Auto Autonom Rückspiegel Arm
Bildquelle: Anfisa Eremina/Pexels

Drive my Car

In Deutschland wird die Entwicklung für Autonomes Fahren einfacher. Was heißt das für den Arbeitsmarkt?

Steigen wir bald alle in Busse und U-Bahnen ein, auf denen der Fahrersitz frei bleibt, so wie es in mittlerweile 40 deutschen Städten getestet wird? Dafür stehen die Zeichen seit neuestem besonders gut.

Deutschland soll ein Vorreiterland im Bereich des fahrerlosen Fahrens werden. Im Februar 2021 hat die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, der vollautomatisiertes Fahren nach Level 4 der SAE-Skala  (siehe rechter Kasten) erlauben soll. Unter diesen Bedingungen wäre Deutschland der erste Staat, der diese Möglichkeiten im Regelbetrieb des Straßenverkehrs sowie im gesamten nationalen Geltungsbereich erlaubt. Dieses schnelle Wachstum der Möglichkeiten macht sich natürlich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar.

 

Der Wille ist da

»Der technische Fortschritt erlaubt schon heute hohe Automatisierungsgrade«. Das meint der Jahresbericht 2020 des Verbandes der Automobilindustrie. Gerade im technischen Bereich der autonomen Parksysteme sieht der VDA realistische nächste Schritte auf dem Weg zum vollautomatisierten Fahren. Das sogenannte Automated Valet Parking (AVP) ist auch unter den Bedingungen des Levels 4 schon möglich und könnte bald im Alltag zum Einsatz kommen. Auch in der Forschung sieht man in der Schaffung dieser Bedingungen neue Möglichkeiten für den Arbeitsmarkt.
»Mit der Änderungsgeschwindigkeit beim Verkehrsgesetz und bei den Zulassungsrichtlinien zeigen die Koalitionsparteien den klaren politischen Willen, autonome Fahrzeuge in Deutschland als Leitmarkt in Serie zu bringen«, sagt Prof. Markus Maurer von der Technischen Universität Braunschweig, »Die Botschaft lautet: ›Der politische Wille ist da, jetzt können die Firmen zeigen, was sie können.‹«

 

Steuerlos auf dem Arbeitsmarkt?

Mag das Fundament neuer technischer Standards auch gegossen sein, ein stabiles Haus
ist dort noch nicht errichtet. Der Fachkräfte-mangel in allen MINT-Berufen ist noch immer spürbar. Das geht aus Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) hervor. Auch durch die baldige Verrentung der Baby-Boomer-Generation wird die Nachfrage nach Fachkräften in den nächsten Jahren vor allem im elektrischen und autonomen Sektor immer größer werden.

»In diesem Jahr hat sich die Situation für Absolvent*innen am Arbeitsmarkt spürbar gebessert. Bei den Arbeitgebern der Autobranche sind Kompetenzen in den Gebieten vernetzte Informationssystem und autonome Systeme äußerst gefragt. In diese Bereiche wird intensiv investiert.«, stellt Prof. Florian Lang von der Hochschule Konstanz fest.

Lohnt es sich also, sein Studium in Richtung ›Fahrerlos‹ zu lenken? Die Uni-Landschaft passt sich auf jeden Fall an die aktuellen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes an, wofür der neue Studiengang »Autonomes Fahren« der Hochschule Coburg ein gutes Beispiel ist. Alisa Lindner, Prof. Lucila Patino Studencki und Prof. Georg Arbeiter gehören zum Team des Lehrstuhls und erkennen die Zeichen der Zeit: »Alle großen Automobilhersteller und -zulieferer entwickeln an diesem Thema und sind insbesondere auf software-affinen Nachwuchs angewiesen, um die komplexen Herausforderungen im Bereich des autonomen Fahrens zu meistern.«

 

Was brauch ich denn dafür?

»Aus unserer Sicht ist es besonders entscheidend, dass Berufseinsteiger*innen bereits die Fähigkeit mitbringen, sich in der heutigen volatilen Welt zurecht zu finden. ›Nichts ist beständiger als der Wandel‹ – das gilt auch für die Automobilindustrie.«, so die Meinung der Coburger Forscher. Markus Maurer sieht außerdem ein großes Potential in der »Offenheit und Fähigkeit, auch mit Juristen oder Ethikern zusammenzuarbeiten«, was eine sehr geschätzte Zusatzqualifikation sei.

In einer Hinsicht sind sich jedoch alle Expert*innen einig: die Weichen der Zukunft für die Autoindustrie stehen auf Automation.


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