kleine Menschen untersuchen zermatschte Riesenbrommbeeren
Hungrig auf Karriere! suze / Quelle: PHOTOCASE

Hungrig auf Karriere? Auf in die Lebensmittelindustrie

Die Lebensmittelindustrie sucht WiWi-Allrounder mit Begeisterung für ihre Produkte. Wie wäre das?

Mit Produkten arbeiten, hinter denen man steht, die einen begeistern und die nicht langweilig werden – das wünschen sich viele Absolventen. Thomas Brinkmann hat diese Produkte in der Lebensmittelindustrie gefunden, genauer gesagt bei der Unternehmensgruppe Westfleisch aus Münster, einem der führenden Fleischvermarkter in Deutschland. Als Trainee hat er bereits alle relevanten Bereiche des Unternehmens durchlaufen, von der Produktion bis hin zu seiner jetzigen Funktion im Controlling. Seit einem Jahr arbeitet der Wirtschaftswissenschaftler für Dogs Nature, ein Tochterunternehmen der Westfleisch-Gruppe, das auf die Veredelung von Nebenprodukten mit dem Schwerpunkt auf Heimtierfutter spezialisiert ist. Das, was der 28-Jährige an seiner Arbeit besonders schätzt, ist gleichzeitig auch die größte Herausforderung: der breit gefächerte Aufgabenbereich. »Ich muss bei meinen Aufgaben immer auch die Bereiche Produktion und Vertrieb berücksichtigen, denn jeder dieser Teilbereiche hat seine Eigenheiten und spezielle Herangehensweisen«, fügt Brinkmann hinzu.

Anna-Lena Ritter kann dies nur bestätigen. Dank der vielschichtigen Erfahrungen ist die Assistant Product Managerin bei Ferrero zum Allroundtalent geworden. Derzeit gestaltet die 25-Jährige in Zusammenarbeit mit einer Agentur das Layout für eine Promotionwebseite. Aber auch die Erstellung von Redaktionsplänen für Facebook oder die Analyse von Marktforschungsergebnissen für Markenstrategien gehören zu ihren Aufgaben. Dazu kommt, dass die Marken von Ferrero eigenständigen kleinen Unternehmen gleichen und deshalb individuelle Anforderungen haben. »Ich betreue zwei Marken aus dem Kühlproduktbereich, bei denen oft Projekte zur gleichen Zeit laufen. Um diese mit allen Schnittstellen termingerecht fertigzustellen, ist es wichtig, Prioritäten zu setzen«, betont Ritter. Besonders hilfreich für die Schnittstellenarbeit ist sicherlich, dass die Wirtschaftswissenschaftlerin während ihres zwölfmonatigen Traineeprogramms neben dem Marketing verschiedene Unternehmensbereiche wie den Außendienst oder die Neuproduktentwicklung durchläuft. »Nach dem Prinzip ›Learn – Act – Grow‹ lerne ich die Ferrero-Kultur von Grund auf kennen. Besonders freue ich mich, dass ich einen Monat gemeinsam mit anderen Trainees aus aller Welt in der Firmenzentrale in Italien Erfahrungen austauschen kann«, fügt die 25-Jährige hinzu.

Wirtschaftswissenschaftler werden in der Lebensmittelindustrie für verschiedene Positionen gesucht, etwa im Bereich Sales oder Supply Chain, im Controlling, Einkauf, Vertrieb oder in den Bereichen Finanzen und Steuern sowie Personal. Je nach Funktion werden unterschiedliche Voraussetzungen erwartet: Ein Controller muss Verständnis für Zusammenhänge im Finanzwesen haben, verbunden mit einer gewissen Zahlenaffinität, im Marketing zählen Kreativität und analytisches Denkvermögen zu gefragten Fähigkeiten. Einige Voraussetzungen sollten jedoch alle Wirtschaftswissenschaftler in der Lebensmittelbranche mitbringen: Verständnis der Grundlagen der Lebensmittelhygiene und der Basisgesetzgebung. »Dies ist erforderlich, auch wenn man nicht täglich mit der realen Produktion in Berührung kommt«, betont Stephan Becker-Sonnenschein, Geschäftsführer des Vereins ›Die Lebensmittelwirtschaft‹, welcher die Prozesskette der Lebensmittelwirtschaft – von der Landwirtschaft über die Lebensmittelhersteller bis zum Lebensmittelhandel – repräsentiert.

Wer diese Voraussetzungen erfüllt, hat durchaus gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. »Wer allerdings die großen internationalen Marken im Visier hat, muss Biss und Geduld haben, denn die Plätze sind ausgesprochen rar und erfordern große räumliche Flexibilität. Wer die vor-, neben- und nachgelagerten Bereiche der Ernährungsindustrie mitbedenkt, hat bessere Chancen«, so der Experte. Potenzielle Arbeitgeber sind beispielsweise auch Betriebsmittelhersteller für technologische Verarbeitung, Landtechnik, Saatgut, Tierzucht oder Pflanzenschutz. Im Zusammenhang mit der Lebensmittelindustrie werde häufig nur an internationale Großkonzerne gedacht, und dabei oft vergessen, dass der überwiegende Teil der Betriebe zur Lebensmittelherstellung klein oder mittelständisch ist.

Egal ob Global Player oder Familienbetrieb – die Lebensmittelbranche ist im Umbruch: Rohstoffverknappung und Klimawandel einerseits und veränderte Konsumgewohnheiten andererseits verursachen einen hohen Innovationsdruck. »Es wird künftig um Verfügbarkeit und Sicherheit von Nahrungsmitteln gehen, wie auch um das Erreichen anspruchsvoller Nachhaltigkeitsziele über die gesamte Produktionskette«, prophezeit Becker-Sonnenschein. Internationale Rahmenbedingungen wie etwa die wachsende Verstädterung der Gesellschaft, der demografische Wandel oder die To-go-Entwicklung haben außerdem großen Einfluss auf die Angebotspalette der Unternehmen.

Besonders die Fleischerzeugung und die fleischverarbeitende Industrie stehen noch vor weiteren Herausforderungen, denn diese werden oft kritisch betrachtet. »Daher ist es sehr wichtig, sich der Kritik zu stellen und Antworten darauf zu finden. Dabei bleiben wir unserer Philosophie – Qualität, Partnerschaft und Fairness – stets treu. Nachhaltigkeit hat deswegen einen besonderen Stellenwert«, betont Brinkmann von Westfleisch. Auch Ferrero hat Nachhaltigkeit in seiner Unternehmensphilosophie verankert. Gleichzeitig muss das Unternehmen selbstverständlich hohen Qualitätsansprüchen gerecht werden. Hierzu führt Ferrero regelmäßige Kontrollen seiner Zutaten und Produkte von der Herstellung bis in den Handel durch.

Die Arbeit in der Lebensmittelindsutrie ist durchaus mit viel Verantwortung verbunden, sichert sie doch die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung. Wichtigstes Ziel sollte hierbei sein, die Produktion nicht auf dem Rücken Unbeteiligter oder nachfolgender Generationen auszutragen. »Daher sind Qualität, Sicherheit, Vielfalt und Verfügbarkeit zu einem angemessenen Preis die Werte, die der Lebensmittelversorgung zugrunde liegen«, schließt Becker-Sonnenschein.


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