Sonnenuntergang auf Autobahn

Das Solarcarteam Bochum fährt von Sieg zu Sieg

Bravo! Klasse gemacht: Einen Doppelsieg fuhr das Solarcarteam der Hochschule Bochum bei der European Solar Challenge (ESC) in Belgien ein

Die Studierenden belegten mit ihrem Solarfahrzeug, den ›ThyssenKrupp PowerCore SunCruiser‹ in der Gesamtwertung denersten Platz und mit dem Weltumrunder ›Solarworld GT‹ den zweiten Platz. Zur Konkurrenz gehörten die Teams aus der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Türkei und Frankreich.

Bei dieser Challenge ging es um zwei Kurzstreckenrennen und um den Langstreckenwettbewerb ›Die 9 Stunden von Zolder‹. Hierbei zählte weniger die jeweilige Höchstgeschwindigkeit der beteiligten Sonnenautos, sondern vor allem die strategische Wahl des richtigen Tempos für die zur Verfügung stehende Energie, die während des Rennens nur von der Sonne kommen durfte. ›Solarworld GT‹, der bereits die Welt umrundet hatte, fuhr die schnellste Runde mit zwei Minuten und 58 Sekunden. Knapp dahinter lag der Bochumer ›SunCruiser‹, der mit 109 gefahrenen Runden die Konkurrenz deklassierte und den Solarmarathon für sich entschied. Im Kurzstreckenwettbewerb mit Schikane belegte der Weltumrunder ›SolarWorld GT‹ den ersten Platz. Der zweite Platz ging an ein französisches Team, auf den dritten Platz landeten wieder die Bochumer mit ihrem ›SunCruiser‹, der in der Gesamtwertung nicht nur Vize-Weltmeister, sondern jetzt auch Europameister geworden ist!

Im Laufe der Jahre sind die Bochumer mittlerweile zu wahren Profis beim Bau von Solarautos geworden: Die ersten Sonnenwagen, die vor über zehn Jahren auf die Straßen geschickt wurden, waren noch sehr flach und ähnelten mit ihren großen Flächen – die für die Solar-Module gedacht waren – eher Tischtennisplatten. Außerdem hatten diese Fahrzeuge nur drei Räder und einen Sitzplatz für den Fahrer. Im Laufe der Jahre hat das Solarcarteam aber immer mehr dazugelernt und weitere Verbesserungen vorgenommen, sodass die Bochumer 2011 und 2012 mit dem Sonnenflitzer ›SolarWorld GT‹ einmal rund um die Welt gefahren sind: Allein nur mit der Energie der Sonne wurden circa 30.000 Kilometer geschafft – ohne große Pannen.

Im Team, bestehend aus Studierenden, Mitarbeitern und Professoren, entwickeln die Studierenden regelmäßig neue Solarfahrzeuge, die ausschließlich mit Sonnenenergie angetrieben werden und technisch stets verbessert wurden. Ein Teammitglied ist auch Julia Rose, Studentin im vierten Semester Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik, die schon während ihrer Schulzeit wusste:

»Ich möchte an der Hochschule Bochum studieren, denn nur dort gibt es das Solarcarprojekt. Diese Technik fasziniert mich einfach und ich bin froh, dass es für mich auch geklappt hat. Außerdem ist mir eine Uni viel zu theoretisch und hier an der Bochumer Hochschule kann ich praxisbezogen lernen.«

Am Ende des ersten Semesters wurde es für die 21-Jährige bereits richtig spannend: Es gab eine Infoveranstaltung über das Solarcarprojekt. Rose war natürlich dabei – und für sie gab es sogar auch eine Ausnahme: »Eigentlich wurden Studis ab dem dritten Semester gesucht, ich durfte aber bereits schon im zweiten Semester einsteigen.« Und nun ist sie mit Begeisterung dabei, schraubt regelmäßig an »ihrem Solarauto«: »Ich bin im Elektrotechnikteam für die Gesamtverdrahtung zuständig. Angefangen habe ich mit der Entwicklung eines elektrischen Moduls für den Vorderwagen«, berichtet sie stolz.

Zum Solarcar-Team gehören zur Zeit circa 60 Studis, unter ihnen befinden sich ›nur‹ fünf Frauen. Eine von ihnen ist Rose, die es klasse findet, dass man hier auch eigenständig arbeiten darf: »Wenn ich mal Fragen habe, versuchen wir diese stets im Team zu lösen. Das klappt sehr gut.« Ihr Einsatz wurde bereits belohnt: Seit einigen Monaten ist sie auch die Stellvertreterin von ihrem Kollegen Christian Radke, der die Gesamtverdrahtung verantwortet.

Die 21-Jährige behält ihr Studium stets im Auge und ist gut organisiert: »Die Arbeit im Solarcarteam kann schon mal zehn Wochenstunden verschlingen. Ich möchte aber gerne in meiner Regelstudienzeit bleiben und 2016 meinen Bachelor machen.« Mittlerweile hat Rose, die in ihrer Freizeit gerne Tennis spielt, auch ihre Fahrerausbildung abgeschlossen, darf jetzt also ganz offiziell das Solarauto steuern und gehört damit zum Rennteam.

»Auf meinen ersten Einsatz freue ich mich besonders«, sagt sie, »und ich hoffe, dass ich bei der World Solar Challenge 2015 in Australien dabei sein darf.«

Dieses Ziel strebt das gesamte Solarcarteam an: die hier tätigen Studierenden stammen aus den Fachbereichen Geodäsie und Geoinformatik, Mechatronik und Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik sowie Wirtschaft und arbeiten in jeder freien Minute selbstständig an diesem Projekt, das alle interessante Facetten des Ingenieurberufes beleuchtet: Teamarbeit, Projektmanagement, interkulturelle Perspektiven und nicht zuletzt die Faszination moderner Technik. So bauten die Bochumer bereits zum fünften Mal einen neuen Sonnenflitzer, jedes Auto hat eine andere Optik.

Auch die Technik wurde im Laufe der Jahre verbessert. Die Studierenden haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. So erhielt beispielsweise das Solarauto von 2013, der ›ThyssenKrupp PowerCore SunCruiser‹ einen selbst entwickelten Radnabenmotor. Dieser blaue Sonnenwagen hat mittlerweile auch eine Straßenzulassung bekommen und kann von daher durchaus im Alltag eingesetzt werden: Vier Räder, Platz für drei Personen und erstmals sogar einen richtigen Kofferraum!

Die World Solar Challenge in Australien, die im Oktober 2015 stattfindet und einmal quer durch den fünften Kontinent von Darwin nach Adelaide geht, wird selbstverständlich wieder mit einem neu gebauten Fahrzeug bestritten, bei dem die Erfahrungen aus dem letzten Wettbewerb umgesetzt wurden. Der ›ThyssenKrupp SunRiser‹ ist ein zweisitziger Sportwagen, bei dem erstmalig der Anteil von Kohlefaserkomponenten verringert wird. Diesmal werden Leichtbau-Lösungen aus Stahl verwendet, die sowohl kostengünstiger sind als auch im Vergleich zu Carbon Vorteile bei Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten haben. Weiterhin wird durch aufwändige Innenausstattung für ein ansprechendes Interieur gesorgt.


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