Elektroingenieure: Anforderungen für Elektrotechniker und Elektroniker auf dem Arbeitsmarkt zeigt eine Studie des VDE

Quo Vadis Elektroingenieur? Mit der Studie ›Young Professionals der Elektro- und Informationstechnik‹ bringt der VDE Licht in Situation und Erwartungen des Berufs

Hängende Glühbirnen mit Wolken im Hintergrund
jniittymaa0 / pixabay

Anforderungen, Arbeitszahlen, Auslandsaufenthalt: Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie empfinden junge Elektroingenieure ihren Berufseinstieg?

Die Mehrheit der Berufseinsteiger beschreibt ihren Job als kreativ und abwechslungsreich (71 Prozent) mit guten Karriereaussichten (61 Prozent) und als krisensicher (46 Prozent). 17 Prozent geben an, bereits Personalverantwortung zu haben, 56 Prozent streben diese an und 26 Prozent erwarten sie innerhalb der nächsten drei Jahre. Bei der Wahl ihrer Tätigkeit setzen die Young Professionals auf die Zukunftstechnologien: 23 Prozent aller Befragten arbeiten im Bereich Smart Grid, knapp ein Fünftel bewegt sich auf dem Arbeitsfeld der E-Mobility (19 Prozent), im Bereich der Medizintechnik sind 15 Prozent und im Bereich Industrie 4.0 rund 14 Prozent der Befragten tätig. 12 Prozent ordnen ihre Tätigkeit dem Smart Home zu, neun Prozent beschäftigen sich mit Smart Cities.

Wird von den Ingenieuren viel verlangt?

Ja. Der Beruf gibt viel, fordert aber auch viel. Die Arbeit eines Ingenieurs bedeutet ständige Verfügbarkeit, häufige Überstunden und Wochenendarbeiten: Rund ein Viertel der Befragten stimmt dieser Aussage voll und ganz zu (24 Prozent). Auch wenn Familie und Freunde fast allen Befragten wichtiger ist als die Karriere – 41 Prozent stimmen hier voll und ganz zu, 52 Prozent mehr oder weniger –, akzeptieren 81 Prozent, ihr Privatleben einschränken zu müssen, um beruflich voranzukommen. Allerdings sind nur zwölf Prozent der Meinung, dass sie ihre sozialen und familiären Bedürfnisse nicht mit beruflichen Pflichten in Einklang bringen können. Die Motivation der Young Professionals, sich für die berufliche Karriere zu engagieren, ist dennoch hoch: Rund elf Tage im Jahr nehmen die Befragten durchschnittlich an internen und externen Weiterbildungsveranstaltungen teil.

Wie wichtig sind Work-Life-Balance und ein überdurchschnittliches Gehalt?

Sagen wir so: Es gibt andere Faktoren, die den jungen Elektroingenieuren deutlich wichtiger sind: Eine Tätigkeit, mit der sie sich gut identifizieren können, stand für 64 Prozent der Bewerber bei der Suche nach einem Arbeitsplatz an erster Stelle. Ein angenehmes Arbeitsumfeld mit netten Kollegen halten 60 Prozent für sehr wichtig. Zudem sollte ihnen ihr künftiger Arbeitgeber eine langfristige Perspektive bieten können (53 Prozent). Flexible Arbeitszeiten sind für 44 Prozent der Befragten sehr wichtig. In einem internationalen Umfeld zu arbeiten, ein überdurchschnittliches Gehalt zu beziehen und vom Arbeitgeber beim Thema Kinderbetreuung unterstützt zu werden, stufen jeweils nur etwa 15 Prozent der Befragten bei der Suche nach einem Job als sehr wichtig ein.

Wie sieht es mit der Lust aus, auch mal ins Ausland zu gehen?

Die Bereitschaft für einige Zeit ins Ausland zu gehen, ist bereits bei Studierenden hoch. Vor dem Jobeinstieg hat knapp die Hälfte ein Praktikum im Ausland absolviert, davon die meisten in den USA. Insgesamt haben 16 Prozent der Befragten ein Auslandssemester eingelegt. Berufserfahrungen im europäischen Ausland oder in den USA zu sammeln und dafür – wenn nötig – auch die Familie mitzunehmen, können sich mehr als die Hälfte der Young Professionals vorstellen. Für 41 Prozent der Befragten käme ein beruflicher Aufenthalt in Asien in Betracht. Zu weiteren beliebten Ländern zählen Australien, Kanada und Neuseeland. Auch die süd- und mittelamerikanischen Staaten sind für einige attraktiv.

 

53 Prozent der Elektroingenieure und Informationstechniker verschicken bis zum Berufsstart weniger als fünf Bewerbungen.

Elektroingenieure und Informationstechniker benötigen durchschnittlich höchstens drei Vorstellungsgespräche. Dann haben sie ihren Arbeitsvertrag in der Tasche.

Fast 50 Prozent der Elektroingenieure und Informationstechniker absolvieren mindestens eines ihrer Praktika im Ausland.

 

Elektroingenieure und Informationstechniker bilden Qualifikationen aus, die beruflich von übergeordneter Bedeutung sein können: Dazu gehören das Denken in dynamischen Systemen und Prozessen, die strukturierte Suche nach den Ursachen und das Beheben von Fehlern in Systemen sowie der Umgang mit komplexen Systemhierarchien, Schnittstellen und Wirkungszusammenhängen.

Die VDE-Experten zeigen in ihrer Studie, dass die Gründungsneigung von Elektroingenieuren und Informationstechnikern hierzulande wenig ausgeprägt ist. Der wichtigste Grund dafür ist sicherlich die besonders gute Arbeitsmarktsituation, die einer Vollbeschäftigung gleichkommt.

Ein Fünftel aller Vorstände in einem DAX-Unternehmen sind Ingenieure. Nach Wirtschaftswissenschaftlern (50 Prozent) sind sie damit noch vor den Juristen (13 Prozent) die am stärksten vertretene Berufsgruppe.

 

Was leisten Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik?  In einem Thesenpapier unterstreicht der VDE die Bedeutung der Elektroingenieure. Der Tenor: »Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik entwickeln in zentralen Bereichen Wirtschaft und Gesellschaft weiter und tragen damit erheblich zum Wohlstand unserer Gesellschaft bei. Arbeitswelt und Kommunikation gehören genauso dazu wie Energieversorgung und Mobilität. Hinzu kommen Impulse für Medizin und Bildung. Außerdem können sie aufgrund ihrer breiten Qualifikation in vielen Berufsbereichen eingesetzt werden – von klassischer Forschungs- und Entwicklungsarbeit über Fertigung, Betrieb und Service bis hin zu Marketing, Vertrieb oder Lehrtätigkeit.«

Kompetenz und Können  Laut VDE-Thesenpapier verfügen Elektroingenieure über eine so breite Qualifikation, das ihr Einsatz in vielen Berufsbereichen möglich ist. Die Ingenieurberufe reichen demnach von klassischer Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten über Fertigung, Betrieb und Service bis hin zu Marketing, Vertrieb oder Lehrtätigkeit. Und dass sowohl in Fach- als auch in Führungskarrieren. Ingenieure seien deshalb in jeder Art von Unternehmen und Institutionen zu finden. Auch deshalb – so der VDE – sollte es Ingenieuren nahezu als Pflicht erscheinen, ihre Sachkompetenz auch in politische Entscheidungen einzubringen.


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