Stück Schokolade

Was haben Ingenieure mit Schokolade zu tun?

Mmmhhh! Ob als Weihnachtsmann, Heißgetränk oder Überraschung im Adventskalender – an Weihnachten wird’s schokoladig. Wie Ingenieure uns mit den süßen Köstlichkeiten versorgen? Hier steht's ...

 

In der Weihnachts- und Adventszeit hat Schokolade in Form von Kugeln, Weihnachtsmännern und Goldtalern ihren großen Auftritt. Mehr als 50.000 Tonnen Schokoladenartikel werden jährlich allein im Nestlé-Werk Hamburg produziert – aber nicht nur für hiesige Schleckermäuler, sondern auch für den Export. Kakaobohnen sind dabei der wichtigste Rohstoff. Die daraus gewonnene Kakaomasse wird von den rund 720 Mitarbeitern zu circa 36.000 Tonnen Schokoladenmasse weiterverarbeitet. Hierfür sind auch Ingenieure vonnöten, denn bei der Produktion von Schokolade kommen hochmoderne Maschinen zum Einsatz.Diese müssen strenge Anforderungen erfüllen: »Die Hygiene spielt bei Maschinen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, eine ganz wesentliche Rolle«, erklärt Maik Möller, Assistent der Geschäftsleitung bei Wilhelm Möller Maschinenbau und selbst Diplom-Wirtschaftsingenieur.

»Ingenieure müssen daher darauf achten, dass bei Entwicklung und Bau der Maschinen nur Materialien verwendet werden, die lebensmittelecht sind.«

Lebensmittelecht – das heißt, dass das Material weder chemische Verbindungen mit den Nahrungsbestandteilen eingeht noch sonst irgendwelche Auswirkungen auf das Endprodukt oder etwaige Zwischenprodukte hat. »Eine weitere Herausforderung besteht in der Form, in der die Schokolade gepresst wird.
 

In Ausbuchtungen und Kanten dürfen sich keine Bakterien bilden können und Rückstände müssen vollständig entfernt werden«, erläutert Möller. »Bei ausgeklügelten Figuren wie Weihnachtsmännern stehen die Entwicklungsingenieure daher oft vor kniffligen Aufgaben.« Auch sei es noch lange nicht damit getan, Schokolade in die entsprechende Form zu pressen. Die fertigen Schoko-Nikoläuse aus der Maschine herauszulösen, stelle ebenfalls hohe Anforderungen an die Entwickler. Aber wie entsteht die Schokolade, die in diese Formen kommt, eigentlich genau? Unter Zugabe von Milch, Zucker, zusätzlicher Kakaobutter oder Sahne wird die Kakaomasse angemischt. Das Mischungsverhältnis variiert je nachdem, ob eine Zartbitter- oder eine Vollmilch-Schokolade entstehen soll. Dass die Mischung immer gleich bleibt und eine einheitliche Produktion gewährleistet werden kann, dafür sorgen elektronisch gesteuerte Dosiereinrichtungen. Bereits in diesem Stadium, in dem die Schokolade noch einem Batzen Knete gleicht, schmeckt sie schon verführerisch.
 

Da das Auge jedoch bekanntermaßen mitisst, wird die Masse zwischen mehreren Stahlwalzen hauchdünn zerrieben und gelangt anschließend zu den Conchen. Das sind Rühr- und Reibsysteme, die nach ihrer ursprünglichen Form benannt sind: ‘La Conche’ ist das französische Wort für Muschel. Tagelang wird die Masse nun gedreht, gewendet, gelüftet und erwärmt, bis sie so glatt und gießfähig ist, dass daraus feinste Schokolade entstehen kann. In unterschiedlichen Formen tritt sie nun die Reise zum Endverbraucher an. Übrigens: Dass Schokoweihnachtsmänner nur eingeschmolzene Osterhasen seien, ist ein Gerücht. Produktionsingenieure bei Schokoladenherstellern wie Lindt oder Milka haben errechnet, dass der Aufwand, um die Schokohasen einzusammeln, auszupacken und einzuschmelzen, viel zu groß wäre. Stattdessen verschenken viele Händler übrig gebliebene Langohren und Nikoläuse an gemeinnützige Organisationen. Ein Jahr ohne Weihnachtsproduktion ist für viele Süßwarenhersteller kaum vorstellbar. Sie erwirtschaften rund 280 Millionen Euro in der Adventszeit. Das Herbstgebäck ist in dieser Zahl noch nicht einmal enthalten.
 

Um so erfolgreich zu sein, erfordert es eine genaue Planung. Schon im Januar beginnt die Analyse des letzten Weihnachtsgeschäfts: Welche Produkte waren besonders beliebt, was hat sich am besten verkauft? Welche Maschinen müssen neu angeschafft, welche umgestellt werden? Wie soll die Verpackung koordiniert und Lagerung und Logistik geplant werden? Immerhin werden in Deutschland jedes Jahr allein rund 100 Millionen Weihnachtsmänner hergestellt. Auch wenn viele Menschen klagen, dass Weihnachten immer früher beginnt und die Feiertagsleckereien schon im Herbst in den Regalen stehen, insgeheim können sie die Schlemmerei wohl kaum erwarten. Laut den Süßigkeitsherstellern nämlich verkaufen sich Weihnachtsnaschereien im Herbst fast ebenso gut wie kurz vor dem Fest. Ein Grund mehr für die Ingenieure, ihre Bänder schon ab Spätsommer auf Hochtouren laufen zu lassen.


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