ein Pflaster an eine Mauer gesprüht
Technik verarztet bauzaun./ Quelle:PHOTOCASE

Ingenieure verbessern Mobilität

Viele Ingenieure übersehen die Medizin als Arbeitsbereich und lassen sich damit aufregende Aufgaben entgehen: Zwischen Prothesen und Nanotechnologie warten unglaubliche Projekte, die verletzten Menschen die Mobilität zurückgeben.

Die Lebenserwartung der Menschen steigt. Das spricht einerseits für unsere hohe Lebensqualität, bringt andererseits aber auch mehr altersbedingte Krankheiten und Handicaps mit sich. Daher ist es in der Medizin notwendig, innovative Techniken und Verfahren zu entwickeln und bestehende zu verbessern. Kein Wunder, dass diese Branche die zunehmende Technisierung so willkommen heißt wie kaum eine andere und der Bedarf an Ingenieuren dadurch wächst.

Entwicklungsingenieur bei Ottobock

Alexander Pappe ist Entwicklungsingenieur Embedded Hardware bei Ottobock, einem Unternehmen, das orthopädische Hilfsmittel wie Prothesen, Orthesen, Rollstühle und Geräte zur Neurostimulation herstellt.

»Unsere Produkte sollen den Anwendern verlorene Mobilität zurückgeben, zum Beispiel nach einer Amputation oder einem Schlaganfall. Das größte Geschäftsfeld ist die Prothetik, in dem wir alle notwendigen Komponenten produzieren, die zum Aufbau einer patientengerechten Prothese notwendig sind«, erklärt der 26-Jährige.

Pappe gefällt es zu sehen, wie technische Geräte den Menschen in Notsituationen, im Operationssaal oder auch einfach im Alltag unterstützen und wollte bei der Entwicklung solcher Assistenzsysteme mithelfen. Bei Ottobock entwickelt der Absolvent der Mechatronik auf Bauteilebene die elektronischen Schaltungen für mechatronische Produkte.

Neben dem Schaltungsentwurf und der -optimierung gehören auch die Inbetriebnahme, Programmierung und Tests zu seinem Aufgabengebiet. »Als Mechatroniker beschäftige ich mich außerdem auch mit ganzen Produkt- oder Forschungsprojekten. Dabei geht es dann nicht nur um die Elektronik, sondern auch sehr stark um die mechanischen Konstruktionen, moderne Aktoren, Sensoren und deren Zusammenwirken im System«, erklärt der Absolvent der TU Dresden.

Wenn er im Job nicht gerade mit seiner Entwicklertätigkeit am Computer und im Labor beschäftigt ist, ist sein Tag mit den unterschiedlichsten Terminen gefüllt. Projektbesprechungen gehören da genauso dazu wie Verhandlungen mit möglichen Zulieferern und Entwicklungspartnern. Auch Tests mit Prothesenträgern stehen immer wieder an, die entsprechend vorbereitet und durchgeführt werden müssen. »Nur so können wir sehen, ob unsere Ideen und Änderungen auch die gewünschten Vorteile bringen«, erklärt Pappe.
 

Spannende Projekte: Prothesenfuß und Kniegelenk

Im Moment arbeitet er an verschiedenen Projekten, darunter ein Prothesenfuß, der mit Sensorik versehen werden soll, ein Technologieprojekt mit externen Partnern und ein mechatronisches Kniegelenk. Die Arbeit am Prothesenfuß macht ihm gerade sehr viel Spaß, da Ottobock dafür einen größeren Feldversuch durchführt und sie die ersten Rückmeldungen erhalten.

»Es ist toll zu sehen, dass die Anwender wirkliche Vorteile von dem neuen Produkt haben werden«, erzählt Pappe begeistert.

Auch das Kniegelenk ist ein interessantes Projekt, »weil ich für die gesamte technische Umsetzung verantwortlich bin und ein neues Produkt von Grund auf mitgestalten darf. Dabei lernt man neben den technischen Dingen auch sehr viel über Projektabläufe und Teamdynamik.«

Da die Arbeit im Team an der Tagesordnung ist, sollte man in der Medizintechnik schon kommunikativ sein. Dieser Ingenieurbereich ist außerdem so gut wie immer interdisziplinär und man sollte eine breit aufgestellte Ausbildung mitbringen. Das genaue Studienfach ist dabei weniger entscheidend. Vielmehr ist technisches Verständnis gefragt und dass man sich gut in Aufgaben einarbeiten und Lösungen finden kann. »Spezialisierung auf ein Lieblingsthema ist natürlich wichtig, aber man muss auch die Schnittstellen zu allen anderen Bereichen im Auge behalten können«, rät Pappe.


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