H. E. Scholz vom VDE: "Der Wandel geht weiter"

Der Geschäftsführer für Ingenieurausbildung erklärt, auf welche Trends sich Elektroingenieure einstellen sollten.

Geschäftsführer für Ingenieurausbildung

Die Aufgaben der Elektroingenieure von heute sind längst nicht mehr mit denen von vor 20 Jahren zu vergleichen. Wird es in den kommenden zehn bis 20 Jahren zu ähnlich elementaren Veränderungen kommen? 

Der Wandel geht weiter, auch wenn die Ursache für die fulminante Entwicklung des Berufs dieselbe bleibt: Die Elektro- und Informationstechnik ist eine Schlüsseltechnologie und steht im Zentrum technischer Weiterentwicklungen in allen Branchen. Von A wie Automobilwirtschaft bis Z wie Zahntechnik. Verbände wie der VDE leiten daraus faszinierende und attraktive Berufs-, Karriere- und Verdienstmöglichkeiten ab. Das aber ist nur die eine Seite der Medaille. Denn natürlich werden sich auch die Anforderungen ändern … und sie werden sich – zumindest in Teilbereichen – deutlich erweitern. Wir können also davon ausgehen, dass sich Niveau und Anforderungen des Berufs erweitern werden.


Was bedeutet das für diejenigen, die in den nächsten Semestern ihr Studium abschließen werden?
Der Beruf wird von immer mehr Schnittstellen geprägt sein: Schnittstellen zwischen Systemen und Komponenten, Schnittstellen der verschiedenen Dienstleistungen rund um das Produkt, Schnittstellen zwischen Hard- und Software, Mensch-Maschine-Schnittstelle, Schnittstellen zwischen den Abstraktionsebenen, internationale und auch interdisziplinäre Schnittstellen. Hintergrund dafür ist unter anderem, dass technische Lösungen nicht mehr isoliert gesehen werden können, sondern bereits in der Konzeptionsphase für das Zusammenspiel mit anderen Produkten ausgelegt werden müssen.

Zudem ist es mit dem ursprünglichen Ansatz der Ingenieurwissenschaften, dass Technik sinnvoll sein und funktionieren muss, wohl nicht mehr getan?
Richtig. Für den Markterfolg eines ingenieurwissenschaftlichen Produkts ist die technische Leistungsfähigkeit ein zwar notwendiger, aber keineswegs ausreichender Faktor mehr. Je nach Anwendungsbereich müssen Ingenieure Design, Benutzerfreundlichkeit, Preis, Verfügbarkeit von Inhalten, Standardisierung, Umweltgesichtspunkte und Urheberrechtsfragen mit in ihre Arbeit einbeziehen.

Welche weiteren Trends erwarten Sie für die kommenden Jahre?
Viele dieser ›Trends‹ sind nicht neu, sie werden sich nur weiter verfestigen. Dazu gehört beispielsweise, dass technische Entwicklungen immer häufiger durch die Kombination von Know-how aus verschiedenen Gebieten entstehen. Die traditionellen Grenzen der ingenieurwissenschaftlichen Fachdisziplinen verlieren damit weiter an Bedeutung. Außerdem werden sich die Studierenden schon heute darauf einstellen müssen häufig auf einer Abstraktionsebene zu arbeiten, die weit von der physikalischen Ebene entfernt ist. Aus dem ehemals handwerklich orientierten ›Tüfteln‹ wird endgültig ein abstraktes Arbeiten.


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