Plastikpuppen als Ehepaar sitzen in Hängeschaukel auf vielen gehäuften Geldmünzen
Bauingenieure im öffentlichen Dienst cw-design/Quelle: photocase.com

Als Bauingenieur im öffentlichen Dienst

Geld ist nicht alles: Wer sich als Bauingenieur für den öffentlichen Dienst entscheidet, verdient vielleicht weniger als in der freien Wirtschaft. Dafür verspricht der Staat andere Vorteile

Im Grunde sagt es keiner so gerne, ganz offiziell zumindest. Aber: der Staat sucht sie immer wieder händeringend, die Ingenieure. Zwar werden in Zeiten knapper Kassen immer wieder Stellen im öffentlichen Dienst gestrichen, beim Bund ebenso wie in den Ländern. Aber in den nächsten 15 Jahren werden – nach Berechnungen des Deutschen Beamtenbundes (DBB) – eben auch 1,5 Millionen Beschäftigte altersbedingt ausscheiden. Zunehmenden Abgängen stünden immer weniger Bewerber gegenüber, warnt der Zentralverband der Ingenieurvereine (ZBI). Schon heute sei es verschiedentlich schwierig, freie Stellen qualifiziert zu besetzen, sagt der DBB-Vorsitzende Klaus Dauderstädt. In einigen Bereichen könnten schon heute staatliche Aufgaben »zum Teil nicht mehr in der geforderten Qualität wahrgenommen werden«, kritisiert ZBI-Präsident Wilfried Grunau. Der Grund: »Stelleneinsparungen, ungünstige Karrierechancen und schlechtere Bezahlung im Vergleich zur freien Wirtschaft.« Sieht es wirklich so schlecht aus?

Enormer Personalbedarf: Ingenieure im öffentlichen Dienst

»Je nach Standort der Dienststelle ist es in unterschiedlichem Maße schwierig, qualifiziertes Personal zu finden«, heißt es beim Bundesbauministerium. Beim Technischen Hilfswerk (THW) klingt das so: »Bislang sehen wir keine Probleme bei der Personalgewinnung.« In den zurückliegenden Jahren war die Nachwuchsgewinnung »nicht immer einfach«, schreibt das Eisenbahnbundesamt – doch in jüngster Zeit registriere man auf Ausschreibungen eine »erfreulich wachsende Resonanz«. Für viele Einsatzgebiete »finden wir noch hochqualifizierte und sehr engagierte neue Kollegen«, sagt ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. »In einigen spezifischen Bereichen« spüre man aber schon heute die Konkurrenz. Und: »Angesichts des demographischen Wandels kann sich die Situation weiter verschärfen.«

Auch in den Ländern. Auf manche Ausschreibungen gingen keine oder nur wenige Bewerbungen ein, sagt eine Vertreterin des nordrhein-westfälischen Landesbetriebes Straßen.NRW, insbesondere im technischen Bereich, abhängig von der Fachrichtung. Teilweise seien solche Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung aber auch regional bedingt, nicht immer sei die Konkurrenz mit der Privatwirtschaft schuld. »Aktuell gestaltet es sich anspruchsvoll, Ingenieure für das Stadtbauwesen, die Straßenplanung oder für die Instandhaltung und Erneuerung der Brücken zu finden», resümiert Maik Grimmeck vom Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Das muss nicht immer so bleiben: Während die Nachfrage nach Ingenieuren im öffentlichen Dienst weitgehend konstant sei, so Grimmeck, ändern sich die Perspektiven in den Unternehmen eben je nach Wirtschaftslage. Und ob über die Lebensarbeitszeit hinweg im öffentlichen Dienst wirklich weniger verdient werden könne, sagt Grimmeck, »muss jeder selbst beurteilen«.


»Wir müssen leider feststellen, dass die öffentlichen Arbeitgeber mehrheitlich weit entfernt von einer nachhaltigen und professionellen Personalbedarfsplanung agieren.«

Klaus Dauderstädt, Bundesvorsitzender des Deutschen Beamtenbundes


Die Konkurrenz um qualifizierte Fachkräfte sei generell groß, ergänzt Julia Pieper vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur in Baden-Württemberg. »Die Wirtschaft zahlt oft höhere Einstiegsgehälter, wir punkten mit einer breit gefächerten Aufgabenpalette, einer langfristigen und sicheren Beschäftigungsperspektive, flexiblen Arbeitszeitmodellen und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.« Ähnliches ist aus anderen Landes- und Bundesbehörden immer wieder zu hören.

Sicherheit und Gemeinwohl statt Gewinnmaximierung und hohes Gehalt

Punkten kann der Staat natürlich auch mit dem Sinn der Arbeit. Denn Ingenieure in der öffentlichen Verwaltung sollen ja immer im Sinne des Gemeinwohls handeln – und nicht nur im Sinne der Gewinnmaximierung. »Geld ist nicht alles«, sagt Stefan Ewert vom Bundesverkehrsministerium (BMVI). »Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist der sichere Arbeitsplatz.« Und dann ist da noch der Einfluss, den man nehmen kann: Gerade Ingenieure, die bei einer obersten Bundesbehörde arbeiten, sagt Ewert, bewegten sich oft sehr nahe am politischen Geschehen. Auch grenzüberschreitend: Das BMVI beschäftigt auch in Washington, London, Moskau, Abu Dhabi, Delhi oder Peking Referenten. Es werde sehr gern gesehen, wenn Mitarbeiter für drei, vier Jahre ins Ausland wollen, sagt Ewert. Entsprechend sind dann natürlich auch Verhandlungssicherheit und Sprachkenntnisse gefragt.

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind die Arbeitsverhältnisse im Öffentlichen Dienst stabiler. Aber reinzukommen ist nicht ganz leicht. In der Privatwirtschaft gibt es dagegen laut IAB grundsätzlich bessere Karrierechancen und die Verdienste sind tendenziell höher. Allerdings gibt es für die Angestellten fast immer Tarifverträge, für Beamte eine feste Besoldung. In der Privatwirtschaft muss selbst verhandelt werden. Das kann heißen, dass Beschäftigte mehr für sich herausschlagen – oder schlechter bezahlt werden. Und wenn es um die Rente geht, sind die Beamten im Vorteil: Sie bekommen nach 40 Jahren im Beruf 72 Prozent ihrer letzten Bezüge, das Rentenniveau eines normalen Arbeitnehmers dagegen liegt bei 48 Prozent des durchschnittlichen Bruttogehalts des gesamten Berufslebens.

Basis eines Arbeitsverhältnisses beim Staat kann sowohl ein Bachelor- als auch ein Masterabschluss sein, auf den dann wiederum ein Referendariat folgt. In Bayern dürfen sich Master nach bestandener Staatsprüfung ›Regierungsbaumeister‹ nennen. In der konkreten Arbeit stehen mal mehr operative Tätigkeiten im Vordergrund, mal wird vermehrt auf wissenschaftliche Kenntnisse Wert gelegt. Die Diplom-Ingenieure (FH) werden traditionell dem gehobenen Dienst, solche mit Uni-Abschluss aber dem höheren Dienst zugeordnet. Das kann zu einem Unterschied in der Eingangsbesoldung von über 1.000 Euro pro Monat führen.

Gehalt als Ingenieur im öffentlichen Dienst

Die Entgeltordnung des Bundes sieht für Ingenieure je nach Art der Aufgaben Bruttogehälter vor, die zwischen 2.758 Euro und 4.777 Euro im Monat liegen. Der Einstieg in den höheren Dienst bringt Angestellten 3.308 Euro Grundentgelt, Beamte bekommen noch etwas mehr: 3.780 Euro.

In den Ländern gibt es leichte Variationen: In Bayern bekommt ein Bachelor etwa 2.500 bis 2.900 Euro im Monat, ein Master etwa 3.300 bis 3.750. Das Einstiegsgehalt als Bauingenieur für Master belaufe sich auf rund 3.600 Euro brutto pro Monat, heißt es aus Baden-Württemberg. Das monatliche Bruttogehalt liege zwischen 2.920 und 5.670 Euro, heißt es aus Niedersachsen, wo es auch jährliche Jahressonderzahlungen gibt. In Nordrhein-Westfalen wird man mit einem Bachelor zunächst bei 2.809 Euro im Monat eingruppiert. Der größte Teil der Ingenieure mit Master wird entsprechend den Oberstudienstudienräten beziehungsweise Studiendirektoren bezahlt.


Im Fokus: Öffentlicher Dienst

1990 arbeiteten 5,3 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Heute liegt die Zahl bei knapp unter 3,9 Millionen – es wurden also 1,4 Millionen Stellen abgebaut. Durch die Privatisierung von Post und Bahn ist in den letzten beiden Jahrzehnten auch die Zahl der beamteten Ingenieure um etwa 60.000 zurückgegangen, zudem werden bei Bund, Ländern und Kommunen Stellen eingespart.

Der Freistaat Bayern etwa, der Ende 2011 noch rund 11.000 Ingenieure beschäftigte, will bis 2031 knapp 2.000 Ingenieurstellen streichen. Im Zuständigkeitsbereich des Bundesverkehrsministeriums arbeiten heute insgesamt 62 Behörden mit etwa 25.000 Beschäftigten, in Nordrhein-Westfalen beschäftigt allein der Landesbetrieb Straßen.NRW etwa 6.000 Menschen. Laut einer Statistik der Bundesingenieurkammer von 2012 stehen gegenwärtig etwas mehr als eine Million Ingenieure im Erwerbsleben. Davon wiederum sind 850.0000 angestellt, 150.000 selbstständig und nur rund 40.000 als Beamte tätig.


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