Ingenieure in der Medizintechnik: Roboter revolutionieren Herzgesundheit und Rehabilitation

Start-ups entwickeln faszinierende Produkte der Medizintechnik. André Reincke von coronect und Dr. Alexander König von ReActive Robotics verraten, wie neuartige Geräte und Roboter unser Gesundheitssystem nachhaltig verändern können

Hände formen ein Herz vor Meer
Der Mensch steht in der Medizintechnik im Mittelpunkt jarmoluk / pixabay.com unter CC0 Public Domain

Herzenhören – mit medizinischem Brustgurt

Wir bei der coronect GmbH entwickeln einen medizinischen Brustgurt, der verschiedene Vitalparameter wie die elektrische Herzaktivität und Körperbewegungen misst und diese dann automatisch und drahtlos in die Cloud überträgt. Die Nutzer können ihre gespeicherten Daten dann verschicken, ausdrucken und von ihrem Hausarzt checken lassen. Das Produkt verbessert Zugriff und Dokumentation der eigenen Vitaldaten.

Medizintechniker André Reincke über seine Aufgaben

Ich bin der Leiter der Produktentwicklung, das heißt, ich entscheide, wie das Produkt auf der Hardwareebene aussieht. Aus den Kundenwünschen entwickle ich die technologischen Anforderungen und frage mich immer wieder: Was können wir in unserem Produkt unterbringen? Wieviel Platz haben wir? Was lässt sich am Körper messen, ohne dass der Messvorgang kompliziert und nervig wird?

Ingenieure, die anpacken, sind als ideale Mitarbeiter gefragt

Wir brauchen Macher. Ingenieure, die auch in ihrer Freizeit gerne eigenen Projekten nachgehen. Die sich mit dem identifizieren, was sie machen. Die Aufgaben sehen und lösen. Eigeninitiative ist ganz wichtig.

Mobilität ist der große Trend in der Medizintechnik

Der Trend geht dahin, sich immer mehr von der Ortsabhängigkeit zu trennen – vor allem mithilfe der Cloud. Mobile Patienten- und Vitaldaten sind das große Thema der Gesundheit. Durch diese Mobilität und den erleichterten Zugriff auf die Daten haben Patienten bessere Chancen, ihre Gesundheit selbst in die Hand zunehmen und sich ganz unkompliziert eine Zweitmeinung einzuholen.

Move Them – Roboter für die Frühmobilisierung

Wir bei ReActive Robotics bauen Robotik, die die Therapeuten bei der Frühmobilisierung von Intensivpatienten unterstützt. Die Roboter ermöglichen es ohne den Kraftakt der Therapeuten, die Patienten zum Beispiel nach einem Schlaganfall auf die eigenen Beine zu stellen und sie zu bewegen. Diese frühe Bewegung wirkt sich positiv auf den Heilungsverlauf aus", erklärt Dr. Alexander König. 

Diese Voraussetzungen sollten Ingenieurabsolventen erfüllen

Vernetztes Denken ist absolut zentral, um zum Beispiel klinische Anforderungen in mechanische und elektrische Softwareanforderungen zu übersetzen. Schön ist es, wenn Ingenieurabsolventen aller Fachrichtungen zusätzlich ein wahres Steckenpferd haben und viel Begeisterung mitbringen. Außerdem schaden Auslandsaufenthalte nie. Tipp: Ruhig mal eine Vorlesung über Medizintechnikbesuchen, insbesondere zum Thema Qualitätsmanagement.

Eine Herausforderungen: den Roboter an die therapeutischen Anforderungen anpassen

Stichwort Usability: Die ganz große Herausforderung ist die technische Umsetzung der therapeutischen Anforderungen unter den Randbedingungen des Intensivalltags. Zum Beispiel ist es unser Ziel, dass der Patient innerhalb von höchstens zehn Minuten nachdem der Therapeut den Raum betreten hat bereit für die Therapie ist. Es muss gelingen, den Roboter innerhalb dieses Zeitrahmens vorzubereiten, ihn an den Patienten anzubringen und alles zu konfigurieren.

Roboter sollen Therapeuten in Zukunft bei der Rehabilitation unterstützen

In der Pflege und Therapie wird sich eine stärkere Technologie und Vernetzung herausbilden. Ziel ist es dabei, den Therapeuten zu unterstützen, nie, ihn zu ersetzen. Wir können und wollen das Menschliche nicht aus der Pflege und Therapie herausnehmen. Die Technik beziehungsweise Robotik soll den Therapeuten und Pflegern die harte körperliche Arbeit abnehmen, damit diese sich um den Menschen kümmern können.


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