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Wie KI den Ingenieurberuf revolutioniert

Der Informatiker coded am Projekt X und die Ingenieurin konstruiert Maschine Y? Das war einmal! Heute verschmelzen die Grenzen der Informationstechnik und des Maschinenbaus immer häufiger.

Ingenieur*innen kommen an fast allen Stellen ihres Berufsalltags mit Künstlicher Intelligenz in Berührung. Ein berühmtes Beispiel ist das Autonome Fahren, doch auch im klassischen Maschinenbau, in der Medizintechnik oder im Bauingenieurwesen ist die Arbeit mit Künstlicher Intelligenz Alltag geworden.

Reinhard Weber, Leiter im Geschäftsfeld IT bei Ferchau, berichtet: »Für  klassische Ingenieur*innen von heute, die Produkte oder Dienstleistungen entwickeln, ergeben sich durch die Anwendung von KI große Potenziale – nicht nur, um ihren Kund*innen Effizienzsteigerungen zu ermöglichen, sondern auch, um ganz neue Produkte zu realisieren.« Dafür gibt er folgendes Beispiel: »Ein typischer Anwendungsfall im Maschinenbau ist die Verwendung von Predictive Maintainance, wodurch zum Beispiel ein Aufzug oder eine Maschine eigenständig ihre Restlebensdauer oder den Zeitpunkt der Wartung bestimmt«, so Weber. Dagmar Dirzus vom Verband Deutscher Ingenieure betont in diesem Zusammenhang, dass es darum ginge, einen Mehrwert für den*die Kund*in zu bieten. Durch Smart Services wie diese kann auch noch nach Verkauf der Maschine Geld mit ihr verdient werden.

Von Vorne bis Hinten 

Doch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz beginnt bereits, bevor ein Produkt seine Fertigungsstätte verlässt, so wird es erst virtuell getestet und verbessert. Hier greifen Ingenieur*innen auf große Datenmengen zurück, deren Auswertung ohne die Hilfe von KI unmöglich wäre. Ist das Produkt im Einsatz, werden Echtdaten verwendet, um wiederum Modelle der nächsten Produktgeneration zu verbessern. »Das Themenfeld Künstliche Intelligenz wird den Ingenieurberuf in den nächsten zehn Jahren stärker verändern, als wir es in den letzten beiden Jahrzehnten mit dem Computer und Internet erlebt haben«, ist sich Henning Reich sicher, der als Informatiker bei Siemens arbeitet. Deswegen ist es wichtig, sich als Ingenieur*in schon heute mit KI und deren Anwendungsfeldern zu beschäftigen und entsprechende Kenntnisse zu erwerben.

Lebenslang und Gemeinsam

»Die Herausforderung wird es sein, kontinuierlich zu lernen und sich die Frage zu stellen: Kann diese Aufgabe, die ich bisher selbst gelöst habe, morgen von einem Computer mit KI besser, kostengünstiger oder schneller erledigt werden?«, so Reich. Wie wichtig lebenslanges Lernen in diesem Zusammenhang ist, betont auch Dirzus: »Ich muss mich in meinem eigenen Fachgebiet up to date halten, ich muss auf dem neuesten Stand bleiben, was die neuen Methodiken aus dem IT-Bereich bedeuten, ich muss geschäftsmodellmäßig denken können und als Viertes: Ich muss kooperationsfähig sein. Sonst ist man schnell abgehängt.« Ohne die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams mit IT-Expert*innen seien die geforderten komplexen Abläufe nämlich nicht zu bewältigen.

Das sieht Kevin Kurzenberger, der bei Dürr im Bereich Data Science tätig ist, ähnlich: »Zunächst müssen Ingenieur*innen den Prozess als solchen verstehen und sich mit Experten aus dem jeweiligen Gebiet abstimmen.« Von Ingenieur*innen wird daher ein Grundverständnis gefordert, was die Künstliche Intelligenz tut, wo sie verbaut ist, ob sie sich von selbst optimiert und auf welcher Basis. »Dann geht es darum, das vorliegende Problem richtig einzuordnen, ein passendes Machine-Learning-Modell zu wählen, die entsprechenden Features zu testen und zum Schluss die Qualität zu validieren«, erklärt Kurzenberger. Außerdem seien analytisches Denken und Kenntnisse im Programmieren und mit Datenbanken weitere Kompetenzen, die von angehenden Ingenieur*innen erwartet werden. 

Die Zukunft ist Jetzt

Zukünftig wird der Arbeitsalltag für Ingenieur*innen also aus einer immer stärkeren Zusammenarbeit von Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik bestehen. So sind sie nicht nur gefordert, zumindest ein informationstechnisches Grundverständnis mitzubringen, sondern dieses auch mit Expert*innen in diesem Bereich zu kommunizieren. Genau an dieser Schnittstelle sitzen die Ingenieur*innen der Zukunft – oder eher gesagt der Gegenwart!


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