Maschinenwerkzeug
Jobs im Maschinenbau Bastografie/ Quelle:PHOTOCASE

Maschinen- und Anlagenbau: Läuft wie geschmiert!

Nach einem Einbruch vor einigen Jahren setzt der Maschinen- und Anlagenbau dank neuer industrieller Trends wieder auf Wachstum und Nachwuchskräfte

Was wäre eine Gesellschaft ohne Maschinen? Und was wäre Deutschland ohne den Maschinenbau? Man muss nur zwei Fragen stellen, um sich die Bedeutung des Industriezweigs und ihrer Protagonisten – der Maschinenbau-Ingenieure – klar zu machen. Der Maschinen- und Anlagenbau ist der technische Kern jeder Gesellschaft. Er gewährleistet die Entwicklung aller anderen Branchen. Und er ist damit zum Sinnbild für das Ingenieurwesen geworden. Allein in Deutschland ist der Maschinen- und Anlagenbau mit 1.003.000 Mitarbeitern der beschäftigungsstärkste Industriezweig. Mit einem Umsatz von 210 Milliarden Euro liegt er nur knapp hinter dem der Fahrzeugindustrie mit 275 Milliarden Euro. Im Jahr 2004 lag der Umsatz noch bei 143 Milliarden Euro. »Wir haben in nur zehn Jahren 46 Prozent zugelegt«, freut sich Dr. Reinhold Feige, Präsident des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA).

Ingenieure und Informatiker im Maschinenbau

Es sind vor allem die Ingenieure, die an den richtigen Schrauben drehen, um den Maschinenbau weiter voranzutreiben. Vier von fünf Führungspositionen im Maschinenbau werden mit Absolventen der Ingenieurwissenschaften besetzt. Rund 190.000 Informatiker und Ingenieure sind derzeit in der Maschinenbauindustrie aktiv. Und es werden Weitere gesucht. Nicht unbedingt, weil immer neue Stellen entstehen. Diese Entwicklung ebbt derzeit ab. Vielmehr werden in den kommenden Jahren viele Maschinenbauer die Altersgrenze erreicht haben und in den Ruhestand gehen. Hinzu kommt, dass in den kommenden drei bis fünf Jahren neue Aufgaben auf die Maschinenbau-Ingenieure zukommen werden. Allein Megatrends wie Industrie 4.0 oder industrielle Anwendungen im Bereich des Additive Manufacturing (3D-Druck) werden die Suche nach Fachkräften pushen. Interessant dürften auch folgende zwar schleichende aber ebenso wichtige Trends sein: Die Steigerung der Energieeffizienz, der intelligente Umgang mit (teuren) Ressourcen, die Medizintechnik oder die Bionik, also das Nutzen natürlicher Phänomene für neue Entwicklungen in der Technik. »Nicht zuletzt Aufgrund dieser Verbreiterung hat sich das Studium und der Beruf eines Maschinenbau-Ingenieurs in den vergangenen Jahren weiter deutlich gewandelt«, sagt Stéphane Danjou. Er ist Professor für Maschinen- und Anlagenbau an der Hochschule Rhein-Waal. Waren vormals noch klassische Fächer vor einigen Jahren noch klassische Fächer wie Mathematik, Physik, Chemie oder Mechanik zentral, seien nun Aspekte der Informationstechnologie und der Elektrotechnik mindestens ebenso wichtig. Vor allem aber reicht der Maschinenbau weit über den Bau von Maschinen hinaus. Berechnung und Visualisierung via PC sind Standard geworden.

Verständnis für Wirtschaftsthemen gefragt

Hinzu komme die Erwartung der Industrie, dass auch Maschinenbau-Ingenieure ausgeprägtes Wirtschaftsverständnis mit in den Beruf bringen. Und natürlich die Soft Skills. Auch hier hat sich einiges geändert, betont Danjou. Eigenschaften wie Teamfähigkeit und Kommunikationsvermögen seien zwar Grundvoraussetzung, aber letztlich keineswegs die einzigen Erfolgsfaktoren. »Von Maschinenbau-Ingenieuren wird oftmals auch ein intensiver Austausch mit dem Kunden erwartet«, meint der Experte. Auf der anderen Seite aber hat die Branche ihren Einsteigern einiges zu bieten. In der Regel ein Einstiegsgehalt zwischen 35.000 und 42.000 Euro mit im Schnitt weiteren 1.000 Euro je Berufsjahr. Einen meist krisensicheren Job mit – je nach Wunsch – eher lokalem oder internationalem Flair und generell: hervorragende Berufsaussichten. »Für den Maschinenbau werden derzeit jährlich rund acht Prozent Wachstum prognostiziert – das ist weit über dem Schnitt der meisten anderen Branchen«, betont Danjou.

Maschinenbauer bei Voith

Das sieht auch Matthias Bosch so. Der 22-Jährige absolviert ein Studium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heidenheim und schreibt derzeit seine Bachelorarbeit zum Bereich Wertanalyse von Maschinenteilen beim Maschinenbau-Großunternehmen Voith. »Als Maschinenbau-Ingenieur sind die Karrierechancen vielschichtig. Mir steht jetzt eine Vielzahl von Türen offen«, sagt er. Seit rund drei Jahren ist Bosch bei Voith und hat in seinen Praxissemestern einen ersten Einblick in die Vielfalt des Berufs bekommen – von technischen Zeichnungen über mechatronische Komponenten, dem Turbinenbau bis zu Managementprozessen oder der Wertanalyse. »Bei der Wertanalyse geht es letztlich darum Lösungsansätze für ein Produkt zu entwickeln, um beispielsweise die Fertigungskosten zu minimieren oder den Materialaufwand zu reduzieren«, sagt Bosch. Im Zuge seiner Bachelorarbeit untersucht er aktuell an einem Walzenpaket den Werkstoffwechsel von Gusseisen auf Stahl. Unter Berücksichtigung von Kriterien wie Festigkeit, Fertigungsrealisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit erarbeitet er dabei eine neue Konstruktion. Bosch hat sich, wie die meisten Maschinenbau-Studierenden, für eine eher generalistische Ausbildung entschieden. Eine zu frühe Spezialisierung könne die beruflichen Chancen mehr einengen als erhöhen, meint er. Auch Experten wie Professor Stéphane Danjou stimmen dem zu. Die Maschinenbau-Industrie in Deutschland hat eine stark mittelständische Ausprägung – gesucht würden hier eher Generalisten. Spezialisten hingegen stehen zusätzlich meist auf dem Wunschzettel größerer Unternehmen – etwa im Automobilbau.

Maschinenbau ist Mittelstand

In der Tat ist der Maschinenbau, von Umsatzriesen wie Siemens Industry, Linde Group, ThyssenKrupp, Voith oder Knorr-Bremse und einigen weiteren abgesehen, zu rund 90 Prozent vor allem von mittelständischen Unternehmen geprägt. Früh spezialisieren sollte sich also nur, wer ein bestimmtes Unternehmen im Blick hat und den Bedarf kennt oder ein persönliches Interesse bei sich ausgemacht hat. Laut VDMA sind die Einsatzgebiete sowohl von Generalisten als auch von Spezialisten breit gestreut. Sie reichen von Antriebstechnik über die Holzverarbeitungs- und Landmaschinentechnik über die Robotik bis hin zur Energieversorgung und der Verfahrenstechnik. Insofern ist es durchaus nachvollziehbar, wenn der Verband in seiner VDMA-Ingenieurerhebung attestiert, dass das Finden eines Jobs für Ingenieure des Maschinen- und Anlagenbaus wohl keine große Herausforderung darstellt. Die Frage ist nur: welcher.


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