Haus im Grünen
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Energieeffizienz, Green Building & Barrierefreiheit

Trends der Baubranche: Als Ingenieur in der Baubranche kannst du die Zukunft mitbestimmen und vielen Menschen ein angenehmeres Lebens- und Wohngefühl geben!

Die Oldendorfs fühlen sich wohl. Seit einem Jahr wohnt die vierköpfige Familie in einer Doppelhaushälfte in Hamburg-Wilhelmsburg und wird verwöhnt von viel Tageslicht und frischer Luft: Gesundes Raumklima war eines der obersten Ziele bei der Sanierung ihres neuen Zuhauses. Zudem soll der 1950er-Jahre-Bau in Sachen Energieeffizienz den heutigen Anforderungen angepasst werden. Das kommt durch das Energiekonzept der Bundesregierung in Zukunft auf viele ältere Gebäude zu – die neue Heimat von Familie Oldendorf soll auch in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle spielen.

Studierende entwickeln Nullenergiehaus

Vor drei Jahren hatte die Firma Velux als Initiator des Projekts Studierende der Technischen Universität Darmstadt aufgefordert, ihre Entwürfe für ein Nullenergiehaus einzureichen. Dieses ist Teil des europaweiten Experiments Model Home 2020, bei dem sechs nachhaltig konzipierte Gebäude entstehen und weiterentwickelt werden.

Das Rennen um den deutschen Beitrag machte die Architekturstudentin Katharina Fey. Auf der Basis ihres Entwurfs wurde das sogenannte ›LichtAktiv Haus‹ gebaut und im November 2010 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Hamburg (IBA Hamburg) eröffnet. Abgeschlossen war das Projekt damit noch nicht, Wohnkomfort und Energieeffizienz lassen sich schließlich am besten in der Praxis untersuchen:
Der Einzug der Oldendorfs gibt den Projektverantwortlichen die Möglichkeit dazu. Dabei messen die beteiligten Institutionen – allen voran die Technischen Universitäten Darmstadt und Braunschweig – den Energieverbrauch und das Innenraumklima.

Sozialforscher der HU Berlin versuchen zudem, in Befragungen den Wohlfühl-Faktor zu ermitteln. Tim Bialucha koordiniert und leitet das Projekt und die auf zwei Jahre angelegte Praxisphase seitens der TU Darmstadt – auch, weil er darin viel Potenzial sieht:

»Sanierungsbedürftige Siedlungshäuser gibt es in Deutschland eine Menge. Wir möchten mit unserem Projekt vorbildliche Wege aufzeigen, wie man diese Gebäude nutzen kann – und dabei den Bedürfnissen von Mensch und Umwelt gerecht wird.«

Nach einem Jahr Praxisphase haben die Oldendorfs angekündigt, dass sie in ihrem Haus am liebsten wohnen bleiben würden – eine Bestätigung für alle Projektbeteiligten.  Auch der Bund fördert zahlreiche Vorhaben, die sich mit der Zukunft des Bauens und Wohnens befassen. Seit 2006 geschieht das unter anderem durch die Forschungsinitiative ›Zukunft Bau‹, die das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) ins Leben gerufen hat. Unterstützung bekommt es von den Ingenieuren des Fraunhofer-Informationszentrums Raum und Bau (IRB). Dr. Michael Brüggemann ist einer von ihnen: Er koordiniert Projekte, die die Forschungsteilnehmer – zum Beispiel Institutionen oder Unternehmen – entweder individuell vorgeschlagen haben oder die sie im Auftrag des BMVBS bearbeiten.

»Meine Aufgabe ist so faszinierend, weil ich am Puls der Zeit mitwirke«, sagt er. Energieeffizienz gehört ebenfalls dazu. Kann ein Wohngebäude mehr Energie erzeugen, als es verbraucht? Unter dieser Fragestellung ist Ende 2011 etwa das Effizienzhaus Plus in Berlin eröffnet worden. Seit März 2012 wird dieses neu errichtete Wohngebäude von einer Testfamilie bewohnt und auf seine Alltagstauglichkeit hin geprüft. Das Haus soll in der Gesamtbilanz einen Überschuss an Energie erzeugen. Es ist mit einer Wärmepumpe und Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach und an der Fassade ausgestattet.

Die sonst üblichen Wärmeverluste werden durch die Isolierung der Gebäudehülle und eine moderne Gebäudetechnik minimiert. Die erzeugte Energie kann in Hochleistungsbatterien gespeichert und dazu genutzt werden, Elektrofahrzeuge aufzutanken. Nach einem Jahr Laufzeit sehen Experten wie Dr. Michael Brüggemann noch große Herausforderungen auf Forschung und Entwicklung zukommen: »Vor allem die Frage, wie wir Strom besser zwischenspeichern können, wird uns noch lange beschäftigen.«
 

Green Building: Pflanzen wie eine natürliche Klimanlage

Mit einem weiteren Forschungsfeld setzt sich das Fraunhofer IRB im Rahmen von ›Zukunft Bau‹ ebenfalls verstärkt auseinander: ›Green Building‹ – unter diesem Begriff verstehen Bauplaner solche Gebäude, die energie- und ressourceneffizient gestaltet sind. Die wortwörtliche Umsetzung von Green Building findet man an begrünten Hausfassaden, deren Pflanzen auf das Gebäude und seine Umgebung wie eine natürliche Klimaanlage wirken.

»Ein schönes Beispiel dafür, dass Bauen nicht nur ein rein konstruktives Thema ist, sondern in engem Bezug zum Umweltschutz steht«, meint Michael Brüggemann.
 

Altersgerechte Lebensräume schaffen: Barrierefreiheit

Auch der Mensch als Teil dieser Umwelt wird immer wichtiger – und immer älter: Nach Prognosen des Landesbetriebs Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) wird allein in Nordrhein-Westfalen das Durchschnittsalter der Bevölkerung von 42,6 Jahre in 2008 auf 46,9 Jahre in 2030 ansteigen. Und da sich die Gesellschaft wandelt, muss sich auch das Bauwesen verändern und seine Forschung auf altersgerechte Lebensräume hin ausrichten. Für Andrea Berndgen-Kaiser, Architektin am Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS), steht dabei der Gebäudebestand im Fokus: »Hier sind einfache und kostengünstige Lösungen gefragt, durch die Wohnungen barrierefrei ausgestattet und erreichbar gemacht werden.«

Tätigkeitsfelder für Ingenieure können sich am ILS vor allem in der empirischen Forschung zum Thema Wohnen im Alter ergeben. Auch der Mensch als Teil dieser Umwelt wird immer wichtiger – und immer älter: Nach Prognosen des Landesbetriebs Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) wird allein in Nordrhein-Westfalen das Durchschnittsalter der Bevölkerung von 42,6 Jahre in 2008 auf 46,9 Jahre in 2030 ansteigen. Und da sich die Gesellschaft wandelt, muss sich auch das Bauwesen verändern und seine Forschung auf altersgerechte Lebensräume hin ausrichten.

Für Andrea Berndgen-Kaiser, Architektin am Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS), steht dabei der Gebäudebestand im Fokus: »Hier sind einfache und kostengünstige Lösungen gefragt, durch die Wohnungen barrierefrei ausgestattet und erreichbar gemacht werden.« Tätigkeitsfelder für Ingenieure können sich am ILS vor allem in der empirischen Forschung zum Thema Wohnen im Alter ergeben.


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