Comic-Rakete

Das sind deine Aussichten in der Raumfahrtbranche

Für Querdenker und kreative Köpfe warten in der Raumfahrtbranche spannende Zukunftsprojekte

Nach der Arbeit schnell mal nach Mos Eisley, der berüchtigten Schmugglerstadt aus ›Star Wars‹ jetten, um ein Feierabendbierchen mit einem Kumpel von einem weit entfernten Planeten zu zischen, danach weiter zum entspannten Camping-Wochenende in der unberührten Wildnis des Fantasieplaneten Naboo – ganz ehrlich, wer hat nicht insgeheim schon mal davon geträumt, in eine Rakete zu steigen und Fuß auf einen fremden Planeten setzen zu können? Der Gedanke, in den Weiten des Weltalls zu Hause zu sein, übt eine geheime Faszination auf uns aus. Und er muss kein reiner Traum bleiben – die Raumfahrtbranche wächst und wer etwas Affinität für Mathematik, Physik und Technik mitbringt, auf den warten spannende Möglichkeiten.

»In 20 Jahren wird der Weltraumtourismus vielleicht an der Schwelle zur Realität stehen«, mutmaßt beispielsweise Prof. Dr.-Ing. Felix Huber, Direktor für Raumflugbetrieb und Astronautentraining des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das mag sich zwar nach einer weit gegriffenen Zukunftsvision anhören – ist aber vielleicht tatsächlich eines der Projekte, an denen zukünftige Raumfahrtingenieure arbeiten werden. Die Raumfahrt wird sich in den nächsten Jahren durch die zunehmende Privatisierung von der reinen Forschung wegbewegen, vermutet auch Dr. Marco Scharringhausen, stellvertretender Leiter der Abteilung ›Lande- und Explorationstechnologie‹ des Instituts für Raumfahrtsysteme beim DLR. Ehrgeizige Raumfahrtprojekte von Großunternehmern wie Richard Branson zielen ganz offensichtlich auf die Erwirtschaftung von Gewinnen ab, statt die reine Forschung weiterzutreiben. Dadurch fallen einige kleine, innovative Projekte und Studien weg, die vordergründig keinen Ertrag einbringen. Stattdessen werden sich zukünftige Ingenieure in der Raumfahrt bei der Entwicklung neuer Systeme mehr an spezifischen Kundenwünschen orientieren müssen. Die Innovationsforschung wird in den nächsten Jahren vordergründig das Ziel verfolgen, gewonnenes Wissen als Erster umzusetzen und an den Markt zu bringen, erklärt Aldert Kamp, Leiter des Lehrstuhls für Aerospace Engineering an der Delft University of Technology.

Trotz allem hat die Privatisierung auch ihre Vorteile: Wo das Interesse der Öffentlichkeit an der Raumfahrt vor 20 Jahren noch groß war, fehlt es laut der Experten des DLR nämlich heute an Verständnis für Ausgaben, die vordergründig keinen gesellschaftlichen Nutzen bringen. Die Raumfahrt ist Teil unseres Alltags geworden und zieht nur noch dann besondere Aufmerksamkeit auf sich, wenn sie durch einen Fehlstart oder Absturz für negative Schlagzeilen sorgt. Das liegt auch daran, dass die politische Motivation während des Wettlaufs zum Mond im kalten Krieg sich heute auf andere Weltgeschehnisse konzentriert – mit der Schuldenkrise, Terroranschlägen und der Klimaerwärmung gibt es brisantere ›Breaking News‹. Eine geschickte, originelle Vermarktung durch private Unternehmen könnte der Raumfahrt allerdings wieder zu neuem Interesse verhelfen – und einen neuen Pioniergeist hervorrufen.

Wird es also in den kommenden Jahren Hauptaufgabe der Raumfahrt-Forschung sein, öffentlichkeitswirksame Projekte wie Raumfahrttourismus, WLAN aus dem Weltall oder MarsOne zu verwirklichen – den ehrgeizigen Plan von MarsOne in Zusammenarbeit mit der NASA, bis 2030 den ersten Menschen auf den Mars geschickt zu haben? Zumindest bei letzterem sind sich die Experten einig: Obwohl prinzipiell technisch möglich, ist dieses Projekt wohl eher überambitioniert. Eine bemannte Landung sieht sich momentan vor allem organisatorischen, finanziellen und auch ethischen Schwierigkeiten gegenüber. Trotzdem wird auch die Realisierung solcher und ähnlicher Projekte Bestandteil der Arbeit kommender Jahrzehnte sein – auch im Hinblick auf die Wünsche und Vorstellungen privater Unternehmen. Raumfahrtingenieure werden also zunehmend an der Industrialisierung der Branche beteiligt sein. Weitere Projekte werden beinhalten, die Fehlerquoten technischer Komponenten weiter zu senken. Deren Sicherheit und Stabilität ist in der Raumfahrt von extremer Wichtigkeit und gerade in einer Branche, in der viele Produkte ihr eigener Prototyp sind, lassen sich Fehler oft nicht so schnell analysieren, wie in der Serien- oder Massenfertigung. Trotzdem können sich Ingenieure in der Raumfahrt von der fertigenden Industrie unterstützen und inspirieren lassen, um zum Beispiel auf eine Satelliten-Serienfertigung hinzuarbeiten. Die Herausforderung ist dabei immer, die technischen Komponenten zu optimieren und gleichzeitig ihre Flugfähigkeit zu erhalten. Kreativität, um auch mit knappen Mitteln und Zeit innovative Lösungen generieren zu können, ist deshalb eine sehr wichtige Eigenschaft für die Ingenieure und Forscher.

»Spinnige Ideen«, wie Professor Dr.-Ing. Felix Huber es ausdrückt, sind wichtig, um weiter zu kommen und neue Projekte zu verwirklichen. Das macht die Raumfahrt zu einer so vielfältigen Branche, die auch jederzeit offen ist für Quereinstieger. Es werden nicht nur Raumfahrtingenieure gesucht, sondern auch Projektmanager, Physiker, Mathematiker, Biologen oder Experten der Qualitätssicherung. Dr. Marco Scharringhausen selbst ist ein gutes Beispiel: Der promovierte Mathematiker entdeckte seine Leidenschaft für die Raumfahrt, als er sich bei seiner Doktorarbeit mit Satellitendaten beschäftigte und fand danach seinen Weg zum DLR. Auch Aldert Kamp betont, wie wichtig es ist, quer denken zu können. Ein Experte auf dem eigenen Feld zu sein, reicht nicht. »Modernste Forschungserkenntnisse haben eine Lebensdauer von maximal fünf Jahren, bis sie wieder veraltet sind. Es ist viel wichtiger, zu wissen, welches Produkt gebaut werden soll, als zu wissen, wie es gebaut werden soll«, sagt er. Ingenieure sollten deshalb stets bereit sein, über den Tellerrand zu gucken und offen für die Erkenntnisse anderer Branchen sein. Die Bereitschaft, die ganze Karriere über dazuzulernen und sich fachübergreifend weiterzubilden, ist eine der wichtigsten Eigenschaften, die Absolventen mitbringen sollten. Aber auch eine gesunde Portion Geduld braucht es in der Branche – nicht nur die Umsetzung der Projekte dauert manchmal Jahre oder sogar Jahrzehnte, es müssen auch jede Menge Formalitäten eingehalten und strikte Dokumentationen durchgeführt werden. Dafür bringt die Arbeit sehr viel Abwechslung in einem globalen Arbeitsumfeld mit sich – Routine schleicht sich nur selten ein. Zusammenfassend gehören laut Aldert Kamp die Fähigkeit zum kritischen Denken, Kreativität und Vorstellungskraft sowie Problemlösungskompetenz für komplexe Fragestellungen zu den Top 5 Eigenschaften, die in der Raumfahrt zukünftig unerlässlich sein werden. Ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten – interkulturell und fachübergreifend, aber auch mit Anwälten und Geschäftsleuten – sowie die Bereitschaft zur Teamarbeit vervollständigen das Bild des modernen Raumfahrt-Mitarbeiters. Und natürlich ein Quäntchen Toleranz, wenn ›Star-Wars-‹ und ›Star-Trek‹-Fans am Arbeitsplatz aufeinander treffen.


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