Verschiedenes Gemüse mit Augen

Ingenieure in der Gebäudetechnik sorgen für einen reibungslosen Alltag

Ein vielfältiger Berufszweig, der uns alle etwas angeht

Manchmal gibt es auch Beispiele dafür, wie etwas nicht funktioniert: Von Ende November 2011 bis Mai 2012 wurde in den Räumlichkeiten des künftigen Flughafen Berlin Brandenburg ein Basis-Probebetrieb durchgeführt, um mittels Simulation die nagelneue Infrastruktur auf Herz und Nieren, will heißen, auf Probleme und Fehlerquellen zu testen. Denn die Inbetriebnahme sollte, so der Plan, möglichst reibungslos verlaufen. Mitarbeiter der Airlines, der Sicherheitsdienste, der Bodenabfertigungsdienste sowie über 10.000 Komparsen aus Berlin und Brandenburg bevölkerten das Schönefelder Gelände und ›spielten‹ Flughafen – nun, das Ergebnis dürfte bekannt sein. Auf der Website des Flughafens ist zu lesen: »Bis zur Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg wird vor allem daran gearbeitet, das Brandschutzkonzept umzusetzen.« Termin dieser Eröffnung: bis dato unbekannt.

Gebäudetechnik soll vor allem eines: funktionieren

Was in Berlin letztendlich falsch gelaufen ist, welche politischen, fachlichen oder personellen Fehlentscheidungen dazu geführt haben, dass sich ein ›unwiderruflicher‹ Eröffnungstermin bisher verlässlich wie das Amen in der Kirche immer wieder verschob, ist kaum mehr nachzuvollziehen. Fakt ist: Das Flughafen-Debakel stellt so ziemlich den Alptraum eines jeden Gebäudetechnikers dar. Bernd Hanke ist der Bereichsleiter für Technisches Gebäudemanagement an einem anderen deutschen Flughafen. Einem, der nicht nur einer der größten europäischen Güter- und Personentransportdrehscheiben ist, sondern auch überwiegend nahezu perfekt ›funktioniert‹.

Hinter den Kulissen des riesigen Multikomplex des Frankfurter Flughafens stemmen Hanke und sein Team nebst Fremdfirmen täglich 24 Stunden lang die Mammutaufgabe, den sicheren, hochverfügbaren und effizienten Betrieb der Immobilien und technischen Anlagen zu ermöglichen. Allein über 2,4 Millionen Quadratmeter Bruttogeschossfläche sind das, über 220 Fußballfelder, auf denen 428 Gebäude stehen, ausgestattet mit teils hochkomplexen technischen Anlagen. 20.000 Gepäckstücke pro Stunde schafft allein das Förderbandsystem – eine Aufgabe mit gewaltigen Dimensionen. Dabei hat der 52-jährige die technische Gesamtverantwortung im Facility Management für den Frankfurter Flughafen:

»Von der Wartung und Instandhaltung, über Sicherstellung der Verfügbarkeit und ständiger Optimierung der Anlagen, sind wir fast am gesamten Lebenszyklus der Gebäude und Anlagen beteiligt«, so der Airport Facility Manager.

Ein Job, der ein genauso anspruchsvolles wie facettenreiches Aufgabenspektrum für Ingenieure bietet: »Ständige Veränderungen im Bezug auf den Stand der Technik oder im Normen und Gesetzesumfeld sind nur ein geringer Teil der Herausforderung. Hoher Kostendruck durch ständig steigende Energiekosten, immer schärfere Umweltanforderungen und immer komplexere Technologien erfordern eine ständige Weiterentwicklung des Fachwissens. Allein die gewerkeübergreifenden Verknüpfungen, vor allem bei der Sicherheitstechnik benötigen, immer höhere ingenieurtechnische Kompetenz.« Wer sich also für eine Karriere in der Gebäudetechnik interessiert, sollte grundsätzlich eine gewisse Freude an analytischem Denken und ein Mindestmaß an Technikbegeisterung mitbringen.

In der Zivilgesellschaft ist Gebäudetechnik nahezu allgegenwärtig

Trotz der eigentlich spannenden beruflichen Herausforderungen in diesem Gebiet ist es mit der Gebäudetechnik für die meisten von uns ein bisschen wie mit dem Bahnfahren: Solange der Zug kommt, steigt man ohne viel darüber nachzudenken ein und fährt durchs Land, bleibt er aus, ist der Ärger groß. Ebenso wird die Funktion technischer Gebäudeausrüstung im Allgemeinen als selbstverständlich vorausgesetzt: Wer morgens frierend unter der Dusche steht und aus dem Hahn nur gähnende Leere tropft, der ist ähnlich ungehalten wie der Hochhausbewohner, der seinen Einkauf bis in den 16. Stock schleppen muss, weil der Aufzug mal wieder spinnt.

»Nahezu jedes Mitglied unserer Zivilgesellschaft nutzt die Gebäudetechnik täglich und vielfältig«, so Thomas Terhorst, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik.

Unsere Versorgung mit Wasser, elektrischer Energie, mit Wärme, Kälte und Luft sowie der Transport von Menschen, Gegenständen und Informationen, all das fällt unter den Zuständigkeitsbereich der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) – Themenschwerpunkte, auf die sich Ingenieure einerseits spezialisieren können, andererseits gebe es die Möglichkeit, beispielsweise in einem Planungsbüro, bei einem Komponentenhersteller, in der Bauausführung oder der Prüfung und Überwachung tätig zu sein, merkt Terhorst an. Für persönliche Neigungen ist in diesem Berufszweig demnach viel Platz – doch egal ob Heizungsbaufachmann oder Experte für Starkstromanlagen: Wird das Gebäude gebaut, in dem die Technik später rund laufen soll, müssen sich die TGA-Ingenieure mit allen am Bau beteiligten Fachleuten abstimmen – Thomas Terhorst zufolge hat seine Gesellschaft in Sachen Baukommunikation noch einiges zu tun, »die Branche hat hier, verglichen mit anderen, Nachholbedarf«. Während es einem Architekten beispielsweise vordergründig um Ästhetik, Raumnutzung und die Baukosten geht, steht die Gebäudetechnik für ihn eher im Hintergrund – hier kommen die TGA-Ingenieure als Fachplaner ins Spiel. Bernd Hanke weiß, wie wichtig es ist, dass diese im Rahmen eines ›baubegleitenden Facility Managements‹ die Weichen für einen effizienten Gebäudebetrieb schon in der Planungs- und Bauphase stellen: Stehen die Gebäude und Anlagen einmal, sind die Veränderungsmöglichkeiten gering.

Greenbuilding liegt schwer im Trend

Aktuell zeichnet sich als größter Trend der Branche das sogenannte ›Green Building‹ ab:

»Nachhaltigkeit und Umweltschutz werden die treibende Kraft für eine rasante Weiterentwicklung in der Gebäudetechnik bleiben. Ich bin überzeugt, dass wir es in wenigen Jahren mit Technologien zu tun haben, die wir jetzt noch unter Science-Fiction einordnen würden.«

Terhorst vom VDI prognostiziert der Branche im Zusammenhang mit den Zielen der Energiewende einen erheblichen Bedeutungszuwachs. Gebäude verbrauchen hierzulande etwa 40 Prozent der Energie, das ist mehr als der Verkehr veranschlagt. Daher steht und fällt das Erreichen jener Ziele mit einer deutlichen Energieeffizienzsteigerung im Gebäude – eine, und vielleicht auch die wichtigste der vielen Aufgaben von Ingenieuren in der Gebäudetechnik.


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