Flugzeugspur
Foto: Joel & Jasmin Førestbird/ Unsplash

Effizienter Fliegen

Sechs Zulieferer der Luft- und Raumfahrttechnik verraten ihre neuesten Innovationen

DIE ADDITIVE (R)EVOLUTION 

Additive Manufacturing (AM) ermöglicht eine völlig neue Konzeption von Motorteilen und -systemen. Von der Reduzierung der Bauteile über leichtere Strukturen bis hin zu neuen Materialanwendungen schreibt AM die Geschichte der Luftfahrt von morgen. Um Teil dieser Geschichte zu sein, müssen Flugzeugbauer und -zulieferer neue Konzepte, etwa für das Motorsystem und die Leistung sowie die Funktionsintegration des Moduldesigns, entwickeln. »Das Clean Sky2-Framework war für Avio Aero ein einzigartiges Mittel, um wichtige Technologieelemente von AM zu entwickeln«, erklärt Enrico Casale, Sub-Section Manager Emerging Technologies bei Avio Aero. »AM-Komponenten werden mit zunehmender Komplexität und Funktionsintegration entwickelt.«

KUNSTSTOFF STATT METALL

Immer mehr Zulieferer setzen bei der Herstellung ihrer Bauteile auf Kunststoffe. Nicht nur in der Kabine werden Teile wie Sitzverkleidungen, Spiegel, Beleuchtungselemente und Over-head-Fächer aus Kunststoff gefertigt, sondern auch tragende Strukturelemente können mittlerweile damit ersetzt werden. Ein Vorteil von Plastik ist sein im Vergleich zu Metall niedriges Gewicht. Der Hauptgrund ist aber, dass Kunststoff sich vor allem auf Kostenseite positiv bemerkbar macht: Bauteile aus Plastik sind deutlich wartungsärmer, weil sie nicht so oft geschmiert werden müssen wie Metallteile.

OPTIMIERUNG DER KOMMUNIKATION

Als Projektmanagerin bei OHB koordiniert Anna Chrobry die Weiterentwicklung und Industrialisierung der SmallGEO Platform Product Line. Durch diese können neue Kommunikationstechnologien erforscht und getestet werden. »Ich bin für alle Phasen des Managements dieses Projekts verantwortlich, etwa für das Verfassen von Vorschlägen und die Vertragsverhandlung mit der Europäischen Weltraumorganisation«, berichtet Chrobry. An ihrer Arbeit schätzt sie am meisten die interdisziplinären und multinationalen Teams. »Ich lerne gerne neue Themen im Zusammenhang mit Satelliten kennen, die sehr komplex sind und Kenntnisse aus Bereichen erfordern, die nicht meine Spezialität sind.«

EFFIZIENTER FLIEGEN

Stefan Pufe leitet als Director Research & Technology bei Liebherr-4Aerospace ein Team von Ingenieuren und Entwicklern, das gemeinsam mit zwei weiteren Projektteams einer neuen Dimension des Fliegens auf der Spur ist: dem More Electric Aircraft (MEA). Das Ziel: Fliegen in Zukunft leichter, effizienter und umweltverträglicher zu gestalten. Mit deutlich weniger Leitungen, Antriebswellen und Verkabelungen. Pufe erklärt: »Die Idee des MEA ist es, auf nur eine Energiequelle, die Elektrizität, zu reduzieren. Dadurch wird die Flugzeugarchitektur vereinfacht, der Energieverbrauch gesenkt und Einbaugewicht gespart.« Im besonderen Blickfeld sind dabei die sogenannten Aktuatoren. Das sind Geräte, die zentral generierte hydraulische Energie in mechanische Bewegung umwandeln.

MEHR GEPÄCK ERLAUBT

Wer schon oft am Flughafen verzweifelt ist, weil sein Gepäck zu groß oder schwer war, kann künftig womöglich aufatmen: Der österreichische Luftfahrtzulieferer FACC hat von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit eine ergänzende Musterzulassung für größere Gepäckfächer in Flugzeugen von Airbus erhalten. Damit kann das Unternehmen die neuartigen Fächer in Jets der A320-Familie einbauen. Der erste Kunde, der den erweiterten Stauraum für sich beanspruchen will, ist Austrian Airlines.

ZEIT UND KOSTEN SPAREN

»Wir sind dabei, die analoge Welt mit der digitalen zu verknüpfen«, erzählt Falk Hinderberger, Digital Transformation Manager bei der MTU Aero Engines. Eines der Projekte, in die er aktuell involviert ist: die Ersatzteilbedarfe präziser vorauszusagen. Dies ist relevant, weil die komplexen und aus High-End-Materialien bestehen6den Triebwerkskomponenten sehr teuer und die Beschaffungsketten lang sind. »Mit dem Einsatz von moderner Datenanalyse und Big-Data-Technologien können wir die Kollegen aus der Ersatzteilbedarfsplanung zunehmend mit aus Daten gewonnen Erkenntnissen unterstützen und somit Entscheidungen transparenter gestalten«, so Hinderberger.


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