Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist Sprecher und Direktor am Center for Automotive Research der Universität Duisburg-Essen. privat

Zukunftsstarke Automobilbranche

Trends & Entwicklungen: Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer gibt einen Einblick in die Automobilbranche

Herr Dudenhöffer, welche Trends prägen die Automobilbranche aktuell?

In der Politik der Vereinigten Staaten von Amerika spiegeln sich viele konjunkturelle Unsicherheiten. Das ist temporär, tut weh und wird die Bedeutung Chinas im weltweiten Autogeschäft weiter stärken. Die großen Innovationen wie elektrische Autos, Autonomes Fahren, Mobility Services und Connectivity werden in Zukunft immer mehr von China geprägt. Dort entsteht um die Großstadt Shenzhen das neue Silicon Valley. China wird meiner Meinung nach Technologieführer – Konzerne wie Huawei zeigen bereits heute ihre Innovationsstärke.

Wie wirken sich diese Entwicklungen auf die Arbeit von ­Ingenieuren aus?

Sie sollten sich für die Thematik rund um China interessieren. Außerdem spielt die Digitalisierung, also die Software sowie die Vernetzung von Produkten und Wertschöpfungsketten eine große Rolle. Da ist der Übergang zur Künstlichen Intelligenz nur noch ein kleiner Schritt. Daneben sind Energiespeicher und -übertragungen ein großes Thema, bei dem wir auf das Wissen und die Forschung der MINT-Disziplinen angewiesen sind.
Welche speziellen Bereiche der Automobilindustrie brauchen ­besonders Verstärkung?
Die Elektromobilität sowie das Thermomanagement. ­Außerdem natürlich das große Feld der Digitalisierung, Softwareentwicklung und Vernetzung. Elektrotechnik, Elektrochemie, Informatik und Rechnerentwicklungen sind die Schlüsselbereiche, wenn es um Innovationen geht.

Worauf müssen Bewerber bei der Arbeitgeberwahl achten?

Berufseinsteiger wollen Ziele erreichen. Ein Arbeitgeber, der keine Entwicklungs- und Entfaltungschancen aufzeigt, ist out. Wichtig sind außerdem das Arbeitsumfeld, das Team und die Möglichkeit, unverkrampft und kreativ arbeiten zu können.

Inwiefern spielt Praxiserfahrung eine Rolle für eine erfolgreiche Bewerbung?

Nach meiner Einschätzung eine sehr große Rolle. Wer in der Industrie arbeitet, sollte wissen, wie sie funktioniert. Wer die Branche kennt, ist schneller mit Lösungsansätzen erfolgreich. Wer nur den Lehrbetrieb von Hochschulen gewohnt ist, hat einen Teil der Realität nicht im Blick.

Wie stabil schätzen Sie den Arbeitsmarkt in der Automobil­branche in Zukunft ein?

Es ist eine der wichtigsten Branchen,  die durch Innovationen getrieben wird – nicht nur im Fahrzeug, sondern auch bei Mobility Services. In Zukunft werden wir eher von ­Mobilitätsanbietern als von Autobauern sprechen. Das zeigt: Die Branche hat hohes Zukunfts- und Wachstumspozential, setzt Emotionen frei, ist spannend, international und herausfordernd – was will ein junger Mensch mehr?

Was raten Sie Absolventen, die kurz vor dem Einstieg in die Automobilindustrie stehen?

Sie sollten sich natürlich für Mobilität interessieren und Neugierde auf Innovationen mitbringen. Nur wer die ­Produkte versteht, versteht auch die Branche. Wenn jemand kein Interesse am Produkt hat, sollte er die Finger von der ­Autoindustrie lassen. Außerdem sollten Absolventen ein Unternehmen wählen, das im internationalen Umfeld agiert.


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