gelbes Robotermännchen
erik_stein / pixabay

Einblicke in Leben, Arbeiten und Industrie 4.0

4.0 wird Standard - Wie die Digitalisierung unser Leben verändert

Chancen

Flexibilität 

Durch eine stärkere Vernetzung von Produkten und Maschinen steigt die Effizienz, Kosten sinken und Ressourcen werden gespart. Außerdem behalten Unternehmen durch Monitoring und transparente Abläufe jederzeit den Überblick und können so flexibel und schnell auf Veränderungen am Markt reagieren und auf individuelle Kundenwünsche eingehen. Aber Digitalisierung und Arbeiten 4.0 bringt nicht nur auf Unternehmensseite eine höhere Flexibilität, sondern auch für den Arbeitnehmer: »Mitarbeiter werden unabhängig von einem festen Arbeitsort und -zeiten«, erklärt Prof. Dr. Andreas Moring, Campusleiter der BiTS Unternehmer-Hochschule.

Gleichzeitig sei das aber auch eine Herausforderung, denn Arbeitnehmer müssen in der Lage sein, Arbeit und Freizeit zu trennen, obwohl sie theoretisch immer erreichbar sind. Eine weitere Chance sieht Moring darin, relativ einfach Ideen umzusetzen, zu testen und zu entwickeln, da der Aufwand, um zum Beispiel Prototypen zu entwickeln oder ein Produkt oder einen Service zu testen, viel geringer ist als in der analogen Welt.

Grenzen

Empathie vs. Standard

Standard Szenarien von menschenleeren Fabriken und Pflegerobotern in Altenheimen können beängstigend sein. Aber wie wahrscheinlich sind sie? Es gebe durchaus Bereiche, in denen immer weniger Menschen arbeiten – überflüssig sind sie deshalb aber nicht. »Das betrifft alle Prozesse, die sich standardisieren lassen – von der Produktion über medizinische Diagnosen bis hin zu Jahresabschlüssen der Wirtschaftsprüfer. Gleichzeitig wird aber der Kundenservice-Bereich und die technische Weiterentwicklung wichtiger, hier werden mehr Menschen gebraucht«, prophezeit Moring.

Alles, was also mit Kreativität, Empathie und Innovation zu tun hat, können Maschinen nicht übernehmen, dafür braucht es Menschen. Das heißt, in einem Altenheim können durchaus Roboter zum Einsatz kommen, aber eben nur für standardisierte Vorgänge wie Geschirr spülen oder Putzen. Der Kontakt zu den Menschen und die Kommunikation wird immer Pflegern vorbehalten sein.

Anforderungen

Methodenwissen

Der Stellenwert von Fachwissen wird kleiner, dagegen werden Methodenwissen und soziale Kompetenzen immer mehr an Bedeutung gewinnen, so Prof. Moring. Diese sind nicht einfach so zu erlernen, sondern müssen durch Erfahrung angeeignet werden. »Hohe Anforderungen an die persönliche Reife, Projektmanagementerfahrung und Entscheidungsfähigkeit werden also schon beim Berufseinstieg verlangt«, sagt Moring.

Daher sollten Studenten bereits früh viel Praxiserfahrung, entweder durch Praktika, Werkstudententätigkeit oder eigene Projekte sammeln. Methodenwissen wie zum Beispiel über agile Methoden oder Organisationsfähigkeit wird nicht in jedem Studium vermittelt, sondern vor allem Geisteswissenschaftler oder Juristen müssen sich dieses selbst beibringen. In technischen Studiengängen finden Inhalte zu Projektmanagement und Methodenwissen öfter statt. Der Studiengang ›Digital Business & Data Science‹ an der BiTS Hochschule integriert diese Inhalte beispielsweise neben klassischen Managementfächern und technischen Vorlesungen. »Diese Skills werden in Zukunft nicht mehr nur von technischen Absolventen gefordert, sondern auch von Sozial- oder Geisteswissenschaftlern «, erklärt Moring.

Herausforderungen

IT-Sicherheit

Digitalisierung und Vernetzung bringen durchaus auch Herausforderungen und Gefahren mit sich. IT-Sicherheit wird beispielsweise immer wichtiger, um Hackerangriffe auf sensible Infrastrukturen wie die Energieversorgung oder Patientendaten zu verhindern und persönliche Daten zu schützen.

Interdisziplinarität

Du denkst als Geisti betrifft dich die Digitalisierung nicht? Weit gefehlt, weiß Prof. Moring: »Soziologen oder Politikwissenschaftler müssen schon jetzt – und in Zukunft noch viel mehr – Kompetenzen mitbringen, um Daten zu analysieren und mit großen Datenbeständen umzugehen.« Auch mit dem Bereich digitale Kommunikation hätten viele Geistis zu tun, denn wer in Zeiten von Fake News keine Ahnung habe, wie digitale Kommunikation funktioniert, habe schlechte Karten. »Mit den Theorien von Max Weber kommt man im 21. Jahrhundert nicht mehr so weit«, so Moring. Absolventen nicht-technischer Studiengänge bräuchten hierfür nicht die technische Kompetenz, um zu verstehen, wie jede einzelne Technologie funktioniert, aber die Anwendungskompetenz verschiedener Tools und Oberflächen sei wichtig. Eine gewisse Neugier und Technikaffinität sei unabdingbar.

Fachkräftemangel

Die Anforderungen an Nachwuchskräfte steigen: Skills, die bisher nur von Führungskräften erwartet werden, zählen heute schon beim Berufseinstieg, so Prof. Moring. Außerdem sei es wichtig, sich nicht nur auf das Fach, welches studiert wird, zu konzentrieren, sondern das große Ganze im Blick zu haben. Die Suche nach geeignetem Personal wird dadurch immer schwieriger.


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