ein großes Gebäude, in dem sich ein Kran widerspiegelt
Mit BIM wird Bauen digital StockSnap / pixabay.com unter CC0 Public Domain

Bauen 4.0 – Building Information Modeling verändert die Zukunft des Bauens

Langwierig und kostspielig – so manchem Pannenprojekt hätte die Gebäudedatenmodellierung im Voraus gut getan. Das wissen auch angehende Bauingenieure, die sich im Studium mit BIM-Know-how rüsten

Schneller, kostengünstiger und mit weniger Fehlern bauen – so lautet die Vision des neuen digitalen Zeitalters, die von Building Information Modeling (BIM) beflügelt wird. Alle relevanten Gebäudedaten werden dabei mithilfe von Software erfasst und zur optimierten Bauplanung und -ausführung verwendet. In Zukunft soll demnach der Grundsatz gelten: Zuerst digital bauen, dann real.

»Der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechniken bedeutet für alle Beteiligten einen riesigen Mehrwert: Alle relevanten Daten sind in Echtzeit verfügbar; Änderungen in einem Bereich des Projektes können in den anderen Bereichen sofort gesehen werden«,

erklärt Klaus Pöllath, Vizepräsident Technik des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Mit der Zeit gehen, Produktivität steigern

Auch für Dipl.-Ing. Dirk Schaper, Geschäftsführer bei Hochtief ViCon, besteht kein Zweifel, dass Bauunternehmen mit der Zeit gehen müssen:

»In sieben bis zehn Jahren werden wir in der Bauwirtschaft eine ganz andere Wirklichkeit haben. Dann wird es zum Beispiel BIM-basierte digitale Ausschreibungsunterlagen geben. Wer die nicht verarbeiten kann, sitzt da wie jemand, der versucht, mit einem Faxgerät eine E-Mail zu beantworten.«

Alle Aspekte des Planens und Bauens, bislang unabhängig voneinander gemanagt, werden Schaper zufolge bald miteinander vernetzt sein und somit die Produktivität immens steigern. Zu diesen Aspekten gehören unter anderem die Terminlogistik, Just-in-Time-Delivery, Lagerflächenmanagement und die Qualitätssicherung. Die Vernetzung wird alle Projekte betreffen, bis hin zum Einfamilienhaus.

Studenten bereiten sich gezielt auf Digitales Bauen vor

An den deutschen Hochschulen ist die Digitalisierung bereits ein fester Bestandteil von Ingenieurstudiengängen. Prof. Alexander Malkwitz, Leiter des Instituts für Baubetrieb und Baumanagement, berichtet, dass die Universität Duisburg-Essen ihre Bauingenieurstudenten schon im Bachelorprogramm auf die Anforderungen, die sich aus der Digitalisierung der Wertschöpfungskette ergeben, ausbildet und vorbereitet. So wird die Methode Building Information Modeling durch eigene Module gelehrt. Daneben trainieren die Studenten im abteilungseigenen BIM Lab die Arbeit mit Datenbanken und erlernen das Programmieren. Im Masterprogramm besteht darüber hinaus die Möglichkeit, einen starken Fokus auf das Digitale Bauen zu legen.

»Wir empfehlen unseren Studenten, sich in Zusammenarbeit mit Unternehmen der Baubranchen weiter gezielt auf die Herausforderungen der Praxis vorzubereiten. Dazu bieten wir zum Beispiel vielfältige Abschlussarbeiten und Projekte in Kooperation mit Unternehmen an«,

berichtet Prof. Malkwitz. Daneben sind Praktika nach wie vor ein wichtiger Baustein, um die Unternehmenspraxis kennenzulernen und erste Erfahrungen zu sammeln.

Projekte und Aufgabenstellungen aus der Berufswelt

Auch die Bauhaus-Universität Weimar setzt sich dafür ein, ihre Studierenden gut auf die neuen Anforderungen in der Baubranche vorzubereiten. Im Zentrum des Lehre steht das Projektstudium: »Hier erarbeiten die Studierenden Aufgabenstellungen, welche sich kaum von denen der Berufswelt unterscheiden«, berichtet Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Bargstädt, Leiter der Professur für Baubetrieb und Bauverfahren an der Bauhaus-Universität Weimar. Sowohl im Bachelor- als auch im Masterstudium bietet die Universität Lehrveranstaltungen zu Building Information Modeling an. Ziel der universitären BIM-Ausbildung ist die Vermittlung von methodischen Kenntnissen, welche die Absolventen befähigt, BIM-Prozesse in Unternehmen und öffentlichen Institutionen einzuführen, zu gestalten, zu überwachen und weiterzuentwickeln.

Digitale Daten und Methoden für Australiens größtes Verkehrsinfrastrukturprojekt

Ein Blick auf die aktuellen Projekte der Baubranche beweist, dass ohne digitale Daten und Methoden fast nichts mehr geht. Hochtief ViCon nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein. Das Unternehmen ist zuständig für den Bau der Sydney Metro, einer vollautomatisierten S-Bahn. Dabei handelt es sich um Australiens derzeit größtes öffentliches Verkehrsinfrastrukturprojekt, das acht neue Bahnhöfe sowie zwei fünfzehn Kilometer lange Zwillingstunnel umfasst. Dafür setzt Hochtief ein eigens entwickeltes Online Rail Information System (ORIS) ein. Das Produktionssystem wird auf Großbaustellen für die Informationserfassung genutzt. »Mitarbeiter an verschiedenen Stellen der Baustelle geben Daten in Tablets oder Smartphones ein, die über ORIS zusammengeführt werden. Wir betreten hier technologisches Neuland. Eine solche Anwendung hat noch niemand«, berichtet Schaper stolz.

BIM schafft neue Berufsbilder

Mit der Einführung von Building Information Modeling gehen auch neue Berufsbilder einher. So berät etwa der BIM-Manager den Auftraggeber rund um die neue Arbeitsmethode und schafft die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen für das jeweilige Projekt. Diplom-Ingenieur Niklas Brandmann, Leiter Digitalisierung/BIM der Serviceeinheit Unternehmensentwicklung bei Wolff & Müller, kennt sich damit aus: »Im Unterschied dazu sind BIM-Koordinatoren für die operative Umsetzung zuständig. Jeder Projektbeteiligte hat einen eigenen Koordinator, der für das BIM-Modell in seinem Bereich zuständig ist und es auf Kollisionen mit den anderen Teilmodellen überprüft.«

Neugierige Ingenieure mit Leidenschaft für Innovationen

Für den Berufseinstieg kommen diese Rollen weniger infrage, denn Bewerber sollten dafür Wolff & Müller zufolge neben bautechnischem Know-how auch Berufserfahrung in der Projektleitung mitbringen und auf Erfahrungen aus bereits abgewickelten BIM-Projekten zurückgreifen können. Als Ziel lohnt es sich aber. Angehende Bauingenieure müssen sich grundsätzlich darauf einstellen, dass sie sich während ihrer gesamten Berufslaufbahn mit neuen Techniken auseinandersetzen müssen. Besonders leicht haben es da neugierige Ingenieure mit einer Leidenschaft für aktuelle Trends und Innovationen. Dass BIM schon jetzt mehr als ein bloßer Trend ist, steht außer Frage. Klaus Pöllath vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie ist sich sicher:

»In Zukunft geht nichts mehr ohne die Methode. Gerade in diesem Bereich können gut ausgebildete junge Menschen ihre Kompetenz bei IT-Werkzeugen einbringen.«


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