Als Frau im Maschinenbau

Quotenfrau war gestern: Wo andere noch um weibliche Ingenieure ringen, da hat die Maschinenbaubranche schon einen großen Schritt Richtung Zukunft gemacht

Frau mit Mädchen die einen Roboter mit Apfel füttern
Jung, Frau, Maschinenbau! privat

5.000 offene Stellen für Ingenieure – so schätzt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) die derzeitige Situation auf dem Arbeitsmarkt seiner Branche ein. Tendenz steigend. Dieser viel zitierte Fachkräftemangel, der nicht nur dem Ingenieurwesen in Deutschland ständig wie ein Stein im Magen liegt, heißt für Studierende und Absolventen im Umkehrschluss: Beste Chancen für einen erfolgreichen Berufseinstieg.

Carola Unterländer kann dies nur bestätigen: »Wir sehen einen hohen Personalbedarf im ingenieurwissenschaftlichen Umfeld auf uns zukommen. Unter anderem werden die Fachrichtungen Maschinenbau, Verfahrens-, Prozess- und Elektrotechnik von besonderem Interessse für uns sein«, sagt die Leiterin für Personalmarketing und Bewerbermanagement der Krones AG, Hersteller von Getränkeabfüllanlagen. Auch Dr. Christiane Grunwald, Leiterin Personalbeschaffung und -betreuung bei Trumpf Werkzeugmaschinen in Ditzingen, ist auf der Suche nach kompetenten Mitarbeitern für ihr Unternehmen. »Glücklicherweise hat die Krise in unserem Bereich ein relativ schnelles und deutliches Ende gefunden, so dass wir praktisch direkt in die Hochkonjunktur übergehen«, erläutert die 46-Jährige. »Dafür brauchen wir qualifiziertes Fachpersonal.«

Junge Menschen früh für den Maschinenbau begeistern!

Den Verantwortlichen der Branche ist bewusst, dass sie konkret handeln müssen, um dem Defizit an gut ausgebildeten Fachkräften entgegenzuwirken. Der VDMA hat dafür einen Maßnahmenkatalog entworfen, der bereits an der Schnittstelle Schule- Universität ansetzt. »Junge Menschen müssen schon besser vorbereitet in das Studium hineingehen, damit in Zukunft die hohen Zahlen an Studienabbrüchen reduziert werden«, meint beispielsweise Ulrich Hermani, für Baden Württemberg zuständiger Geschäftsführer des VDMA.

»Zudem müssen wir dafür sorgen, dass die didaktische Qualität der Lehre und der Praxisbezug des Studiums verbessert werden.« Eine Forderung, der an der Technischen Universität München (TUM) bereits nachgekommen wird, wie Dr. Thomas Wagner, Leiter des Studienbüros der Fakultät für Maschinenwesen, erklärt: »Der Kontakt mit der Industrie erfolgt bereits sehr früh im Studium: Zum einen müssen die Studierenden ein Industriepraktikum absolvieren, zum anderen besteht die Möglichkeit sowohl Bachelor- als auch Master-Abschlussarbeiten in Kooperationsprojekten mit Industriepartnern zu verfassen.«

Dass frühzeitige Berührungspunkte mit potenziellen Arbeitgebern den späteren Berufseinstieg erleichtern, weiß auch Dr. Christiane Grunwald von Trumpf: »Nur wer weiß, welche Einsatzgebiete es überhaupt gibt, kann seine Kenntnisse und Vorlieben mit dem passenden Aufgabengebiet in Einklang bringen, und dann auch wirklich gut sein.« Boris Wörter, Leiter der Abteilung Human Resources von Festo, sieht das genauso. »Wir haben viele unserer Mitarbeiter über Praktika, Werkstudententätigkeiten und Abschlussarbeiten kennen gelernt«, betont der Personalleiter. Dann erläutert er, was sein Unternehmen dafür tut, um die einmal gewonnenen Arbeitskräfte auch dauerhaft zu halten: »Bei uns werden Talente früh identifiziert und durch entsprechende Potenzialentwicklungsmaßnahmen individuell gefördert.« Um die Arbeitgeberattraktivität weiter zu steigern, investiert Festo vermehrt in familienfreundliche Maßnahmen und schnürt attraktive Vergütungspakete. Dabei spielt auch der Genderaspekt eine große Rolle.
 

Mehr Frauen im Maschinenbau

Dr. Thomas Wagner von der TUM kann bereits ein gesteigertes Interesse von jungen Frauen am Maschinenbaustudium feststellen. »In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Anteil der Studentinnen an unserer Fakultät mehr als verdoppelt, das Maschinenwesen ist längst keine reine Männerdomäne mehr«, verkündet der 44-Jährige. »Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass wir seit mehr als zwei Jahren Bachelor- und Masterstudiengänge wie ›Medizintechnik‹ und ›Maschinenbau und Management‹ anbieten, die insbesondere bei unseren weiblichen Studierenden beliebt sind.«

Neben dem technischen Know-how, das Absolventinnen eines Maschinenbaustudiums mitbringen, könnte die Branche auch von einer Sozialkompetenz profitieren, die Frauen generell in besonderem Maße nachgesagt wird: Kommunikationsstärke. Diese gewinne nämlich immer mehr an Bedeutung, meint Paul Kho, selbst Maschinenbauingenieur und Leiter der Abteilung Technical Corporate Communication bei Festo. »Im Job habe ich festgestellt, dass Sozialkompetenz in der Kommunikation sehr wichtig ist, denn Ingenieure können technisch viel, reden aber oft zu wenig miteinander oder agieren schriftlich uneffektiv«, erklärt er. »Gerade in Zeiten der Interdisziplinarität aller Technologien und dem Verweben von Geschäftsabläufen ist es aber wichtig, sich permanent auszutauschen, damit effiziente, die Projektarbeit beschleunigende Diskussionen entstehen können.«

Sozialkompetenz vor allem international wichtig!

Ähnlich wie Paul Kho, der betont, dass solche Kommunikationsprozesse insbesondere für die internationale Ebene von Bedeutung sind, sieht das auch Ulrich Hermani. »Unbedingt bereits im Studium geschult werden sollten interkulturelle Kompetenzen«, verlangt der Geschäftsführer des Branchenverbands, und führt weiter aus: »Dabei geht es nicht alleine um die Sprache, sondern darum, mit den Mentalitäten von Menschen aus anderen Regionen umgehen zu können.« In Anbetracht der immer größer werdenden Bedeutung Asiens für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau ist diese Forderung, die jüngst auch in einem offiziellen VDMA-Papier hervorgebracht wurde, mehr als plausibel.

Neben den nicht zu unterschätzenden sozialen Fähigkeiten sind es aber selbstverständlich die technischen, mathematischen und naturwissenschaftlichen Fertigkeiten, die für eine erfolgreiche Karriere im Maschinenwesen ausschlaggebend sind – das betonen sowohl Boris Wörter und Dr. Thomas Wagner, als auch Dr. Christiane Grunwald und Ulrich Hermani. Der VDMA-Vertreter ist auf jeden Fall davon überzeugt, dass der überaus qualifizierte Ingenieursnachwuchs nach der Überwindung der schwersten Krise der Nachkriegszeit in den kommenden Jahren richtig viel zu tun haben wird, denn schließlich:

»Deutsche Technologie ist einfach weltweit sehr begehrt!«


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