Diese Skills müssen Ingenieure für die Karriere in der Energiebranche mitbringen

Welche neuen Anforderungen Energie-Ingenieure erwarten, erklärt Prof. Thomas Hamacher, Inhaber des Lehrstuhls für Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme an der TU München

Prof. Thomas Hamacher
Prof. Thomas Hamacher, Inhaber des Lehrstuhls für Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme an der TU München privat

In der Energiebranche stehen die Zeichen auf (Er-)Neuerung. Weil die Einsatzmöglichkeiten und Verantwortungsbereiche von Ingenieuren immer vielfältiger werden, steigen auch die Erwartungen und Anforderungen an die Ingenieure. In der Regel sind es dabei fünf grundlegend neue Wünsche, die Unternehmen an ihre Einsteiger haben.

1. Technik-Know-how: Du musst verstehen, worum es geht

Zum Ersten ein Technikverständnis, das vermehrt auch die Kosten im Blick hat. Weil die Projekte in der Regel flexibler ausgerichtet sein müssen und schneller Marktrelevanz haben, fällt es auf, wenn einzelne Projektleiter nicht auch betriebswirtschaftlich denken.

2. IT-Wissen: Du musst vernetzt denken

Zum Zweiten ein verbesserter Blick auf die Systeme als solche. Während es früher um die eine Anlage ging, die ans Netz gebracht werden musste, sollen heute das Zusammenspiel von kleinen und großen Erzeugungsanlagen und die intelligente Verteilung über die Netze möglichst optimal miteinander harmonieren. Weil Ingenieure diese Steuerungsmechanismen mit berücksichtigen müssen, sind nicht zuletzt auch verstärkt IT-Kenntnisse gefragt.

3. Höhere Mathematik: Du kannst komplexe mathematische Zusammenhänge meistern

Zum Dritten ein möglichst umfangreiches Beherrschen der mathematischen Komplexität von Energiesystemen, »Ähnlich wie vor rund hundert Jahren, als Ingenieure enormen Aufwand betrieben, um die ersten einfachen Stromnetze zu simulieren und zu verstehen, stehen wir auch heute wieder vor einer Entwicklung, bei der die Komplexität der Energieversorgung deutlich über dem liegt, was Ingenieure gewohnt sind«, sagt Prof. Thomas Hamacher, Inhaber des Lehrstuhls für Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme an der TU München. Kenntnisse in Mathematik, aber auch in Regelungstechnik, seien deshalb grundlegend für Ingenieure, die die Energieversorgung der Zukunft mitverantworten wollen.

4. IT-Sicherheit: Du kennst dich mit Safety und Security aus

Zum Vierten müssen sich Ingenieure auf neue Risiken einstellen: Die Furcht vor Stromausfällen und Unterbrechungen der Versorgung ist bei den Energieversorgungen laut der aktuellen Global Power and Utility Survey des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers massiv gestiegen. Auch Hackerangriffe auf größere Anlagen oder die intelligenten Stromnetze sind zu so realistischen Szenarien geworden, dass von den Ingenieuren in der Energiebranche immer häufiger grundlegende Kenntnisse in IT-Sicherheit erwartet werden.

5. Visionäre Projektplanung: Du planst den Nutzer mit ein

Fünftens schließlich werden Ingenieure gesucht, die neben einer technischen Ausbildung und der Umsetzung ihrer Pläne vermehrt auch Bürgerbeteiligungen berücksichtigen. Denn das Schaffen von Bürgerakzeptanz gehört längst zu den neuen Qualitäten einer erfolgreichen Energieversorgung. Ingenieure müssen sich deshalb auf eine erweiterte Form der Projektplanung und -durchführung einstellen.


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