Eine Frau mit Stift in der Hand, auf ihre Haut werden Daten projeziert
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Skill-Check: das müssen Elektrotechnik-Absolventen mitbringen

Was Personaler erwarten, womit du punktest und wie du Bewerbungsfehler vermeidest

Es gab Zeiten, da waren Elektrotechniker die Tüftler, Erfinder und Bastler. Aber der Beruf verändert sich. Den typischen Elektroingenieur gibt es nicht mehr. Die Digitalisierung hält die Branche auf Trab, Industrie 4.0, Smart-Grids und Elektromobilität bringen neue Jobs. Rund 100.000 Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik werden bis 2026 zusätzlich gebraucht, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Beste Aussichten also für alle Elektrotechnik-Absolventen. Alte Berufsbilder werden angepasst, neue geschaffen. Die einen entwickeln LED- und Laserlichter, die anderen ganze Produktionsstraßen für Neuwagen. Während die einen Klemmen oder Hörgeräte konstruieren, planen andere Ladesysteme für Elektroautos. Elektroingenieure kommen in fast jeder Branche unter: in Kommunikations- und Nachrichtentechnik, im Maschinen- und Fahrzeugbau, in der Medizintechnik oder im Energiewesen.

Doch wie kommt man eigentlich rein in das Traumunternehmen und was erwarten Personaler?

Fehler Nummer Eins: Glauben, dass Standardbewerbungen reichen. Auch wenn es viele Stellen gibt – wer nicht nur irgendeinen, sondern einen richtig guten Job will, muss herausstechen. Personaler wollen sehen, dass der Bewerber sich mit dem Unternehmen beschäftigt hat und nicht bloß der Ansprechpartner im Anschreiben ausgetauscht wurde. Das heißt: recherchieren, einlesen und eine passgenaue Bewerbung verfassen. Eine der wichtigsten Qualifikationen ist das Fachwissen. Wer an einer renommierten Hochschule war oder besondere Projekte oder Auszeichnungen während des Studiums nachweisen kann, sollte das in der Bewerbung unbedingt hervorheben.

Fehler Nummer Zwei: Glauben, dass man im Job nett vor sich hinbasteln kann.

»Früher hatten wir den Daniel Düsentrieb, der als technischer Tüftler gearbeitet hat, jetzt brauchen wir teamfähige Gesamtlösungen und ein Systemverständnis, denn es wird mit anderen Abteilungen zusammengearbeitet«,

erklärt Marius Rieger, Referent für Bildungspolitik beim Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Die Branche sucht heute mehr denn je ›Macher‹ und Absolventen, die Ideen haben, kreativ, mutig und neugierig genug sind, um Neues auszuprobieren. Nur so entstehen Innovationen. Aber eben nicht alleine im Kämmerchen, sondern in interdisziplinären Teams. Der Elektrotechniker von heute sitzt mit Kollegen aus Marketing und Vertrieb zusammen, bespricht sich mit der Rechts- und Finanzabteilung oder koordiniert Abläufe mit den Verantwortlichen aus dem Einkauf.

Fehler Nummer Drei: Glauben, dass alle im Unternehmen technisches Verständnis mitbringen. Interdisziplinäre Teams müssen erst eine gemeinsame Sprache finden, um zu verstehen, was die anderen meinen. Karriere machen vor allem diejenigen, die die Sichtweisen der anderen nachvollziehen und gleichzeitig ihr technisches Fachwissen verständlich erklären und präsentieren können. Mündlich wie schriftlich. Dabei geht es nicht um die perfekte Powerpoint-Präsentation, sondern um ehrliche Begeisterung und Kommunikation. Die meisten Unternehmen gehen ohnehin davon aus, dass jeder Bewerber sich mit den gängigen Office-Programmen auskennt. Wer im Job mit spezielleren Programmen arbeiten muss, lernt das spätestens im Berufsalltag. Oft bieten Unternehmen auch Fortbildungsmöglichkeiten an und geben ausreichend Zeit, sich einzuarbeiten.

Sprachgewandt und kommunikativ

Etwas anspruchsvoller ist die Haltung der Personaler, wenn es um Fremdsprachenkenntnisse geht. Weil sich viele Unternehmen immer internationaler aufstellen, ist gutes Englisch meist eine Grundvoraussetzung. Kein Personalchef erwartet astreines Oxford-Englisch, aber wer nur ›Hi‹ sagen kann, wird schnell aussortiert. Wer die Stelle trotzdem will, sollte schon in der Bewerbung vermerken, dass er bereit ist, einen Sprachkurs zu besuchen. Immer wichtiger wird auch das kundenorientierte Denken. Was früher alleinige Aufgabe von Marketingleuten oder Vertrieb war, ist heute auch Job des Elektroingenieurs.

»Ich muss als Elektrotechniker wissen: Was braucht der Kunde und wie wünscht er sich das Produkt? Denn es ist nicht immer die technisch beste Lösung, die sich durchsetzt, sondern meist gewinnt die marktgerechteste Lösung«,

erläutert Marius Rieger. Das erfordert betriebswirtschaftliches Wissen. Besonders gilt dies für alle, die ins Projektmanagement möchten oder später Führungsaufgaben übernehmen wollen. Gute Chancen auf eine Karriere bietet auch der technische Vertrieb. Hier werden Elektroingenieure gesucht, die nicht nur fachlich fit, sondern auch kontaktfreudig und kommunikativ sind. »Es geht darum, Menschen und Kunden von den Vorteilen eines Produktes zu überzeugen«, erklärt Marius Rieger. »Elektroingenieure, die im Vertrieb tätig sind, müssen daher rhetorisch stark sein, um den Nutzen eines Produktes schlau kommunizieren und erklären zu können. Und sie sollten kritische Fragen elegant beantworten können. « Aber wo lernt man das alles?

Fehler Nummer Vier: Glauben, dass man das alles im Studium mitbekommt. »Viele Hochschulen vermitteln noch zu wenig Wissen jenseits der fachlichen Kompetenzen«, sagt Rieger. »Wie die Welt da draußen funktioniert, lernen Studierende daher hauptsächlich durch Praktika«. Die besten Chancen auf eine steile Karriere haben daher all jene, die schon im Studium Praxiserfahrungen sammeln. Sei es durch branchenspezifische Praktika oder Werkstudententätigkeiten. Personaler schauen auch, ob sich ein Bewerber jenseits des Studiums engagiert, etwa im Sportverein, politisch oder ehrenamtlich. Oder ob er eine Zeit lang im Ausland war. Das gibt ordentlich Extra-Punkte auf dem Bewerberkonto.

Wem das große Angebot auf dem Stellenmarkt nicht ganz zusagt, darf auch mutig über eine Gründung nachdenken: Habe ich eine Idee, die mich begeistert, von der ich überzeugt bin? Rund 80 Prozent aller E-Technik-Ingenieure sind angestellt. Aber in wem der klassische Tüftler-Geist steckt, ist vielleicht auch ein erfolgreicher Unternehmer von morgen.


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