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Energie sparen: Maßnahmen der Industrie

Wir müssen unsere Energien schonen und vernünftig einsetzen. Die Automobil-, die Informatik- und die Baubranche setzen hier konkret an

»A bisserl was geht immer«, sagte einst Helmut Fischer in seiner Paraderolle als ›Monaco Franze‹. In manchen Bereichen geht sogar ›a bisserl mehr‹. Allein ein Blick auf das omnipräsente Thema ›Energie‹ – ob nun ihre Effizienz oder ihr Einsparpotenzial betreffend – zeigt, dass nicht nur Unternehmen viel Geld und Engagement in dieses Thema investieren, auch viele Konsumenten sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Trotzdem liegt das Problem nicht immer darin, was wir tun, sondern manchmal auch darin, was wir nicht tun.

So sollten wir alle mal einen Blick in unsere Keller und Dachböden werfen und die alten Computer zum Recyclinghof fahren. Zusammengerechnet lagern dort gut 20 Millionen an der Zahl, die alt und ungenutzt sind:

»Fast jeder dritte Deutsche hortet zu Hause mindestens einen alten PC oder ein altes Notebook, jeder zehnte sogar zwei oder mehr Rechner«, zählt Isabel Richter, Bereichsleiterin Umwelt und Nachhaltigkeit vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM), auf.

In jedem einzelnen dieser Rechner stecken Rohstoffmengen, die aufsummiert auf das Millionenfache einen wichtigen Beitrag zum Ressourcen- und Umweltschutz beitragen. Wenn wir nun ein paar Größenordnungen weitergehen und auf die Energieeffizienz von Rechenzentren blicken, sind hier die höchsten Einsparpotenziale im Bereich der Kühlung zu finden, wobei sich hier in den letzten Jahren einiges getan hat: »Die Zahl der Server ist zwischen 2007 und 2011 um sieben Prozent auf gut 2,3 Millionen gestiegen, gleichzeitig sank deren gesamter Stromverbrauch in diesem Zeitraum um vier Prozent auf 9,7 Terrawattstunden. Das entspricht der Stromproduktion von vier mittelgroßen Kohlekraftwerken«, sagt Richter.

Aber auch die Industrie punktet mit energieeffizienteren Geräten. Bei Neugeräten habe sich das Verhältnis Leistungsfähigkeit/Energieverbrauch stark verbessert, insbesondere durch die neuen sogenannten Mehrkern-Prozessoren, die nicht nur schneller arbeiten, sondern auch deutlich weniger Energie erzeugen und spürbar weniger Wärme als ihre Vorgänger verbrauchen, erklärt die Bereichsleiterin vom BITKOM.

Auch die Automobilbranche investiert in Energiesparmaßnahmen

Apropos ›deutlich weniger‹: Von 2006 bis 2012 ist der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch von neu zugelassenen Pkw deutscher Konzernmarken von 7,1 Liter auf 100 Kilometer auf 5,7 Liter zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum konnten somit auch die CO2-Emissionen um ein Fünftel reduziert werden. Die Automobilbranche ist im Umbruch und investiert in den nächsten drei Jahren zwölf Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung alternativer Antriebe. Dr. Ulrich Eichhorn erklärt, welche Ziele damit in den nächsten Jahren angestrebt werden: »Es gilt, bis 2015 den von der EU-Kommission vorgegebenen CO2-Flottenwert von 130 Gramm pro Kilometer zu erreichen. Hier sind wir gut vorangekommen.« An sich eine gute Nachricht, wäre hier nicht ein Kostenproblem: »Weitere CO2-Einsparungen werden technisch immer aufwändiger und für den Kunden teurer. Die bisherigen Reduktionen können damit nicht linear fortgeschrieben werden«, sagt Eichhorn, Geschäftsführer Technik und Umwelt des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

Wenn in einem nächsten Schritt 95 Gramm pro Kilometer bis 2020 erreicht werden müssen, kann dies nicht mehr allein durch Optimierung klassischer Antriebe erzielt werden. Dies bedeutet, dass ein erheblicher Anteil von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben, also rein batterie-elektrisch betriebene Autos, Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge sowie Modelle mit Reichweiten-Verlängerer hinzukommen muss. Trotz der Hinwendung zu neuen Antrieben haben die klassischen Antriebe wie Clean Diesel oder Benziner mit Direkteinspritzung noch weiteres Optimierungspotenzial.

»Ich bin davon überzeugt, dass die klassischen Antriebe auch in zehn oder 20 Jahren noch einen Großteil der individuellen Mobilität ausmachen werden. Allerdings wird der Anteil alternativer Antriebe stetig zunehmen«, betont Eichhorn.

Welche Technologie sich dabei am Markt durchsetzen wird, vermag niemand sagen. Die deutsche Automobilindustrie ist zwar bei den klassischen Antrieben weltweit führend, hat aber auch den Anspruch bei den alternativen Antrieben eine Führungsposition einzunehmen und arbeitet darauf hin. Das ist auch daran zu erkennen, dass die deutschen Automobilhersteller bis Ende 2014 insgesamt 16 Modelle mit alternativen Antrieben auf den Markt bringen, die in der Lage sind, lokal emissionsfrei  zu fahren.
 

Energie läßt sich auch im privaten Haushalt sparen

Doch sollen nicht nur unsere Fortbewegungsmöglichkeiten emissionsfreier werden, auch an unseren Wohnungen und Häusern lässt sich noch einiges verbessern. Auch wenn nur ein Drittel der Bevölkerung glaubt, dass geeignete Baumaßnahmen den Energieverbrauch erkennbar senken. Jährlich könnten 50 Millionen Tonnen Treibhausgase durch energetische Sanierungen von Gebäuden eingespart werden. Hier herrscht noch ein sehr großer Handlungsbedarf.

Die Bundesregierung hat im Februar 2013 die Entwürfe zur Änderung der Energiesparverordnung beschlossen, die vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie vorgelegt wurden. Darin enthalten sind unter anderem die Reduzierung des zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfs um durchschnittlich etwa 12,5 Prozent bei Neubauten sowie die Reduzierung des zulässigen mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten, also der Wärmedämmung, der Gebäudehülle um durchschnittlich zehn Prozent – jeweils in den Jahren 2014 und 2016. Ziel von Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Dr. Peter Ramsauer ist es, dass neu gebaute Gebäude ab 2019 klimaneutral betrieben werden können. Hier kommen nicht nur recyclingfähige Materialien zum Einsatz, sondern werden die vom Haus erzeugten Energieüberschüsse in eine Hausbatterie und in die E-Fahrzeuge geleitet. Da geht wirklich mehr als nur ›a bisserl was‹.


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