Holzhütte schwebt auf einer Insel in der Luft
Bauten der Zukunft photo_m / Quelle: Photocase

Nachhaltigkeit in der Baubranche

Zukunfts-Bauten: Nachhaltigkeit wird auch in der Baubranche groß geschrieben

Energetisch Optimiertes Bauen

Das Europaviertel in Frankfurt/Main ist eines der momentan größten Bauvorhaben in Deutschland. Bis 2019 soll ein komplett neuer Stadtteil auf dem Gelände des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs entstehen. Im Europaviertel sollen 30.000 Menschen arbeiten und etwa 10.000, vor allem besser betuchte Menschen leben können. Die Hauptwohnanlage wird ein 60 Meter hoher Turm sein, der auf den Namen ›Axis‹ hört, allein etwa 100 Millionen Euro kosten wird und: nachhaltig gebaut wird.

»Aus energetischer Sicht ist das Wohnhochhaus als ›KFW55-Effizienzhaus‹ konzipiert, das heißt Axis benötigt 45 Prozent weniger Energie für Heizung und Warmwasser als ein Neubau, der nach den aktuellen Vorgaben der Energieeinsparverordnung errichtet wird«

berichtet Professor Andreas Menner, Ressortleiter Baumanagement & Green Building bei der Grontmij GmbH, einer Planungs- und Ingenieursgesellschaft mit bundesweit rund 700 Beschäftigten

Nachhaltiges Bauen: soziale, ökonomische und ökologische Aspekte

Grontmij hat sich auf nachhaltige Bauweisen spezialisiert und damit einen wichtigen Aspekt der Baubranche belegt. »Nachhaltiges Bauen umschließt ein breites Spektrum sozialer, ökonomischer und ökologischer Aspekte. Dies können die Auswahl der Baumaterialien, der Komfort der späteren Nutzer, die Kosten und der Verbrauch bei der Wartung des Gebäudes oder Möglichkeiten der Modernisierung sein. Die Bandbreite endet erst beim Abbruch des Gebäudes und der ökologischen Entsorgung oder Wiederverwendung seiner Rohstoffe«, erklärt Professor Menner. Einer der wichtigsten Aspekte ist dabei das energetische Bauen.

»Durch Nutzung neuer Energieträger wie Solarenergie, Geothermie oder Biomasse ist es in Verbindung mit Wärmeschutzmaßnahmen bereits heute möglich, sogenannte Passivhäuser, Nullenergiehäuser oder Plusenergiehäuser zu errichten. Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass mehr Energie erzeugt als verbraucht wird«, so Professor Menner.

Doch zurück zu Axis, dem Wohnhausturm im Frankfurter Europaviertel, und damit zur Praxis. Die erwähnten 45 Prozent Minder-energieverbrauch von Axis werden dadurch erreicht, »dass die im Abwasser gespeicherte Energie zur Raumheizung und Warmwasserbereitung verwendet wird. Dafür wird eine der größten Abwasser-Wärmepumpen der Welt in Axis installiert. Mit einer Heizleistung von 440 kW ist die Wärmepumpe in der Lage, alle 153 Wohnungen im Winter zu heizen, im Sommer zu kühlen und gleichzeitig das gesamte Brauchwasser zu erwärmen«, berichtet Professor Menner von Grontmij. Ein hochmodernes Lüftungssystem sorgt darüber hinaus nicht nur für saubere und frische Luft, sondern nutze zudem einen hocheffizienten Wärmetauscher, der der Abluft Wärmeenergie entzieht und diese nutzt, um die Außenluft im Winter vorzuwärmen oder im Sommer abzukühlen.

Ressourceneffizientes Bauen

Masterstudiengang: Ressourceneffizientes Bauen an der Hochschule Rottenburg

Dass die Verknüpfung von Baumaßnahmen und Nachhaltigkeit stetig an Bedeutung gewinnt, spiegelt sich nach und nach auch in den Vorlesungsplänen deutscher Hochschulen wider. Die Hochschule Rottenburg beispielsweise startet zum Wintersemester 2014/15 den neuen Masterstudiengang ›Ressourceneffizientes Bauen‹. Laut Professor Ludger Dederich liegt das Ziel des neuen Masterprogramms darin, grundlegende Kenntnisse der relevanten Aspekte für ressourceneffiziente Produkte und Prozesse im Bauwesen zu vermitteln.

»Dieses Wissen reicht dabei von der Schonung der natürlichen Ressourcen über die effizient vernetzte Energieproduktion, -distribution und -nutzung bis hin zur Reduzierung von Risiken, die es miteinander verknüpft erfolgreich umzusetzen gilt«

, so der Professor für Holzbau weiter. Zielgruppe für den viersemestrigen Studiengang sind Absolventen von Bachelorstudiengängen der Fachrichtungen Architektur, (Holz-) Bauingenieurwesen, Holzwirtschaft, Umweltingenieurwesen.

Den Beweggrund für das neue Studienprogramm erklärt Professor Bertil Burian, Leiter des Studiengangs, wie folgt: »Vor dem Hintergrund sich dynamisch verändernder Wohnraum- und Lebensqualitätsansprüche der Gesellschaft in entwickelten Ländern wie in den rasch wachsenden Entwicklungsländern wird ein optimierter Einsatz der erforderlichen Ressourcen für die Schaffung von Wohn- und Lebensräumen immer wichtiger.

Projekt Axis

Herausforderungen in Mega-Cities sowie auf dem Land

Dies gilt in Ballungsräumen und Mega-Cities ebenso wie im ländlichen Raum. Während in dem einen Fall der Flächenbedarf und die Immobilienpreise die wesentlichen Herausforderungen darstellen, sind es im anderen die Erreichbarkeit von Infrastruktureinrichtungen und der zunehmende Zwang zur Autonomie.« Wenn die ersten Absolventen des Studiengangs die Hochschule Rottenburg verlassen, biegt das Projekt Axis übrigens gerade auf die Zielgeraden ein – und wird vermutlich sowohl national wie auch international viele Nachfolgeprojekte finden.

 

 


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