Bauingenieure im öffentlichen Dienst

Bauingenieure im öffentlichen Dienst sind zu Wasser und zu Land unterwegs.

Raumbedarf eines Schubverbands während einer Kurvenfahrt
Raumbedarf eines Schubverbands bei einer Kurvenfahrt BAW

Am Anfang war das Praktikum. Drei Monate lang. Drei Monate, in denen Carolin Gesing, gerade frisch von der Schule kommend, feststellte: »Baugruben und Bauwerke faszinieren mich.« Also ging's an die TU Braunschweig, wo sie Bauingenieurwesen studierte. Anschließend stand Gesing vor der Frage: Wirtschaft oder öffentlicher Dienst?

Karriere als Ingenieur im öffentlichen Dienst

Die Bauingenieurin entschied sich für den öffentlichen Dienst, »weil mich sowohl die fachlichen als auch die personaltechnischen Rahmenbedingungen überzeugt haben.« Oder anders ausgedrückt: »Innovative, abwechslungsreiche Projekte werden bei uns im Team fachwissenschaftlich und mit einer Ausstattung auf dem neuesten Stand der Technik bearbeitet.«

›Bei uns‹, damit meint Gesing die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW), die als verkehrswasserbaulicher Berater und Gutachter die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) und das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) unterstützt. Primär trägt die BAW wesentlich dazu bei, dass die Wasserstraßen in Deutschland den wachsenden technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Anforderungen gerecht werden.

Carolin Gesing ist mit der hydraulischen Belastung betraut, die durch die Schifffahrt ausgelöst wird und auf Ufer und Sohle des Gewässers trifft. »Da die Schiffe immer größer und stärker motorisiert werden, haben wir derzeit viele Projekte, bei denen geprüft werden muss, ob die bisherigen Ufer- und Sohlenbefestigungen den neuen, größeren Belastungen standhalten«, berichtet die junge Ingenieurin.

Zukunft im öffentlichen Wasserbau

Wer seine Zukunft im öffentlichen Wasserbau sieht, hat mehrere Möglichkeiten. Die BAW schreibt Stellen grundsätzlich öffentlich aus.

»Außerdem arbeiten hier regelmäßig 50 bis 60 Studenten als wissenschaftliche Hilfskräfte, betreuen wir Abschlussarbeiten und auch ein studienbegleitendes Praktikum ist möglich«, zeigt Peter Weinmann, Gesamtpersonalleiter der BAW, Einstiegsmöglichkeiten auf.

Eine andere Variante ist zum Beispiel, sich bei der WSV direkt zu bewerben. »Wir suchen Ingenieure für Betrieb, Unterhaltung und den Ausbau von Wasserstraßen. Es bietet sich ein spannendes Spektrum, denn es treffen modernste Baustoffe und hochkomplexe Techniken auf teilweise mehr als 100 Jahre alte Bauwerke«, berichtet Guido Hahn, zuständig für Personalangelegenheiten bei der WSV.

Neben dem Direkteinstieg besteht für Absolventen die Möglichkeit über die Laufbahnausbildung, einer Art Traineeprogramm, ins Beamtentun zu gehen. »Hier eröffnet sich je nach Studienabschluss für Bachelorabsolventen oder FH-Ingenieure der Weg in den gehobenen Dienst und für Master oder TH-Ingenieure die Tür zum höheren Dienst«, so Hahn.

Gründe für eine Karriere im Öffentlichen Dienst

Doch warum nur sollten Studenten in den öffentlichen Dienst gehen? Guido Hahn hat ein paar Argumente parat: »Ein sicherer Arbeitsplatz und vielfältige Herausforderungen sowie Entwicklungsmöglichkeiten heben den öffentlichen Dienst im Vergleich zur Wirtschaft heraus. Durch vielfältige Arbeitszeitmodelle bieten wir auch die Möglichkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.«

Dass Behörden um Absolventen kämpfen müssen, dürfte in erster Linie an den Gehaltsaussichten liegen. »Uns ist bewusst, dass wir in der gegenwärtigen Phase im finanziellen Bereich nur schwer mit Angeboten aus der Privatwirtschaft konkurrieren können«, gesteht beispielsweise Dr. Kirstine Lamers von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Dennoch hat auch sie Argumente pro öffentlicher Dienst: »Eine Tätigkeit in der BASt verbindet die Möglichkeit, auf hohem wissenschaftlichen Niveau tätig zu sein, mit den anderen nennenswerten Vorteilen des öffentlichen Dienstes.

So dürfte es kaum Jobs in der Wirtschaft geben, in denen Bauingenieure im gleichen Maße interdisziplinär arbeiten können und so hautnah an wissenschaftlichen Projekten und der Erstellung nationaler wie international geltenden Regelwerken mitwirken wie in der BASt.« Außerdem sei auf der Habenseite zu verbuchen, dass ohne Gewinnorientierung geforscht werden könne. Und auch bei der BASt wartet auf Einsteiger langfristig eine Verbeamtung.

»Im Regelfall bieten wir Absolventen zunächst eine befristete Beschäftigung nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Diese kann bis zu sechs Jahre dauern. Im Anschluss an eine Promotion ist eine sogenannte Post-Doc-Phase von weiteren sechs Jahren möglich. In Einzelfällen gelingt es uns, sofort eine unbefristete Übernahme zu ermöglichen«, berichtet die Personalfrau.

Spannende Forschungsprojekte

Die BASt ist eine Forschungseinrichtung des BMVBS und hat die Aufgabe, die Entwicklung des Straßenwesens zu fördern. Das Spektrum reicht von kurzfristigen Anfragen des BMVBS bis zur Koordinierung und Durchführung langjähriger Forschungsprojekte. Ziel der Behörde ist es unter anderem, auf eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Baues und der Erhaltung der Bundesfernstraßen hinzuwirken. Daran beteiligt ist Karen Scharnigg, die an der Bauhaus-Uni Weimar studiert hat. Ihre Einstellung erfolgte für ein EU-Forschungsprojekt zum Thema ›Reifen-Fahrbahn-Interaktion hinsichtlich Griffigkeit, Geräusch-emission und Rollwiderstand‹. »Durch meine vorherige Tätigkeit an der RWTH Aachen und der Bearbeitung von Forschungsprojekten, bei denen die BASt größtenteils der Auftraggeber war, kannte ich einige meiner jetzigen Kollegen schon. Zu Beginn habe ich an einem europäischen Forschungsprojekt mit sechs weiteren internationalen Instituten gearbeitet«, erzählt Scharnigg.

Ihr Kollege Heinz Friedrich, Absolvent der TU München, stieg klassisch über eine explizite Stellenausschreibung ein. »Zu meinem Tätigkeitsfeld zählen zum Beispiel die Leitung interner Forschungsprojekte und die fachtechnische Betreuung von Pilotprojekten. Dabei vertrete ich alles rund um den Bereich Stahlbrückenbau. Hierzu zählen die Ertüchtigung bestehender Stahlbrücken, das Thema Nachhaltigkeit im Brückenbau, das Fachgebiet Brückenseile und die Temperierung von Brücken durch die Nutzung von Geothermie«, gewährt der Bauingenieur einen kleinen Einblick in sein vielfältiges Arbeitsspektrum.

Und was treibt ihn tagtäglich an? »Mir gefallen besonders die große Breite an interessanten Aufgabenfeldern, die spannende Position als Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis und wenn die Brücke fertig gestellt ist, sagen zu können: ›Dazu habe ich (m)einen Teil beigetragen‹.«

Arbeiten beim Fraunhofer IRB

Auch das Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB gilt als beliebte Anlaufstelle für Bauingenieure. Das Institut ist die zentrale Einrichtung für den nationalen und internationalen Transfer von Baufachwissen. Es erschließt technisches, planungs- und wirtschaftsbezogenes Fachwissen aus Forschung und Praxis der Fachgebiete Bauingenieurwesen, Architektur, Bauplanung, Baurecht und -wirtschaft, Städtebau, Wohnungswesen und Raumordnung sowie Denkmalpflege.


Anzeige

Anzeige