Warum Datensicherheit im vernetzten Fahrzeug besonders wichtig ist

Expertentalk zur Datensicherheit im Zeitalter von Connected Cars. Außerdem: Aufgaben und Tipps zum Berufseinstieg im Bereich Car-IT

Foto: Marcus Höhn

Herr Dr. Damasky, warum ist Datensicherheit im Hinblick auf die Fahrzeuge der Zukunft besonders wichtig?

Die deutsche Automobilindustrie treibt die Entwicklung von vernetzten Fahrzeugen mit großem Engagement voran, um Sicherheit, Komfort und Umweltfreundlichkeit der Fahrzeuge weiter zu verbessern. Doch das Auto ist kein Smartphone: Fahrzeuge benötigen viel höhere Sicherheitsstandards als Tablets oder Handys. Der Schutz des Kunden und seiner Daten ist im Fahrzeug von ganz besonderer Bedeutung. Auf der einen Seite werden durch die Konnektivität von Fahrzeugen neue Anwendungen für den Kunden ermöglicht, auf der anderen Seite könnte diese Entwicklung das Fahrzeug auch verwundbar gegenüber Cyberattacken machen. Daher haben Integrität und Sicherheit des Fahrzeugs und Fahrers oberste Priorität und müssen jederzeit garantiert sein.

Wie wird dieser Schutz gewährleistet?

Die deutsche Automobilindustrie hat die Anforderungen an die Fahrzeugsicherheit erkannt und investiert entsprechend in die Absicherung ihrer Produkte, um den Schutzanforderungen gerecht zu werden. Zur Sicherstellung eines Security-Schutzniveaus neuer Produkte wird ein einheitliches methodisches Vorgehen bei der Entwicklung von Fahrzeugsystemen sowie deren Vernetzung beschrieben und in der Industrie angewandt.

Warum haben die Mitgliedsunternehmen des VDA ergänzend zu den bestehenden deutschen gesetzlichen Regelungen gemeinsame Datenschutzprinzipien für vernetzte Fahrzeuge erarbeitet?

Die Digitalisierung des Autos und die damit verbundenen Möglichkeiten für Services erfordern den Schutz der persönlichen Daten der Fahrzeugnutzer. Die deutsche Automobilindustrie ist sich dessen bewusst. Der VDA hat bereits 2014 mit seinen Mitgliedern eine Datenschutzerklärung zu den Prinzipien Transparenz, Selbstbestimmung und Sicherheit von Daten im vernetzten Fahrzeug erarbeitet. 2016 haben wir diese Thematik in einer gemeinsamen Erklärung mit den Datenschutzaufsichtsbehörden vertieft. In diesen Erklärungen bekräftigen die VDA-Mitgliedsunternehmen, dass sie zum Schutz der im Fahrzeug erzeugten Daten technische und organisatorische Maßnahmen umsetzen. Dieser Vorschlag berücksichtigt übrigens bereits die neue europäische Datenschutzgrundverordnung, die am 25. Mai 2018 in Kraft tritt. Die Automobilunternehmen entwickeln technische Lösungen, die den Datenzugriff für bestimmte Personenkreise und Anwendungen erlauben und andere ausschließen.

Was ist die Grundidee hinter diesen Datenschutzprinzipien?

Ziel ist es, Plattformen zum Austausch von im Fahrzeug generierten Daten zu schaffen, die analog zu den bereits existierenden Plattformen zum Datenaustausch für Geräte wie Tablets und Smartphones dem Kunden eine Wahlmöglichkeit bieten und freien Wettbewerb ermöglichen. Aus datenschutzrechtlicher Sicht werden nur Services betrachtet, die den Endverbraucher ansprechen. Dabei werden sowohl die Datenschutzrechte der Kunden als auch die Datenschutzgesetzgebung berücksichtigt.

Einleuchtend. Und welche Aufgaben haben Ingenieure im Hinblick auf Datenschutz in vernetzten Fahrzeugen?

Informations- und Kommunikationssysteme im Fahrzeug und die Vernetzung der Verkehrsträger mit dem Straßenverkehr und der Infrastruktur sind ein Schlüsselthema für die Automobilindustrie. Das hat auch Auswirkung auf die Anforderungen an die Ingenieure. Im Bereich Datenschutz sind sie zusätzlich zu ihren klassischen Aufgaben mit unterschiedlichsten Themen konfrontiert: Sie müssen die Anforderungen des Datenschutzrechts im Automotive-Bereich verstehen, datenschutzkonforme Dienste entwickeln, die Verantwortlichkeiten im vernetzten Automobil bewerten und künftige datenschutzrechtliche Entwicklungen im Auge behalten.

Haben Sie zum Abschluss noch einen Tipp für unsere Leser: Welche Skills sollten sie mitbringen, wenn sie beruflich in diesen Bereich einsteigen wollen?

Zusätzlich zur soliden fachlichen Ausbildung sind Flexibilität, Weltoffenheit, sehr gute Englisch- und gern auch weitere Fremdsprachenkenntnisse gefragt. Dazu kommt die Bereitschaft, immer neue Aufgaben zu übernehmen. Und junge Mitarbeiter sollten natürlich auch Leidenschaft für die Automobilindustrie mitbringen.

  • Dr. Joachim Damasky ist Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Als VDA-Geschäftsführer für Technik und Umwelt ist Dr. Damasky herstellergruppenübergreifend unter anderem zuständig für die Themen Technik, Sicherheit, Umweltschutz, Forschung, Qualitätsmanagement, Elektromobilität sowie das Vernetzte und Automatisierte Fahren. Er vertritt die VDA-Interessen in verschiedenen Gremien, beispielsweise DIN, ISO und TÜV.

Anzeige

Anzeige