Mann mit Cap wirft langes Netzkabel in die Luft

Netzingenieure am Wendepunkt: Herausforderung erneuerbare Energien

Netzingenieure. Noch nie gehört? Christian Erpel, Netzingenieur bei E.dis, dem regionalen Netzbetreiber der E.on in den Bundesländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, gibt einen Überblick über seine Aufgabenbereiche

»Uns beschäftigt die komplette Planung des Bau- und Instandhaltungsprogramms. Wir bauen unser Netz aus, halten es instand und erweitern es, der Netzingenieur ist federführend dabei.« Die Ingenieure für den Netzausbau sind allerdings keine typischen Nerds, die nur für sich arbeiten. Politik spielt auch eine Rolle: »Wir Netzingenieure sind auch Fachberater für die Landkreise in Sachen Krisenmanagement. Wenn da Fragen aufkommen oder jemand einen Notfallplan bei außergewöhnlichen Naturereignissen machen möchte, bin ich zum Beispiel Ansprechpartner. Wenn irgendwo großflächig ein Netz ausfallen könnte, geht es darum, dass man Szenarien mit den einzelnen politischen Verantwortlichen erstellt. Weitgehend ist der Netzingenieur also auch mit höheren Ebenen beschäftigt«, erklärt Erpel von E.dis, einem der größten regionalen Netzbetreiber in Deutschland. Das Unternehmen betreibt die Strom- und Erdgasverteilnetze in großen Teilen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns. 

Christian Erpel selbst hat auf dem zweiten Bildungsweg sein Studium nachgeholt und ist dann als Netzingenieur eingestellt worden. Typischerweise studiert man Bauingenieurwesen, man ist eventuell Gasingenieur, wenn man in die Sparte ›Gas‹ geht oder ein technisch basierter Wirtschaftsingenieur. An einer Sache aber führt kein Weg vorbei: »Man muss sich mit der Materie Planung von Stromleitungen und der Frage: ›Was bedeutet Strom?‹ beschäftigt haben. Der Elektrotechniker an sich oder Elektroingenieur wäre dafür natürlich die Hauptprämisse. Wenn man für andere Bereiche offen ist, sollte man auch mit weiteren ähnlichen Studiengängen kein Problem bekommen«, so der Netzingenieur von E.dis. Für seinen Beruf braucht Erpel auch Durchsetzungsvermögen: »Man muss seine Entscheidung auch vertreten können, nicht zurückrudern, nur weil einer sagt: ›Das passt mir jetzt gerade nicht‹, man muss sich durchsetzen können.« Kein Wunder, mit der Energiewende müssen die Netze an vielen Stellen ausgebaut werden. 

Erneuerbare Energien beschäftigen auch die Netzingenieure Thomas Krischik und Katharina Schiffbauer von RWE, die in der Netzplanung der Westnetz GmbH in Siegen beschäftigt sind. Das Ausmaß der Energiewende macht Krischik deutlich: »Allein im Versorgungsgebiet der Westnetz speisen mittlerweile knapp 150.000 dezentrale Erzeuger ihren Strom in das Verteilnetz ein.« 

Katharina Schiffbauer hat Wirtschaftsingenieurwesen in Fachrichtung elektrische Energietechnik an der RWTH Aachen studiert. »Ich habe mich schon früh im Studium auf die verschiedenen Möglichkeiten der regenerativen Energien und deren Auswirkungen auf die bestehende Infrastruktur fokussiert«, so Schiffbauer. Ihr Plan, eine Abschlussarbeit in diesem Themenbereich in einem Unternehmen zu schreiben, ging auf. Sie verfasste ihre Masterarbeit ebenfalls bei Westnetz in Siegen, wo sie sich im Anschluss erfolgreich um eine Traineestelle bewarb. 

Durch die Energiewende wird ein Netzausbau notwendig, der natürlich hohe Investitionen in das Verteilnetz voraussetzt. Diese Investitionen müssen geplant und laufend kontrolliert werden, erklärt Krischik: »Die Budgetsteuerung erfordert Kenntnisse der kaufmännischen Prozesse im Unternehmen, aber auch der regulatorischen Rahmenbedingungen.« Die vielfältigen Tätigkeiten eines Planungsingenieurs verdeutlicht Krischik am Beispiel des technischen Beschwerdemanagements, das er im Bereich Siegen betreut: »Natürlich suchen wir stets den Dialog mit unseren Kunden. Dennoch wird in Ausnahmefällen auch eine juristische Einigung nötig.« So gehören Gerichtstermine ebenso zu seinen Tätigkeiten wie Besuche von verunsicherten Kunden, die in der Nähe einer Umspannanlage wohnen. 

Genauso wie Erpel in Potsdam bei E.dis, lernt auch Katharina Schiffbauer für RWE in Siegen viele neue Menschen kennen: »Vom Westnetz-Kollegen mit ähnlichen Aufgaben an einem 250 Kilometer entfernten Standort, über den Häuslebauer, der Fragen zu der Errichtung seiner Photovoltaikanlage hat, bis hin zum Bürgermeister, der den Breitbandausbau in der Gemeinde unterstützen möchte, waren schon einige interessante Begegnungen dabei.« Wahrscheinlich ist der Job des Netzingenieurs zur Zeit spannender als je zuvor, Schiffbauer findet zumindest die passenden Worte: »Ich möchte eines Tages sagen können: Wir haben die Energiewende möglich gemacht!«


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