Ingenieure im Consulting: NebenrausDenker Willkommen

Im Consulting warten auf Ingenieure steile Karrieremöglichkeiten – die Anforderungen sind allerdings hoch

schraffierte Umrisse von drei Menschen mit Bauarbeiterhelmen
Ingenieure im Consulting: Es wird viel erwartet von den heißbegehrten Quereinsteigern audimax

Auf die Frage nach ihrem Wunscharbeitgeber antwortet die Mehrzahl der ingenieurwissenschaftlichen Absolventen, sie würde gerne bei Automobilgrößen wie VW, BMW oder Daimler ins Berufsleben einsteigen. Auch Technologie- und Industrieunternehmen wie Siemens oder Airbus stehen weit oben in der Liste der Wunscharbeitgeber. Was viele Absolventen gar nicht auf dem Schirm haben: Nach dem Automotivebereich und dem Maschinen- und Anlagenbau hat die Consultingbranche den drittgrößten Bedarf an Absolventen der Ingenieurwissenschaften. So ist sie bei der Berufswahl durchaus einen zweiten Blick wert.  

Das verdienen Ingenieure im Consulting

Rund 48.000 Euro verdienen Ingenieure als Consultants nach dem Berufseinstieg pro Jahr. Das entspricht dem Durchschnittsgehalt, mit dem auch Wirtschaftswissenschaftler in der Consultingbranche rechnen dürfen. Bei den Top-Firmen der Branche sind bei entsprechender Motivation und Leistungsbereitschaft sogar bis zu 70.000 Euro Jahresgehalt drin. Über die genauen Beträge wird öffentlich gerne Stillschweigen bewahrt. Allerdings steht fest, dass sich die Einstiegsgehälter in den folgenden Jahren noch einmal ordentlich steigern lassen, denn die Consultingbranche ist bekannt dafür, bei entsprechender Karriereentwicklung attraktive Boni zu vergeben.  So bestätigt Marcus Reif, Leiter Recruiting und Employer Branding bei EY: »Wir erkennen und fördern Talent in allen Fachbereichen durch eine branchenübliche Vergütung, einen variablen Bonus sowie zahlreiche Sozialleistungen.« Und für noch etwas ist die Consultingbranche bekannt: eine schnelle Karriereentwicklung und steile Lernkurve. Die ersten zwei bis drei Karrierestufen werden in Ein- bis Zweijahressprüngen erklommen, wobei oft das ›Up or Out‹-Prinzip gilt – wer nicht aufsteigt, steigt aus. Selbstverständlich verlangt dieses Karriereprofil nach engagierten und ehrgeizigen Absolventen mit der Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung.

Im Consulting gibt es Jobs, Jobs, Jobs

Ingenieurabsolventen, die in diesem Zusammenhang befürchten, dass Wirtschaftswissenschaftler ihnen zu viel betriebswirtschaftliches Fachwissen voraus haben, dürfen sich entspannen. Dr. Engin Beken, Manager bei Arthur D. Little, bestätigt: »Wir sind immer auf der Suche nach neuen Talenten, klugen Köpfen und Persönlichkeiten, die einen hervorragenden Master- oder Diplomabschluss, vorzugsweise in Wirtschaftswissenschaften, Naturwissenschaften oder technischen Studiengängen mit betriebswirtschaftlicher Zusatzqualifikation vorweisen können.« Auch Alexandra Meß, Recruiting Specialist bei Capgemini, kann gute Jobperspektiven für Absolventen aller Fachrichtungen garantieren. Gerade durch das ›Digital Transformation‹-Profil könne Capgemini seine Marktposition kontinuierlich ausbauen und bis zum Endes des Jahres 2016 sogar 160 weitere Berater einstellen, Fachrichtung flexibel.

Ingenieure punkten im Consulting mit Fachwissen

Ihren ökonomisch orientierten Kommilitonen haben Absolventen der Ingenieurwissenschaften zudem eines voraus: ihr spezifisches Fachwissen.

»Ingenieure bringen häufig ausgeprägte analytische Fähigkeiten und praktisches Verständnis mit und haben es gelernt, ›out of the box‹ zu denken«,

so Michael Lierow, Partner bei Oliver Wyman. Grundverständnis für wirtschaftliche Fragestellungen ist natürlich dennoch ein Must-have. Die meisten Beratungen bieten ihren Quereinsteiger ausführliche Seminare und BWL-Crashkurse, bevor die Jungconsultants in den Beratungsalltag entlassen werden. Das hilft Einsteigern nicht nur im Berufsalltag in der Beratung, sondern ist später auch eine wertvolle Zusatzqualifikation für den Lebenslauf.

Diese Softskills brauchst du als Ingenieur im Consulting

Viel wichtiger ist jedoch, dass Absolventen jeder Fachrichtung Engagement und Lernbereitschaft mitbringen. Michael Lierow wünscht sich bei Bewerbern »ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten und Flexibilität, Motivation und Eigeninitiative.« Außerdem gefordert: Auslandserfahrung und interkulturelle Kompetenz. Auch ein Muss ist die Bereitschaft zur Mobilität. Denn ein Consultant arbeitet nicht stationär im Büro, sondern überwiegend beim Kunden vor Ort. Das bedeutet: Montag bis Donnerstag aus dem Koffer leben, Freitag zur Dokumentenablage ins Büro. Arbeitswochen von über 40 Stunden sind in der Branche nach wie vor Usus. Dennoch: die Arbeitsanforderungen der Generation Y sind nicht spurlos an den Beratungsunternehmen vorbeigegangen. Sie begegnen dem neuen Verständnis einer ausgewogenen Work-Life-Balance mit Teilzeit- und Homeoffice-Modellen. Vermehrt werden zudem Sabbaticals angeboten und auch wahrgenommen. Hervorragende Einsteiger erhalten zudem die Option auf die Förderung eines weitergehenden Studiums, wie eines Masters oder einer Promotion.

Gute Noten, praktische Erfahrung und vor allem Persönlichkeit: Das brauchen Ingenieure für die Karriere im Consulting

Entsprechend der Förderungsmöglichkeiten und Einstiegsgehälter sind jedoch auch die Anforderungen an Absolventen: Ein überdurchschnittlicher Studienabschluss, bestenfalls in der Regelzeit, wird gerne gesehen.

»Die Abschlussnote eines Absolventen ist ein wichtiges Kriterium, um die Bewerbung bewerten zu können«,

bestätigt Dr. Engin Beken, Manager bei Arthur D. Little. Dennoch sind gute Noten nicht alles. »Wir achten auf das Gesamtbild und legen ebenfalls viel Wert auf praktische Erfahrungen, die während des Studiums gemacht werden», so der promovierte Maschinenbauer weiter. Consultingunternehmen bevorzugen Kandidaten mit einem spannenden Profil und Persönlichkeit. Wer ein Auslandssemester absolviert, sich ehrenamtlich engagiert, Freiwilligendienst geleistet oder sich sein Studium selbst finanziert hat, kann damit punkten. Absolventen, die zudem eine erfolgsorientierte, teamfähige und gleichzeitig bodenständige Persönlichkeit mitbringen und einschlägige Praktika in der Industrie vorweisen können, haben gute Chancen auf einen Zuschlag.


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