Karriere in Wind- und Wasserkraft. Ingenieure und der Wind of Change

Im Bereich Wind- und Wasserenergie erwartet Ingenieure eine Vielzahl neuartiger Aufgaben. Chancen, Perspektiven und Anforderungen.

Jobs mit Perspektiven gibt es für Ingenieure in der Wind- und Wasserkraft.

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Dmitry Lobanov / Quelle:Fotolia

Wind und Wasser: Vor einigen hundert Jahren waren das die Kernelemente für ebenso phantastische wie gefährliche und letztlich gewinnbringende Entdeckungsreisen. Heute sind es vielleicht noch ein paar Segler, bei denen derlei Assoziationen geweckt werden. Dem Gros der Studierenden in den Ingenieurwissenschaften kommt hier ganz anderes in den Sinn: Neue Technologien für eine Industrienation, die in Zukunft fast ausschließlich von regenerativen Energien zehren will. Und das unter anderem dank der intelligenten Nutzung von Wind und Wasser. Dass diese Entwicklung weder phantastisch, sondern nur konsequent noch gefährlich, sondern nur aufwändig sein wird, ist hinlänglich diskutiert. Aber ist sie auch gewinnbringend? Für Gesellschaft und Umwelt steht das außer Frage. Und für Konzerne, KMUs oder gar für von Bürgern selbst ins Leben gerufene Wind- und Wasserkraftanlagen sind Profite schon jetzt garantiert. Wie aber steht es um diejenigen, die diese Anlagen entwickeln, bauen, warten und mit dem intelligenten Stromnetz der Zukunft verknüpfen? Welchen Benefit haben Ingenieure von dieser Entwicklung? Oder ist es ein Job wie jeder andere?

Karriere in Wind- und Wasserenergie: Wo liegt der Unterschied

Zunächst: An Faktoren wie Einkommen oder der Arbeitsbelastung lässt sich kein Unterschied festmachen. Einsteiger erhalten laut der Studie ›Ingenieureinkommen 2002-2015‹ des VDI im Mittel ein Gehalt um 44.300 Euro Brutto – genau wie die meisten ihrer Kommilitonen, die in der konventionellen Energiebranche arbeiten.

»Dagegen ist das Image ein deutliches Pfund, mit dem Ingenieure aus dem regenerativen Bereich wuchern können«,

sagt Prof. Thomas Hamacher, Inhaber des Lehrstuhls für Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme an der TU München. Doch gerade beim Image scheinen die Betreiber der 26.000 Windkraftanlagen sowie von Dutzenden von Hochleistungs-Offshore-Windanlagen im Norden Deutschlands derzeit ein Problem zu haben. Immer mehr Bürger wollen Informationen aus erster Hand und machen kräftig Gegenwind.

»Ingenieure müssen deshalb nicht nur technisch gut ausgebildet sein, sie müssen auch über Kenntnisse in Projektierung, Messverfahren etwa zu Geräuschemissionen, Genehmigungsverfahren oder sogar im Umgang mit den Bürgern haben«,

erzählt Prof. Torsten Faber, Leiter des Wind Energy Technology Institute an der Hochschule Flensburg. Spezielle Studiengänge, wie sie etwa in Flensburg angeboten werden, haben sich deshalb zum Ziel gesetzt, den Studierenden neben der technischen Ausbildung auch generalistische Ansätze zu vermitteln, um das Gesamtsystem Windenergieanlage besser verstehen, planen, auslegen, bauen und betreiben zu können.

Karriere in Wind- und Wasserenergie: Jobs für Ingenieure im Bereich Wasserkraft

Etwas traditioneller geht es dagegen im Bereich der klassischen Wasserkraft zu, wie sie in Deutschland seit über 100 Jahren vor allem im flussreichen Süden der Republik genutzt wird: Derzeit erzeugen rund 7.600 Wasserkraftanlagen und 31 Pumpspeicherkraftwerke an rund vier Prozent der gesamten Stromversorgung der Republik. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Zahlen – deutlich – anwachsen, recht gering. »Die vorhandenen Möglichkeiten sind im Wesentlichen genutzt«, bestätigt das Umweltbundesamt. Ingenieure sind bei Flusskraftwerken deshalb fast ausschließlich für den Bereich Wartung und Optimierung verantwortlich – und haben meist Maschinenbau studiert. Etwas anders dürfte es in Zukunft bei der Nutzung fernab bayerischer Flüsse aussehen. Gezeiten-, Meerströmungs- und Wellenkraftwerke – oder auch Strombojen als Kleinwasserkraftwerke – könnten auch in Deutschland die Stromerzeugung ergänzen.

 

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Anforderungen und Skills für Ingenieure in Wind- und Wasserenergie

Bernd Steiner ist in einer malerischen Stadt mit Lage an der Donau aufgewachsen. Das prägt. Und wenn man sich wie er auch für den Maschinenbau begeistert, liegt es nahe, sich mit der Wasserkraft zu beschäftigen und – wie er vor einigen Jahren – bei den Bayerischen Elektrizitätswerken (BEW) anzuheuern. Die BEW ist eine Tochtergesellschaft der Lechwerke in Augsburg. Diese wiederum gehören zum RWE-Konzern. Das Unternehmen betreibt 36 Wasserkraftanlagen und damit einen Teil der wohl ältesten Zukunftstechnologien zur Gewinnung von Energie. Und Steiner ist mit dafür verantwortlich, dass sie ein Optimum an Energie aus Flüssen wie dem Lech, der Wertach oder der Donau herausholen. Rund eine Milliarde kWh an regenerativem Strom werden so jedes Jahr erzeugt.

Das macht ein Ingenieur in der Wasserkraft

Für Steiner bedeutet das vor allem: Entwicklung von Maschinenkonzepten und Instandhaltungsstrategien sowie die Budgetierung der nötigen Maßnahmen. »Dabei geht es beispielsweise um die Frage, in welchen Zyklen Revisionen an den Kaplan- und Francisturbinen notwendig sind, wann Verschleißteile erneuert werden sollen und ob es Neuentwicklungen auf dem Markt gibt, die von uns eingebaut werden, um die Wasserkraftanlagen auf dem neuesten Stand der Technik zu halten«, erzählt er. Viele der Anlagen haben bereits einige Jahrzehnte auf dem Wehr, einige Kraftwerke sind bereits vor über 100 Jahren in Betrieb genommen worden.

»Diese einmalige Verbindung zwischen alter Technik und dem Know-how der Jetztzeit hat einen besonderen Reiz für mich«,

sagt Steiner. Denn immer wieder müssen Komponenten mit neuen Entwicklungen zum Beispiel bei der Steuerungstechnik in Einklang gebracht werden.

Elektrotechnik und Maschinenbau sind in der Wasserkraft gefragt.

Ähnlich wie andere Wasserkraftwerksbetreiber geht auch die BEW von einem »konstanten Bedarf« an Ingenieuren aus. Weil in diesem Bereich die Technologie aber vergleichsweise ausgereift ist, setzen die Betreiber der Wasserkraftanlagen eher auf bewährte Technologien als auf neueste Trends, betont Stefan Reiser vom Personalmarketing. Gesucht würden deshalb eher Studiengänge wie Maschinenbau oder Elektrotechnik.

In der Windenergie brauchen Ingenieure Schnittstellenkompetenz

Andere Akzente müssen diejenigen Ingenieure setzen, die Aufgaben im Bereich Windkraft übernehmen. Bei Vattenfall heißt das unter anderem, dass

»unsere Ingenieure neben den rein technischen Aspekten auch die vertraglichen Bereiche mit den Lieferanten und letztlich die kommerziellen Gesichtspunkte solcher Projekte im Blick haben müssen«,

sagt Johannes Kammer, Head of Wind Turbine Engineering bei Vattenfall. Das gelte insbesondere für Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee mit Investitionsvolumina jenseits von einer Milliarde Euro. Ingenieure seien bei der Auswahl und dem Einkauf geeigneter Windenergieanlagen dabei, bringen technische Anforderungen und Bewertungskriterien mit ein und überprüfen die Lieferungen. »Darüber hinaus müssen sie technische Verbesserungen konzipieren, bewerten und deren Umsetzung begleiten. Und sie bilden die jeweiligen Schnittstellen zu den anderen Gewerken, die sie managen müssen. Wie zum Beispiel zu den Fundamenten, auf denen die Windenergieanlagen mindestens 20 Jahre lang in der Nordsee stehen«, sagt Kammer. Wind sei nach wie vor ein sehr junger und sehr dynamischer Industriezweig, in dem noch viel Neuland erkundet werden kann.

Ingenieure in der Windenergie: Pioniergeist und Planungsbüros

Ähnlich sieht das auch Markus Nitschke, Sprecher für den Bereich Erneuerbare Energie von E.on. Der Windanlagenbau werde von so vielen Variablen getrieben, dass es eine standardisierte Vorgehensweise noch gar nicht geben könne: »Windparks werden nicht in Serie gebaut: Wetter und  andere Gegebenheiten vor Ort müssen genauso berücksichtigt werden wie das Interesse der Bürger.« Von den Ingenieuren sei Pioniergeist gefordert. Vielleicht liegt darin auch der Grund, warum Onshore-Windparkbetreiber wie E.on bei Planung und Bau in der Regel auf Ingenieurbüros zurückgreifen, die sich auf diesen Bereich spezialisiert haben. Wer sich für den Bereich Wind interessiert, sollte sich also auch regionale Planungsbüros näher ansehen.

Ingenieure in der Windenergie: Forschung & Entwicklung als Alternative zum Planungsbüro

Die Alternative: Einsteiger verlegen den Schwerpunkt ihrer Arbeit gleich auf die Entwicklerseite. Siemens beispielsweise bietet Jobs »von der Entwicklung, über die Herstellung bis hin zur Installation der Windkraftanlagen und der Netzanbindung«, sagt Sprecher Peter Jefimiec. Dabei gilt das, was Johannes Kammer von Vattenfall sagt, in der Regel wohl für alle Arbeitgeber, die im Bereich Windanlagen forschen, entwickeln und arbeiten. »Liebe Leute, studiert ruhig weiter die klassischen Ingenieursdisziplinen, die Windkraft könnt ihr dann bei uns lernen!«

 

Inside Wind- & Wasserenergie:

audimax fragt nach

Die Nutzung von Wind- und Wasserenergie steht erst am Anfang. Wir haben mit Prof. Torsten Faber ist Leiter des Wind Energy Technology Institute an der Hochschule Flensburg über Karrierechancen für Ingenieure in diesem Bereich gesprochen

Herr Prof. Faber, warum erwarten Sie neuartige Aufgaben für Ingenieure im Bereich Wind- und Wasserkraft?

Das Zeitalter von Windenergie oder Wasserkraft aus Meeresenergie beginnt erst. Durch den von der Energiewende erzeugten Drang, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Windenergie gewinnen zu wollen, ist die Grundlagenforschung etwas auf der Strecke geblieben.

Welche Aufgaben könnten Ingenieure erwarten?

Bislang ging es in der Regel lediglich um ein Hochskalieren des bewährten Konzepts der Dreiblattanlagen. Warum aber nicht beispielsweise an Zweiblattanlagen forschen oder einen Vertikalachser entwickeln? Derartige Pläne werden immer aktueller. Zudem müssen Ingenieure auch über den deutschen Markt hinausdenken und spezifische Anlagen, beispielsweise für Wüsten, konzipieren.

Sie erwarten auch eine Vielzahl an Entwicklungen im Bereich Wasserkraft?

Ich meine damit nicht die klassischen Wasserkraftwerke mit Staudämmen an Flüssen, sondern beispielsweise Strömungs- beziehungsweise Gezeitenkraftwerke auf See. Ähnlich wie bei Windkraft kommt es hier unter anderem auch auf die Turbinentechnik an, bei deren Weiterentwicklung junge Ingenieure auf besondere Weise gefragt sein werden.

 

 

 

Zahlen, Fakten, Perspektiven: Jobs in Wind- und Wasserkraft

Aktuell sind rund 150.000 Menschen in der On- und Offshore- Windbranche beschäftigt.

 

Allein im vergangenen Jahr wurden fast 4.000 MW Onshore-Windleistung neu installiert. Die Gesamtleistung beträgt damit 41.651 Megawattstunden.

 

Wasserkraftanlagen erreichen deutlich weniger Power: Hier liegt die Leistung bei rund 4.000 Megawatt.

 

In Deutschland ist ein Potenzial von lediglich 20 Prozent (möglicher) Wasserkraftanlagen noch nicht genutzt.

08.12.2016
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52 %
der Deutschen auf die Wissenschaft. Dieser Wert stieg im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozentpunkte.

Quelle: Quelle »Wissenschaft im Dialog/TNS Emnid«

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