zwei Jungen liegen auf einem Steg und schauen mit den Köpfen nach unten
Brücken, Straßen und Schienen stormpic/Quelle: Photocase

Bauingenieure im Verkehrswegebau

Über Brücken, Straßen oder Schienen führt uns unser Weg Tag für Tag. Dem Verkehrswegebau und den Bauingenieuren sei Dank


Straßen, Brücken, Häfen, Tunnel oder Schienen. Wir nutzen sie täglich und ärgern uns über Schlaglöcher, Baustellen oder holprigen Asphalt. Ziemlich undankbar, denn ohne sie wären wir aufgeschmissen. Verkehrswege sind für uns so selbstverständlich, dass wir uns viel zu selten fragen, was denn ohne sie wäre. Und: wer sie eigentlich baut.

Verkehrswegebau: Ingenieure planen und bauen

Für die Planung und den Bau von Verkehrswegen sind hoch spezialisierte Experten zuständig. Diplom-Ingenieur Joachim Segeth ist einer von ihnen. Der 54- jährige Bauingenieur ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Oevermann, eines Bauunternehmens, das sich auf die Sparten Hoch- und Verkehrswegebau konzentriert.

Dazu gehören vor allem Autobahnen, Bundes- und Landstraßen, Tunnel, Brücken, Häfen, Kanäle und Rohrleitungen, Logistikflächen, Flugplätze, Schienen, Bahntiefbauarbeiten und sogar Tankstellen. Nicht nur Neubauten spielen im Verkehrswegebau eine Rolle – auch Themen wie die Sanierung von Altlasten oder die Verwendung umweltschonender, wiederverwendbarer Materialien gewinnen mehr und mehr an Relevanz. Dazu kommen weitere hohe Ansprüche, die unsere Gesellschaft angesichts steigender Mobilität an Verkehrswege hat: Lärmmindernde Asphalt- und Betonbeläge sollen dafür sorgen, dass wir die Autobahn in unmittelbarer Nähe vor allem nachts kaum zu hören bekommen, strenge Auflagen müssen währenddessen die Sicherheit von Verkehrsteilnehmern und Umwelt gewährleisten, während schwankende Temperaturen und ständige Beanspruchung den Verkehrswegen nichts anhaben dürfen.

Verkehrswegebau: Viel mehr als reine Fachplanung!

»Das Aufgabengebiet des Verkehrsplaners«, fasst Dirk Domhardt, der als Abteilungsleiter Verkehrsplanung beim Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) arbeitet, zusammen, »ist heute sehr vielseitig und geht über die reine Fachplanung weit hinaus. Gerade bei Großprojekten ist die Zukunftsfähigkeit der Lösung enorm wichtig. Denn von ihnen profitiert oft erst die nächste Generation. In deren Sinne sind neben der verkehrlichen Wirkung besonders auch die gesamtwirtschaftlichen und finanziellen Aspekte zu beachten. Unverzichtbar im Planungsprozess ist deshalb Transparenz. Die Öffentlichkeitsarbeit gehört darum ebenfalls zum Aufgabenspektrum der Planer und Baufachleute.«

Keine Frage – es bedarf gestandener Spezialisten, die sich all dieser Aufgaben annehmen. Um einer von ihnen zu werden, solltest du laut Joachim Segeth von Oevermann am besten ein Studium im Bereich Bauingenieurwesen, das dich zu einer Tätigkeit im Straßen- oder Verkehrswegebau befähigt,  in der Tasche haben. Bei der SSP Seizmeir Straßen- und Pflasterbau aus dem oberbayerischen Mitterscheyern bei Pfaffenhofen ist das nicht anders – anders als die Studienrichtung ist der Studienabschluss allerdings zweitrangig.

»Es ist jederzeit möglich, auch als Bachelor in unserem Unternehmen tätig zu werden«, erklärt Dr. Josef Löffl, der als Mitglied der Geschäftsleitung auch für die Personalauswahl zuständig ist. »Entscheidend ist für uns vor allem die Hands-on-Mentalität, die der Bewerber vor Ort unter Beweis stellen muss. Bei einem mittelständischen Unternehmen wie der SSP Seizmeir Straßen- und Pflasterbau existieren im Gegensatz zu einem Konzern schließlich keine Rückzugsmöglichkeiten. Es zeichnet sich also sehr rasch ein Bild der Fähigkeiten ab.«

Fähigkeiten, die am besten nicht nur im Studium, sondern auch durch praktische Erfahrungen erlangt wurden. »Erfahrung«, ist sich Löffl sicher, »ist durch nichts zu ersetzen. Theoretiker erkennen relativ rasch, dass die alltäglichen Probleme, mit denen sie in der Baubranche konfrontiert werden, so abwechslungsreich sind, dass dafür keine Handbuchlösungen existieren. Es liegt aber auf der Hand, dass solche Erfahrungswerte erst einmal gesammelt werden müssen.« Daniela Callegari, Mitarbeiterin im Human Resource Development der Strabag AG, sieht das ganz ähnlich: »Für uns stellt Praxiserfahrung eine sinnvolle und vor allem wertvolle Ergänzung der theoretischen Kenntnisse dar, die den Einstieg in die Zielposition erheblich erleichtert.«
 

Verkehrswegebau: Berufseinstieg via Praktikum, Traineeprogramm oder Direkteinstieg

Der Einstieg geht über ganz verschiedene Wege: »Wir sehen es seit jeher als unsere Aufgabe an, Studenten in ihrer Ausbildung zu unterstützen«, betont Callegari, »sei es durch die Bereitstellung von Praktikumsplätzen, die Möglichkeit von Werkstudententätigkeiten oder die Betreuung von Abschlussarbeiten. Viele unserer ehemaligen Praktikanten und Diplomanden gehören heute zu unseren Mitarbeitern – und darauf sind wir stolz.« Einsteigen können Absolventen bei Strabag nicht nur direkt – auch ein technisches Traineeprogramm kann den Jungingenieuren als Karrieresprungbrett dienen.

Wer sich hingegen schon zu Studienbeginn seiner Laufbahn im Verkehrswegebau sicher und ein Freund praktischen Wissens ist, muss nicht zwangsläufig den Weg über ein herkömmliches Bauingenieurstudium gehen, sondern kann auch ein duales Studium absolvieren, beispielsweise bei der SSP Seizmeir Straßen- und Pflasterbau. Darauf ist Dr. Josef Löffl besonders stolz: »In Zusammenarbeit mit der Hochschule München bieten wir ein duales Studium in den Bereichen Straßenbau sowie Garten- und Landschaftsbau an.«

Das duale Studium dauert insgesamt neun Semester, in denen sich Studien- mit Praxisphasen abwechseln. Nach sechs Semestern steht die Gesellenprüfung im Bereich Straßenbau an,  weitere drei Semester später haben die Studierenden ihren Bachelor of Engineering in der Tasche – und dürfen, wenn gewünscht, einen Master draufsatteln oder gleich ins Berufsleben starten.
 

Verkehrswegebau: Fachwissen und Praxiserfahrung

Bis es einmal so weit ist, müssen sich angehende Bauingenieure neben Fachwissen und Praxiserfahrung auch die nötigen Soft Skills aneignen. Daniela Callegari legt darauf besonderen Wert: »Wir erwarten neben analytischer und kommunikativer Kompetenz auch Einsatzbereitschaft, Durchsetzungsvermögen und Flexibilität im Umgang mit neuen und immer wieder wechselnden Aufgabenstellungen. Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit«, ergänzt die 34-Jährige, »setzen wir als selbstverständlich voraus.« Dr. Josef Löffl stimmt ihr zu und ergänzt: »Großen Wert legen wir außerdem auf Loyalität. Bei einem Familienunternehmen wie der SSP Seizmeir Straßen- und Pflasterbau stehen Werte wie diese ganz klar im Vordergrund.«

Nicht zuletzt ist es auch der berühmte Blick über den Tellerrand, der im Bewerbungsverfahren das Zünglein an der Waage sein kann: Da bei Bauingenieuren betriebswirtschaftliche und baurechtliche Kenntnisse immer von Vorteil sind, sind solche Bewerber gern gesehen, die während ihres Studiums auch einmal ihre Kommilitonen in eine wirtschaftswissenschaftliche Veranstaltung begleitet und so ihre Kenntnisse erweitert haben.

 

Verkehrswegebau: stetige Weiterbildung

Doch auch nach dem Berufseinstieg wird sich fleißig weitergebildet. »Maßgeblich für unseren Erfolg sind die Qualifikation, Motivation und Einsatzbereitschaft unserer Mitarbeiter«, ist Daniela Callegari von Strabag überzeugt. »Daher messen wir der beruflichen Aus- und Weiterbildung aller Berufs- und Altersgruppen in unserem Unternehmen eine große Bedeutung bei. Durch interne Bildungseinrichtungen schaffen wir optimale Voraussetzungen für ein lebenslanges Lernen auf den Gebieten der Fach-, Sozial- und Methodenkompetenz. Wir unterstützen auch bei Bedarf die Förderung berufsbegleitender externer weiter- und Höherqualifizierungen.«

Auch bei der SSP Seizmeir Straßen- und Pflasterbau wird großer Wert auf Weiterbildung gelegt. »Die Weiterbildungsmöglichkeiten, die sich unseren Mitarbeitern bieten, sind ganz individuell und werden nach Wunsch und persönlicher Eignung vereinbart. Jeder Mitarbeiter erhält die Möglichkeit, in unserem Unternehmen seinen eigenen Entwicklungspfad zu nehmen. Im Gegensatz zum Konzern werden bei uns diese Dinge im persönlichen Gespräch mit dem Geschäftsführer definiert. Ein Punkt steht dabei außer Frage: Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut«, so Dr. Josef Löffl.
 

Abwechslung garantiert im Verkehrswegebau

Und diese legen nicht nur Wert auf gute Weiterbildungsmöglichkeiten und ein angemessenes Gehalt, das sich in der Baubranche übrigens sehen lassen kann: Laut der Plattform www.personalmarkt.de verdienen 50 Prozent der Berufsanfänger im Bereich Bauingenieurwesen mehr und 50 Prozent weniger als 38.540 Euro brutto pro Jahr.

Möglichst abwechslungsreich sollte er bitteschön auch sein, der Traumberuf. Dr. Josef Löffl kann da beruhigen: »Im Vordergrund der Arbeit eines Bauingenieurs in unserem Unternehmen steht die große Bandbreite unterschiedlichster Aufgaben, die im raschen Wechsel von Kleinbaustellen privater Auftraggeber zu groß dimensionierten Bauvorhaben der öffentlichen Hand führen. Vor allem bei solchen Bauvorhaben bestehen die Herausforderungen darin, vor dem Hintergrund zig beteiligter Unternehmen alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Dabei«, beschreibt Löffl, »ist ein Höchstmaß an Sozialkompetenz gefragt.« Wer gerne am Schreibtisch sitzt, wird daher höchstwahrscheinlich nicht glücklich.

Klassische Aufgaben eines Bauleiters:

  • Fahrten zur Baustelle
  • Kontrollen der Arbeitsprozesse
  • Koordinierungs- und Motivationsgesprächen mit den Teammitgliedern
  • Führen von Verhandlungen
  • Schreiben von Rechnungen
  • Rund 80 Prozent ihrer Zeit verbringen Bauleiter – wie sollte es auch anders sein – auf der Baustelle.

Langeweile kommt im Verkehrswegebau also garantiert nicht auf: »Aufgrund der Unvorhersehbarkeit unserer Aufgaben«, schwärmt Dr. Josef Löffl, «stellt sich im Grunde jeder Arbeitstag als nicht vergleichbar mit allen vorhergehenden dar. Darum kann ich auch schlecht sagen, welches Projekt mein bislang spannendstes war.«

Moritz Willke, Geschäftsführender Gesellschafter der Willke rail construction GmbH, fallen gleich mehrere Projekte ein, an die er sich besonders gerne erinnert:
»Jedes Geschäftsjahr hat in der Regel ein bis zwei Projekte, die spannender und anspruchsvoller sind als andere Projekte, die mehr das normale Tagesgeschäft widerspiegeln. Zwischen 2010 und 2012 haben wir in einer Arbeitsgemeinschaft den Gleisbau in der Anbindung Hafencity U4 in Hamburg gebaut. Diese Baustelle hat uns rein ingenieurstechnisch sehr gefordert und war in der Form einzigartig. Speziell auch in Dänemark haben wir in den letzten Jahren Projekte abgewickelt, die in ihrer Komplexität außergewöhnlich waren.«

Was Moritz Willke und seine Kollegen aus dem Verkehrswegebau besonders stolz macht? »Dass man  mit seiner Arbeit Bauwerke schafft, die noch Jahre später faszinieren und die in ihrer Komplexität für viele Menschen nicht zu verstehen sind«.


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