Das Ziel vor Augen

Karriere im Anflug: Unser Branchencheck zur Luft- und Raumfahrt offenbart dir viele himmlische Aussichten.

Das Ziel vor Augen

ZUR LAGE DER LUFT- UND RAUMFAHRTINDUSTRIE

In der Wirtschaftskrise der vergangenen zwei Jahre blieb die weltweite Luft- und Raumfahrtindustrie überraschend stabil. Doch nun steht sie einem Nachkrisenszenario gegenüber, das voraussichtlich von schleppender Nachfrage, anhaltenden Überkapazitäten, steigenden Zinsen und sinkenden Rüstungsausgaben geprägt sein wird. Eine weitere Konsolidierung der Branche ist wahrscheinlich – so das Ergebnis der Studie ‘Global Aerospace & Defence Industry Review’ der Unternehmensberatung AlixPartners. Es ist seit Jahren das erste Mal, dass die Zulieferer profitabler sind als die Hersteller. Die Studie zeigt, dass die Ertragskraft der Hersteller um 30 Prozent geringer ist als die der Zulieferer.

Im Jahr 2009 waren US-Firmen die am stärksten wachsenden Unternehmen der Branche, was hauptsächlich auf ihren besseren Zugang zum US-Verteidigungs markt zurückzuführen ist. Im Bereich der Firmenzusammenschlüsse und Übernahmen erwartet die Studie eine verstärkte Aktivität. Viele Unternehmen werden versuchen, über Zukäufe zu wachsen. Positive Prognosen geben indes die deutschen Hersteller- und Zulieferfirmen der Luft- und Raumfahrtindustrie ab. Große Dienstleister wie Lufthansa Technik gehen davon aus, dass nach 2010 die Konjunktur wieder anzieht. Deutsche Luft- und Raumfahrtunternehmen sind an allen großen Projekten der Branche beteiligt: vom Airbus über die Hubschrauber ‘Tiger’ und ‘NH90’ bis hin zum Militärtransporter ‘A400M’, von der europäischen Trägerrakete Ariane und dem europäischen Satellitennavigationssystem Galileo bis hin zu militärischen Aufklärungs- und Forschungssatelliten.

WUSSTEST DU, DASS ...?
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… ein Raumanzug 100 Kilogramm wiegt und zwölf Isolationsschichten hat?

… in der Frachtrampe eines Space Shuttles ein Buckelwal Platz findet, und es bleibt noch genug Raum für eine Reiseverpflegung von 1.000 Heringen?

… das erste bekannte Modell eines Hubschraubers ein chinesisches Spielzeug aus dem 4. Jahrhundert. v. Chr. ist? Es ist eine Art Kreis, der zwischen den Handflächen gedreht wird und dann mit Federn leicht in die Luft steigt.

… das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel ist? Im Verhältnis zur Anzahl der zurückgelegten Flugstrecken verunglücken weltweit sogar weniger Menschen als Ende der 1990er Jahre – und das, obwohl immer mehr Flugzeuge verkehren.

… eine Boeing 747 mit rund 300 Sitzplätzen maximal 210.000 Liter Kerosin aufnimmt? Ein Flugzeug tankt allerdings nur so viel, wie es für eine Strecke braucht, damit es durch unnötiges Gewicht nicht mehr Treibstoff als nötig verbraucht.

… dass die Direktübertragung vom Mond die wohl teuerste Fernsehübertragung aller Zeiten war? Die NASA hatte sich die technische Realisation rund zwei Milliarden Euro kosten lassen, was circa ein Zehntel des Gesamtbudgets des Apollo-Programms ausmachte.

RÄTSEL DER LUFTFAHRT
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An keinem anderen Ort der Welt trinken die Menschen mehr Tomatensaft als an Bord von Fluzeugen. Allein die Lufthansa schenkt über den Wolken jährlich 1,5 Millionen Liter aus.

Die Gründe für die Getränkeauswahl sind vielschichtig. Das Gesundheitsportal Imedo sieht in den Klimabedingungen an Bord die Hauptursache. Zu Hause variiert die relative Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 55 Prozent, in einem Flugzeug dagegen zwischen fünf und 15 Prozent. Diese Differenz erhöht den Flüssigkeitsbedarf enorm.

Neben Flüssigkeit verliert der Organismus aber auch Elektrolyte wie Natrium oder Kalium. Tomatensaft enthält davon relativ viel. Instinktiv greifen also viele Reisende zu diesem Getränk. Andere Quellen berichten wiederum von einer Kettenreaktion à la: »Wenn mein Flugnachbar Tomatensaft bestellt, will ich auch einen!« Na denn Prost!

FAKTEN • FAKTEN • FAKTEN
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- Branchenunumsatz der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie 2009: 23,6 Milliarden Euro (+ vier Prozent gegenüber 2008)

- Auf die Luftfahrt entfallen 66,2 Prozent vom Umsatz

- Die Raumfahrt hat einen Umsatzanteil von 8,2 Prozent

- Der Bereich ‘Verteidigung und Sicherheit’ macht 25,5 Prozent vom Umsatz aus.

Beschäftigte: 93.700 (+ 0,8 Prozent)
Anzahl Unternehmen in Deutschland: circa 200
Exportanteil: 68 Prozent (bezogen auf den Umsatz) Ausgaben für Forschung & Entwicklung: 17,1 Prozent vom Umsatz

+++ TICKER +++
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+ + + In einer gemeinsamen Initiative der Europäischen Union und der Europäischen Raumfahrtagentur ESA soll bis 2014 ein unabhängiges, europäisches Satellitennavigationssystem entwickelt werden. Dieses weltweite System wird zugleich komplementär zum amerikanischen GPS-System sein. Die OHB Technology AG mit Hauptsitz in Bremen hat im Januar 2010 den Zuschlag der Europäischen Kommission zum Bau der ersten 14 Satelliten mit einem Volumen von 566 Millionen Euro erhalten. OHB wird dabei die Plattform entwickeln und bauen. Auch aus diesem Grund sucht OHB allein im kommenden Jahr 30 bis 40 Hochschulabsolventen und Young Professionals.

+ + + Weltpremiere: Luftpionier und Abenteurer Bertrand Piccard hat bewiesen, dass sich ein Flugzeug nur mit der Kraft der Sonne einen Tag und eine Nacht in der Luft halten kann. Der Prototyp ‘Solar Impulse HB-SIA’ hat auf seinen Tragflächen Platz für exakt 11.628 Siliziumzellen. Das Nachfolgeflugzeug ‘HB-SIB’ soll 2012 die Erde umrunden. Infos: www.solarimpulse.com

+ + + Für Ing.-Absolventen bietet die Lufthansa mit ‘StartTechnik’ den maßgeschneiderten Einstieg in die Aviation-Branche. Das internationale Traineeprogramm beinhaltet Stationen in verschiedenen Unternehmensbereichen wie beispielsweise Aircraft Maintenance oder Engine Services.

+ + + Schuld war mal wieder das Fernsehen: TV-Signale haben das Andockmanöver eines unbemannten All-Transporters an die ISS gestört, so dass das Versorgungsschiff die Raumstation um drei Kilometer verfehlt hat.

+ + + Die Universität Stuttgart hat sein neues Raumfahrtzentrum eingeweiht. Der Neubau mit knapp 1.800 Quadratmetern Hauptnutzfläche wird unter anderem das Institut für Raumfahrtsysteme SOFIA beherbergen.

+ + + Jeder kennt das legendäre Bild von Neil Amstrong, wie er auf dem Mond einen großen Schritt für die Menschheit tat: Dieses Bild und viele andere mehr – insgesamt 4,5 Milliarden plus Videos – sind jetzt für die Allgemeinheit zugänglich. Die NASA und die digitale Bibliothek ‘Internet Archive’ haben das Bild- und Fotomaterial bei der Foto-Sharing-Community Flickr veröffentlicht.

+ + + Startschuss für den High- Tech-Jet: Zwei Jahre vor dem geplanten Erstflug hat der Flugzeughersteller Airbus nun mit der Produktion des neuen Langstreckenflugzeugs A350 begonnen. Am Standort Stade wird als erstes Bauteil die obere Flügelschale hergestellt. Für das Flugzeug liegen 528 Bestellungen von 33 internationalen Fluggesellschaften vor. + + +

REALITÄTSCHECK: DAS SAGEN DIE PROFIS
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»Wir suchen Absolventen mit überdurchschnittlichen Studienleistungen, einem hohem Maß an Verantwortungsbewusstsein sowie Einsatzbereitschaft, guten Englischkenntnissen, Teamgeist und einer Begeisterung für die Luftfahrt.«

Stefan Meindl, Human Resources Director, Rolls-Royce

»Hochschulabsolventen mit Diplom- oder Masterabschluss können bei der ESA am Young Graduate Trainee (YGT) Programm teilnehmen, bei dem sie in konkrete Projekte eingebunden sind und erste handfeste Erfahrungen im Raumfahrtbereich sammeln. Jährlich schreiben wir etwa 70 bis 80 Stellen für YGTs aus und wir übernehmen nach einem erfolgreich absolvierten Programm auch die meisten von ihnen. Promovierte Ingenieure und Naturwissenschaftler kommen in der Regel als Research Fellow zu uns und besetzen eine PostDoc-Stelle, bei der sie selbstständig Forschungsarbeit leisten.«

Dr. Frank Danesy, Deutschland Personalchef, ESA

»Die MTU bietet Praktika an, in deren Rahmen Praktikanten Erfahrungen in fast allen Unternehmensbereichen sammeln und ihr Wissen in der Praxis anwenden können. Für Studenten, die sich während ihres Praktikums an einem deutschen Standort besonders bewährt haben, besteht auch die Möglichkeit eines Praktikumseinsatzes bei einem MTU-Tochterunternehmen, Joint-Venture oder Partner im Ausland. «

Kerstin Glavina, Personalentwicklung, MTU Aero Engines, München

»Als Arbeitgeber bieten wir breit gefächerte Entwicklungsmöglichkeiten. Vielfältige Weiterbildungen, Förderprogramme sowie die Option zur Mobilität – innerhalb Europas und weltweit – öffnen den Blick über den Tellerrand hinaus, ermöglichen globale Netzwerke und den Aufbau von bereichsübergreifendem Wissen. Rund 700 Praktikanten und Diplomanden bieten wir jährlich an allen Standorten die Chance, Eurocopter kennen zu lernen.« Lynn Currie, Leiterin Personalmarketing, Eurocopter Gruppe »Englisch ist in der Raumfahrt natürlich Standard. Die Dokumentation im Projekt ist Englisch, das ist auch vertraglich so festgelegt. Es gibt im Grunde keinerlei deutsche Dokumente.«

Michael Bartusch, Mitarbeiter im Bereich Erderkundung beim DLR

 


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