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Mobilität: Innovativ & ideenreich

Diese Mobilitätskonzepte erwarten uns künftig

Highspeed-Kapsel

In 30 Minuten von Berlin nach München – der Hyperloop soll das ermöglichen. Seit 2015 arbeiten Studenten der Technischen Universität München an dem Fort­bewegungsmittel mit Höchstgeschwindigkeit. Ins Leben gerufen wurde die Idee von Tesla-Gründer Elon Musk, der jedes Jahr zu einem internationalen Wettbewerb aufruft, bei dem Prototypen vorgestellt werden können. Dreimal in Folge konnte das Team der TU München das Rennen für sich entscheiden: Im letzten Jahr raste ihr ­Hyperloop mit 467 Stundenkilometern durch die Teströhre in Los Angeles. Der vierte Prototyp soll das noch toppen und auf bis zu 600 Stundenkilometer beschleunigen. Wie das funktioniert? In den Röhren herrschen vakuumähnliche Luftverhältnisse, wodurch der Widerstand sinkt und hohe Geschwindigkeiten möglich sind. Die ­Hyperloops sollen in gut 20 Jahren erst einmal im Güter- und später auch im Personentransport eingesetzt werden. Neben der enorm verkürzten Fahrzeit bietet die Highspeed-Kapsel einen weiteren Vorteil: Sie könnte klimaschädliche Kurzstreckenflüge auf Dauer ersetzen.

Ideenschmiede

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert mit dem Modernitätsfond datenbasierte Innovationen für die ­Mobilität 4.0. Derzeit unterstützt es 165 Projekte mit insgesamt 150 Millionen Euro. Über dieses Förderprogramm entstehen nicht nur moderne, digitale Mobilitätskonzepte, sondern es werden auch prototypische Demonstratoren entwickelt. Die Forschungsansätze erstrecken sich von Logistik­ansätzen, die von Künstlicher Intelligenz gestützt werden, bis zur drohnenbasierten Bestandsaufnahme von Brücken. Dabei spielen der technische Zugriff auf Daten, der Datenschutz sowie die Heterogenität von Formaten und Software eine wesentliche Rolle. Da sich der Mobilitätsmarkt rasant verändert, müssen neue Konzepte kompatibel zu den bestehenden sein und sich flexibel an neue Anforderungen anpassen.

Selbstfahrende Schiffe

Ein Mobilitätssektor, der wegen seiner Umweltbelastung besonders in der Kritik steht, ist die Schifffahrt. Schon jetzt gibt es Konzepte, die für einen ›grüneren‹ Transport auf dem Wasser sorgen sollen: Schiffe mit Elektromotoren, die mit gespeicherter Wind-, Wasser- und Solarkraft angetrieben werden. Doch die Transportwege sind oft zu lang, weshalb größere Kähne bisher noch oft mit Hybridsystemen unterwegs sind. Das soll sich nächstes Jahr ändern: 2020 soll das erste Containerschiff in See stechen, dass vollautonom und mit rein elektrischem Antrieb fährt. Es soll für rund 100 Container Platz bieten, circa 18,5 Kilometer pro Stunde zurücklegen und eine Reichweite von 120 Kilometern haben. Auftraggeber für die Konstruktion des Schiffes ist der norwegische Düngemittelhersteller Yara, der dadurch den Transport durch dieselbetriebene Lkw ersetzen will. Der Strom für die Motoren kommt aus einem Akku, der an Land wieder geladen werden kann. Der Frachter kommt nicht nur ohne Emissionen, sondern sogar ohne Fahrer aus – der Kapitän steuert das Schiff in einem Kontrollzentrum an Land.

Teilen statt besitzen

Um komplett mobil zu sein, braucht jedes Familien­mitglied ein eigenes Auto? Falsch, sagt Thomas Stein, der am Deutschen Institut für ­Urbanistik im Forschungsbereich Mobilität tätig ist. Laut ihm sollten in Zukunft bestehende Fahrzeuge effizienter genutzt werden. Stichwort: Multimodalität. Stein erklärt: »Dabei steht weniger der Besitz eines Fahrzeugs, sondern die Verfügbarkeit eines situativ passgenauen Mobilitätsmittels im Mittelpunkt. Je nach Bedarf wird über eine App ein Leihrad für den Weg zum Sport gemietet, ein Kastenwagen für den Baumarkt reserviert oder ein ­Ticket für die U-Bahn gelöst.« Um auch die ländlicheren Regionen unabhängiger vom eigenen Pkw zu machen, müssen flexible Mobilitätsangebote zudem auch in suburbanen Räumen verfügbar sein.

Senkrechtstarter

Dass Drohnen künftig als fliegende Taxis fungieren sollen, ist aktuell in aller Munde. Der Volocopter ist die bereits ausgereifte Variante: Es handelt sich dabei um einen ­senkrechtstartenden, vollelektrischen Multikopter, dessen technische Plattform dank seiner enormen Flexibilität den ferngesteuerten und vollautonomen Flugbetrieb zulässt.  Bereits 2011 begeisterte das Unternehmen mit dem Flug des weltweit ersten, rein elektrischen Multikopters. »Wir wollen Urban Air Mobility als Ergänzung zum Nahverkehr in Megastädten anbieten. Konkret heißt das, Leuten Zeit zu sparen, indem wir sie per On-Demand-Flugtaxi direkt an ihr Ziel in den Städten fliegen«, erzählt Alex Zosel, Gründer von Volocopter. »Die größten Hürden sind aus dem Weg. Ein großer Meilenstein war zuletzt die Veröffentlichung der SC-VTOL der Europäischen Agentur für Flugsicherheit.« Das ist die Grundlage dafür, dass Flugtaxis für den kommerziellen Einsatz zugelassen werden. Dafür muss Volocopter die höchsten Sicherheitsvoraussetzungen erfüllen. »Jetzt heißt es ranklotzen und testen, damit wir sobald wie möglich die ersten Routen eröffnen können.« Und das soll schon bald geschehen: in den nächsten zweieinhalb Jahren.


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