Kran in der Dämmerung
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Vom Kran bis zum Superkran: So arbeiten Ingenieure im Kranbau

Lifting you Higher - Ingenieure bauen Kräne und Hebemaschinen, die immer stärker mit der digitalen Welt vernetzt sind

Deutschlands höchster Punkt ist derzeit nicht die Zugspitze – sondern ein Kran: Auf dem Berggipfel entsteht noch bis Ende dieses Jahres eine neue Pendelbahn, die ab Dezember 2017 Besucher vom Eibsee zum Zugspitzgipfel bringen soll. Die Eibsee-Seilbahn wird die weltweit höchste Stahlstütze mit 127 Metern bekommen. Ein Rekord: Keine andere Seilbahn der Welt überwindet mit 3.207 Metern Abstand von der Stütze bis zur Bergstation eine größere Entfernung.

Der ›Flat-Top 150 EC-B 6 Litronic‹

Der Hightech-Kran, der diesen Gipfelbau möglich macht, heißt ›Flat-Top 150 EC-B 6 Litronic‹ und wurde von Deutschlands größtem Hersteller von Kränen und Hebezeugen Liebherr entwickelt: In 2.975 Metern Höhe ist der Super-Kran mit 50 Metern Ausladung und einer Hakenhöhe von 18,6 Metern im Einsatz. Um den enorm hohen Windgeschwindigkeiten von bis zu 280 Kilometern pro Stunde und der Kälte bis minus 25 Grad Stand halten zu können, wurde der ›150 EC-B‹ als besonders widerstandsfähige Sonderanfertigung bereitgestellt – für die spezielles Ingenieurwissen notwendig war.

Attraktive Berufschancen in der Intralogistik für junge Ingenieure

»Der customized-Anteil in solchen Projekten ist sehr hoch – entsprechend groß ist der Bedarf an Ingenieuren für die Planung und Umsetzung solcher Kundenanforderungen«,

bestätigt Juliane Friedrich vom Fachverband Fördertechnik und Intralogistik des Branchenverbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

»In der Intralogistik – dazu zählen wir neben Kränen und Hebezeugen auch Flurförderzeuge, Stetigförderer und Lagertechnik – bieten sich aus unserer Sicht attraktive Berufschancen für junge Ingenieure.«

Berufsperspektiven auch im technischen Projektmanagement und im Kundenservice

Liebherr ist ein hoch spezialisiertes Technologieunternehmen, das breit gefächerte berufliche Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

»Ingenieure finden bei uns sowohl in den klassischen Bereichen Konstruktion und Entwicklung oder Produktionssteuerung sehr gute Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten«,

sagt Liebherr-Personalleiterin Christina Geiß.

»Aber auch im technischen Projektmanagement und im Kundenservice gibt es interessante Perspektiven, die vielen Absolventen so nicht bekannt sind.«

Zunehmend auch duale Studiengänge möglich

Neben den klassischen Maschinenbau- und Logistik-Studiengängen, die komplett an der Hochschule stattfinden, gibt es zunehmend auch duale Studiengänge, bei denen das Studium im Wechsel zwischen einem Kranbauunternehmen und einer Hochschule erfolgt, weiß Prof. Dr.-Ing. Johannes Fottner vom Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik an der Technischen Universität München.

»Die Branche ist neben den bekannten großen Unternehmen geprägt durch einen starken Mittelstand«,

erklärt Prof. Fottner.

Zu den Megatrends der Branche zählt der Experte nicht nur die Verbesserung des Bedienkomforts von Kran und Hebemaschine sowie Effizienzsteigerung und Kostensenkung, sondern auch eine zunehmende Vernetzung, Automatisierung und Flexibilitätssteigerung.

Digitalisierung als wichtiger Trend

Hersteller wie Liebherr, Tadano Faun oder Abus Kransysteme haben ihre Produkte längst in ein digitales Zeitalter überführt.

»Zu den wichtigsten Trends gehört die Digitalisierung«,

sagt auch Liebherr-Personalleiterin Christina Geiß.

»Damit unsere Mitarbeiter die Herausforderungen der Zukunft meistern können, bieten wir umfangreiche Aus- und Weiterbildungsprogramme an, die die individuelle Förderung ergänzen.«

Schließlich baue das Unternehmen auf kompetente Mitarbeiter,

»die der Firmengruppe über Jahre hinweg treu bleiben«.

 

Nummer 1 Mit aktuell 225 Mitgliedsfirmen, die ein Produktionsvolumen von circa 20 Milliarden Euro (2015) erwirtschaften, ist der Fachverband Fördertechnik und Intralogistik der bedeutendste Intralogistik-Fachverband Europas.

Nummer zwei in Deutschland: Fördertechnik und Intralogistik stellen nach der Antriebstechnik die zweitgrößte Fachbranche im deutschen Maschinen- und Anlagenbau.

Hersteller von Kränen und Hebezeugen zählen zur sogenannten Intralogistik-Branche: Sie umfasst die Organisation, Steuerung, Durchführung und Optimierung des innerbetrieblichen Materialflusses, der Informationsströme sowie des Warenumschlags in Industrie, Handel und öffentlichen Einrichtungen.

 

Gehalt & Jobs

Soviel verdienst du  45.545 Euro jährliches Einstiegsgehalt beziehen Ingenieure bei Herstellern von Kränen und Hebezeugen nach einer aktuellen Gehaltsstudie. Damit liegen sie im Mittelfeld zwischen Ingenieurbüros (41.500 Euro) und den Spitzenverdienern im Fahrzeugbau (49.000 Euro).

Kräne sind zukunftssicher  »Die Branche der Kräne und Hebezeuge ist zukunftssicher, denn Material und Waren müssen immer bewegt werden.« Juliane Friedrich vom Fachverband Fördertechnik und Intralogistik des VDMA.

 

Kran-Typologie

Lift by Funk   Auch bei Kränen und Hebezeugen geht der Trend unverkennbar hin zu drahtloser Bedienung: Der Einsatz von Bluetooth, LTE, ZigBee oder WLAN bei der Steuerung ist groß im Kommen.

Kran-Typologie   Kranbau liefert Maschinen für die Bereiche Industriekräne, Arbeitsplatzkräne, Einschienenbahnen, Schwenkkräne, explosionsgeschützte Kräne, Elektroseilzüge, Kettenzüge, Bandzüge und handbetriebene Hebezeuge.

Kran-Kategorien   Das sogenannte Standard Lifting befasst sich mit Standardaufgaben, das Heavy Lifting mit dem Verheben von hohen Gewichten.

Kran-Führerschein   Anbieter von Kränen müssen sich zertifizieren. So garantiert beispielsweise die DIN EN ISO 9001 2000 das Qualitätsmanagement.

Interkulturelle Kompetenz   Kranhersteller wie auch alle anderen Unternehmen in der Intralogistikbranche agieren weltweit, Projekte im Ausland gehören zum Tagesgeschäft. »Interkulturelle Kompetenz spielt deshalb ebenso eine Rolle wie die Fähigkeit, in internationalen Teams zu agieren«, so der VDMA über Anforderungen an den Ing-Nachwuchs.


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