dass keine Hochschule in Deutschland einen Studiengang mit Spezialisierung auf Reifenentwicklung anbietet. »In Bezug auf Reifen haben die meisten Mitarbeiter, die neu von einer Universität oder Hochschule kommen, wenig bis keine Erfahrung«, sagt Stefan Torbrügge. »Daher wird eine schnelle Auffassungsgabe und ein generelles technisches Grundverständnis vorausgesetzt, um sich zügig in die komplexe Thematik des Reifens einzuarbeiten.«

Christian Marx vom Branchenportal Neue Reifenzeitung in Stade hat den Markt schon lange im Blick: »Nach unseren Beobachtungen sind neben Physikern und Chemikern vor allem Maschinenbauingenieure in der Reifenentwicklung beschäftigt«, sagt der Experte. »Die Branche bietet durchaus gute Perspektiven, zumal sowohl in Bezug auf Umwelteigenschaften, als auch auf Sicherheit die Anforderungen an Reifen immer weiter steigen werden!«


Anzeige

Anzeige