Tagebuch der Formula Student Germany 2014

Die richtige Formel gefunden: Auch die neunte Ausgabe der Formula Student Germany (FSG) lebte vom Enthusiasmus und Ideenreichtum der Teilnehmer. Ein Tagebuch der FSG 2014

Die FSG 2014 als fünf Minuten-Clip

Foto: FSG/Botzkowski
Formula Student Germany, Rennwagen
Dienstag, 29. Juli 2014

Graue Wolken verhängen den Himmel, die Luft ist, sagen wir: erfrischend und es könnte jeden Moment wieder anfangen zu regnen. Kein Wetter also, bei dem man unbedingt zelten möchte. Und trotzdem ist der Campingplatz am Hockenheimring gut besetzt, vollgestopft gar mit großen und kleinen Zelten, denn die Formula Student Germany 2014 (FSG) geht wieder an den Start, und irgendwo müssen die 115 Teams aus 25 Ländern ja unterkommen. Die Vorfreude auf den Konstruktionswettbewerb, der sich in die zwei Klassen Formula Student Combustion (FSC, Verbrennungsmotoren) und Formula Student Electric (FSE, Elektroantrieb) teilt, kann sowieso nichts trüben, und so genießen die Teilnehmer noch die Ruhe vor dem Sturm, der in der Nacht zum Mittwoch tatsächlich über sie hinwegfegen wird. Vor und in den Boxen, wo in den nächsten Tagen reges Gewusel herrschen wird, sind die Teams damit beschäftigt, ihre Werkstätten einzurichten oder Boliden auszupacken. Bevor der Wettbewerb in die Vollen geht und die Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen zur Technischen Abnahme müssen, nutzen wir die Gelegenheit, um mit drei Experten zu sprechen, den Scrutineers, deren kritische Überprüfung alle Fahrzeuge über sich ergehen lassen müssen.

Natürlich liegt die Frage nahe, ob denn manche Teams versuchen, sich durchzumogeln. Wolfgang Pohl, im ›normalen‹ Leben Elektroniker bei Dekra, testet die Elektro-Fahrzeuge der Formula Student Electric: »Beim E-Scrutineering ist die Entscheidung, ob ein Fahrzeug zum Wettbewerb zugelassen wird, ganz einfach: Das Sicherheitssystem muss ansprechen. Selbst wenn wir beide Augen zudrücken würden, würde spätestens der ›Rain Test‹ die Mängel an den Tag bringen.« Die Scrutineers betonen aber, dass sie bei der Technischen Abnahme natürlich auch Tipps dazu geben, was repariert werden muss. Oft seien sie dann beeindruckt, wenn das Team am nächsten Morgen wieder da stehe und die ganze Nacht damit verbracht habe, das Fahrzeug nachzurüsten. Wolfgang Dammert, Koordinator Motorsport bei Dekra und seit 15 Jahren Technischer Kommissar in der DTM, ist eine Anekdote besonders im Kopf geblieben: »Als das Team aus Moskau das erste Mal an der FSG teilnahm, war ihr Fahrzeug weit davon entfernt, die Technische Abnahme zu bestehen. Selbst Offizielle halfen mit, um die Mängel zu beheben. Da hat man schon ein Herz, denn man weiß, dass das Team von weit her kommt, unerfahren ist und ein Jahr lang Zeit und Arbeit in das Auto gesteckt hat. Am Wettbewerb mitmachen durften sie dann natürlich nicht, das wäre unfair den anderen Teams gegenüber gewesen. Aber sie durften ein paar Runden drehen und hatten ein Erfolgserlebnis.« Und genau das sei enorm wichtig für die Teilnehmer. Wenn das Auto fährt, habe das Team das Gefühl, es gemeinsam hingekriegt zu haben. Dann sei es auch egal, ob sie zehnter oder 15. werden, erklärt Pohl. Ist ihre Arbeit am Tilt Table, beim Wiegen und beim Rain Test erledigt, sind sie begeisterte Zuschauer der dynamischen Disziplinen. Doch bis Sonntag ist noch alles offen: Wird sich eines der Top-Teams an die Spitze setzen oder wird es einen Überraschungs-Gewinner geben?

Tobias Becker, Audi

»Die Studenten lernen bei der Formula Student Germany das richtige Arbeitsleben kennen, mit allen Herausforderungen und Problemen. Dabei treiben sie uns mit ihren Ideen und Innovationen sogar manchmal vor sich her.«

Tobias Becker, Talent Relationship Manager bei der Audi AG

Mittwoch, 30. Juli 2014

Der zweite Morgen der FSG beginnt mit strömendem Regen, die gute Laune der Teilnehmer allerdings hält an. »Die Stimmung ist super, auch wenn ich schon von Teams gehört habe, dass der Schlaf bereits zu kurz kommt«, sagt Vanessa Wünsche, zuständig für das Personalmarketing bei MTU Friedrichshafen. Gerade jetzt nutzen die Studierenden noch die Zeit, um mit Sponsoren zu sprechen, sich über Praktikamöglichkeiten zu informieren und natürlich auch, um Goodies abzuholen. Vom FSG-Quartett bis zu Decke und Kopfkissen können sie sich eindecken, um für die nächsten Tage gerüstet zu sein.

Für die Veranstalter steht inzwischen eine größere, logistische Herausforderung an: das Gruppenfoto. Ein Termin, der natürlich auch bei den Teams für Aufregung sorgt – zum einen, weil es das offizielle Foto der FSG ist, zum anderen aber auch, weil man wieder etwas Wartezeit mitbringen muss und doch so viel zu tun ist. Vor dem Scrutineering hat sich eine lange Schlange gebildet. Manch einer hat es sich auf dem Asphalt gemütlich gemacht und hält zwischen Rennwagen und Werkzeugkasten ein kleines Nickerchen. Hie und da blitzt ein Lächeln auf, wird zum strahlenden Lachen, weil man die technische Abnahme ohne größere Beanstandungen gut über die Bühne gebracht hat. Jernej Kolar, Captain des Teams aus dem slowenischen Maribor, nimmt die Wartezeit gelassen. Er hat es sich im Cockpit des Boliden gemütlich gemacht und sieht nicht so aus, als ob die Pause ungelegen käme. »Wir wollen in die Top Ten«, gibt Kolar als ambitioniertes Ziel aus. Mit dem markanten Aeropaket zählt der Bolide in jedem Fall zu den auffälligsten auf dem Hockenheimring. Das Scrutineering ebenfalls noch vor sich hat das Team CAT-Racing von der Hochschule Coburg. »Am Anfang der Saison war es unser Ziel, mit einem fahrtüchtigen Fahrzeug anzutreten. Wir haben auch drei Elemente an unserem Boliden geändert, unter anderem haben wir mehr auf Aerodynamik gesetzt. Die letzten Jahre sind wir im oberen Mittelfeld mitgefahren, dieses Jahr sind wir vielleicht sogar noch etwas schneller«, zeigt sich Johannes Lehner, CEO von CAT-Racing, zuversichtlich.

Ein besonderes Event hat SKF für den Mittwochnachmittag auf die Beine gestellt. Dieter Gundel, Ingenieur beim Rennstall Ferrari, war als Überraschungsgast für einen Kurzvortrag da. Im Hotel Motodrom berichtete der Physiker, der für die Elektronik der Rennwägen zuständig ist, von seiner Arbeit und dem harten Konkurrenzkampf in der Formel 1. Den rennsportbegeisterten Studierenden nahm er allerdings auch etwas Hoffnung, denn er machte deutlich, dass Ferrari keine Praktika anbietet und der Einstieg in die A-Liga alles andere als einfach ist.

Doris Fischer, Autodesk

»Die Formula Student ist wie eine große Familie – da überrascht es mich nicht, wie schwer es manchen Teilnehmern fällt, sich von ihr und den Teams zu lösen.«

Doris Fischer, Education Program Manager bei Autodesk

Donnerstag, 31. Juli 2014

Unter warmen Sonnenstrahlen herrscht schon  früh am Morgen rege Betriebsamkeit. Anscheinend hatten die Scrutineers am Mittwoch noch die eine oder andere Kleinigkeit zu beanstanden. Man kann es riechen. Über dem Gelände wabert der typische Werkstattduft. Es wird geschweißt und geflext, gebohrt und geschraubt – wenn auch nicht in der Box der Monash University. Seit sechs Wochen touren die Australier bereits durch Europa, aber zum Sightseeing bleibt wenig Zeit. »Wir sind für den Wettkampf hier«, betont Teamchef Edward Hamer. Die Delegation aus Melbourne hat bereits an der Formula Student UK in Silverstone teilgenommen, jetzt freut sie sich auf die FSC in Hockenheim. Es herrscht Zuversicht beim Weltranglistenzweiten, eine Platzierung unter den ersten Drei ist das Ziel. »Wenn wir heimkommen ist Winter, wir haben Jetlag und zwei Wochen Rückstand an der Uni«, sagt Hamer. Da soll die Zeit in Europa nicht ganz erfolglos bleiben. Immerhin: Die technische Abnahme meistern die Australier problemlos.

Ein wenig nacharbeiten muss dagegen Formula UPV, das Team der Universitat Politécnica aus Valencia, das seinen Boliden zusammen mit Studierenden aus Venezuela gebaut hat. Es ist das erste Wettkampfauto aus Valencia überhaupt, ›the beginning of a legend‹, wie die Valencianer auf ihrer Homepage selbstbewusst schreiben, fürs Erste aber wollen sie vor allem lernen. Die Formula Student bewege sich in Spanien noch auf einem recht niedrigen Niveau, berichtet Teamchef Sergio Peña. »Wir wollen es heben und uns als Team weiterentwickeln«, beschreibt Peña die Ziele von Formula UPV. Hockenheim sei da »das perfekte Event«, es sei mithin die Möglichkeit, sich etwas von Top-Teams abzuschauen, Gleichgesinnte aus aller Welt kennenzulernen, Freundschaften zu schließen. »Die Stimmung ist großartig«, schwärmt Peña. Bei aller Konkurrenz helfe man sich doch, wo immer man nur könne – sei es mit Ersatzteilen, oder weil man sich für andere Teams an die Werkbank klemme.

Der oft beschworene Sportsgeist der FSG schimmert aus solchen Aussagen heraus. Wenn von der FSG die Rede ist, dann unweigerlich auch von ihm. Er ist den Veranstaltern sogar so wichtig, dass alljährlich ein ›Sportsmanship Award‹ verliehen wird. Und Unternehmensvertreter loben unisono dieses seltene Talent, das die Teilnehmer der FSG vor Einzelkämpfern mit Ellbogen, aber ohne Teamfähigkeit und Empathie auszeichnet. Und noch etwas macht das Engagement besonders: Es ist handfest. »Was ich sehr schön finde: Hier wird noch alles mit der Hand gemacht«, sagt Joachim Schreiber, Geschäftsbereichsleiter beim Ingenieursdienstleister Brunel. Schreiber ist als Judge in Hockenheim, er bewertet die Cost Analysis der Teams. Vorher schlendert er über das Gelände: »Hier wird richtig geschraubt, richtig gearbeitet. Es macht viel Freude zu sehen, wie die jungen Ingenieure in den Boxen zu Gange sind.«

Freilich drängeln sich nicht alle in den Pits. Andere haben sich ins klimatisierte FSG-Forum zurückgezogen. An ihren Laptops brüten sie über den Präsentationen, die am Donnerstag und Freitag auf sie zukommen. Rein optisch könnte es auch eine Simulation des Autos sein, an der Tazio Boatto und Federico Bertnol aus Padua gerade sitzen. »Aber wir wären reichlich spät dran, wenn wir erst jetzt die Simulationen durchführen würden«, lachen die beiden. Sie bezeichnen die FSG als ›Abenteuer‹, als Ort gelebter Kreativität mit einer gewissen Do-it-Yourself-Attitüde. »Du kannst ein Einserstudent sein, aber bei der Formula Student hilft dir das allein noch lange nicht«, betont Bertnol. Man müsse anpacken, die Theorie in Praxis übersetzen können, in eine schnell und ausdauernd fahrende Praxis gewissermaßen. Und in eine solide durchfinanzierte natürlich: Boatto und Bertnol tüfteln an der Präsentation ihres Business-Plans.

Neben der Kantine (auf dem Speiseplan: diverse Würste, Pommes und Eintopf) präsentieren am Donnerstagnachmittag die Teams der FSE ihre Business-Pläne. So auch ignition Racing von der Fachhochschule Osnabrück, deren Auto in einem grell-grünen Design daherkommt. ›Infected‹ heißt der Bolide, und um ihn herum »wollten wir eine Geschichte erzählen«, berichten Kevin Rode und Fabian Herbort. »Wir sind alle ein wenig infiziert, von der FSG und von E-Autos.« Designstudenten lieferten die Ideen für den außergewöhnlichen Auftritt, bei der Präsentation versuchen die Niedersachsen die Judges ›anzustecken‹. Und während im Zelt über den Boxen Studierende wie Judges über Zahlen schwitzen, absolvieren andere Teams erste Testrunden, gewähren ihren Boliden ein wenig Auslauf. Motoren dröhnen. Es wird minütlich wärmer. Ein schöner Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird.

Formula Student Germany
Freitag, 1. August 2014

Die heiße Phase der FSG 2014 beginnt – und damit ist auch das Wetter gemeint. Irgendwer muss über Nacht Petrus mitgeteilt haben, dass doch wieder FSG ist und entsprechendes Wetter her muss. Siehe da: Auf einmal sind es wieder 30 Grad und Sonnenschein, darunter macht es die FSG seit Jahren nicht, der Hitzerekord von 35 Grad aus dem Vorjahr wird allerdings nicht geknackt. Die heiße Phase der FSG beginnt auch auf der Rennstrecke, die dynamischen Disziplinen starten. Für die Teams, die das Scrutineering schon erfolgreich durchlaufen haben, steht das Skid Pad auf dem Plan. Bei diesem Test müssen die Fahrer eine Acht auf regennasser Fahrbahn fahren, viermal insgesamt, zweimal im und zweimal gegen den Uhrzeigersinn. Die gemessenen Rundenzeiten zeigen, welche Querbeschleunigung das Fahrzeug erreichen kann.

Doch bevor es in die dynamischen Disziplinen geht, spielt sich so manch dramatische Szene in den Boxengassen ab: Beim Team der Hochschule Würzburg/Schweinfurt zum Beispiel brach tags zuvor die Antriebswelle. Zwei Teammitglieder düsen über Nacht von Hockenheim nach Schweinfurt, bauen aus dem Ersatzwagen die Antriebswelle aus, fahren zurück an die Rennstrecke, wo sie um 4 Uhr in der Nacht die Ersatz-Antriebswelle installieren. Andere Teams haben weniger Glück, sie schaffen es nicht rechtzeitig, ihr Auto fahrtauglich zu bekommen, darunter auch Weitgereiste wie das Team aus Ecuador, das sich dennoch über das gesamte Rennwochenende hinweg die Freude, dabei zu sein bei dieser FSG, nicht nehmen lässt. Für sie bedeutet, wie für viele Teams außerhalb Deutschlands, die Teilnahme an der FSG vor allem: Erfahrungen sammeln. Getragen wird das Event von seinen Sponsoren. Große OEMs wie Daimler, die BMW Group, Audi, VW, MAN und Porsche gehören genauso zu den Unterstützern wie die Zulieferer Mahle, Schaeffler, ZF, IAV, Continental, SKF und Bosch. Sie alle sponsern einzelne Teams, die FSG als Event oder auch einzelne Awards, von denen insgesamt über 40 vergeben werden.

Die Unternehmen geben mit ihren Sponsorings nicht nur Geld und vor allem Know-how. Sie ermöglichen ihren Teams, die nicht selten aus 60 bis 70 Studenten bestehen, viel mehr: Workshops, umfangreiche Tests und Probefahrten auf Testrennstrecken. Autodesk und Mathworks etwa stellen kostenlos und unkompliziert Simulationssoftware zur Verfügung. Und ZF Friedrichshafen probt den ›Ernstfall‹ FSG auf dem firmeneigenen ZF Race Camp, das im Juni in Friedrichshafen stattfindet. »Wir sponsern weltweit 36 Teams und haben bislang über 100 Mitarbeiter aus der FSG rekrutiert. Die FSG hat für uns einen sehr hohen Stellenwert, weil wir als Zulieferer durch unser Engagement die Zielgruppe direkt und persönlich erreichen«, erklärt Martin Frick, Leiter Personalmarketing, das intensive ZF-Engagement. Ähnlich sieht das bei der BMW Group aus. »Wir sind ein erfolgreicher OEM mit einer spannenden Historie im Motorsport. Die FSG ist für uns eine optimale Gelegenheit, um leidenschaftliche Studenten für Praktika, Abschlussarbeiten oder auch Direkteinstiege zu ge­winnen. Auch der internationale Kontakt ist uns wichtig, wir haben Kollegen aus dem internationalen Personalmarketing vor Ort, um deutsche Teilnehmer auch für internationale Standorte zu begeistern und andersrum«, berichtet Carl-Alexander Kirchner aus dem Personalmarketing, und ergänzt: »Die Gespräche hier sind viel intensiver als auf normalen Karrieremessen, denn hier tummelt sich die Spitze des Inge­nieursnachwuchs, die durch die FSG bereits viel praktische Berufserfahrung mitbringen.« Doch es sind nicht nur die Ingenieure, die sich auf der FSG tummeln. Der Freitagabend beispielsweise gehört noch mal den Wirtschaftswissenschaftlern. Die FSG ist kein reiner Konstruktionswettbewerb, die Teams müssen ihre Autos vermarkten und Businesspläne aufstellen. In den Finals der FSC Business Plan Presentations setzt sich eben die Uni Padua mit Tazio Boatto und Federico Bertnol durch, bei den Elektroteams triumphiert das GreenTeam aus Stuttgart. Ein spezieller Preis geht an die Monash University aus Melbourne. Deren Fahrer ist beim Skid Pad die Acht nicht zweimal im und zweimal gegen den Uhrzeigersinn gefahren, sondern gleich viermal im Uhrzeigersinn. Dafür überreichen ihm die FSG-Veranstalter den kurzfristig ins Leben gerufenen ›I only do it clockwise‹-Award. Gelächter im Festzelt und ein strahlender ›Sieger‹. Der Spaß darf bei der FSG eben auch nicht zu kurz kommen.

Samstag, 2. August 2014

Der Tag vor dem großen Finale steht im Zeichen zweier dynamischer Disziplinen, dem Beschleunigungstest und dem Autocross, aus dem sich die Startreihenfolge für den entscheidenden Wettbewerb, die am Sonntag ausgetragene Endurance, ergibt. Große Überraschungen gibt es nicht. Wie so oft dominieren die Teams der TU München, TU Delft, ETH Zürich und Team GFR das Teilnehmerfeld. Auch dass das GreenTeam der Universität Stuttgart vorne mitmischt, ist eigentlich keine Überraschung – wäre da nicht dieser Tag im Mai gewesen, an dem das Rennauto der Stuttgarter komplett niederbrannte. Zwei Monate vor der FSG stand das GreenTeam ohne einsatzfähiges Auto da. Das Aus für die FSG 2014? Mitnichten! Unglaublich, aber wahr: Mit Hilfe von Sponsoren und anderen Teams schafften es die Stuttgarter, innerhalb von nur acht Wochen ein neues Auto zu bauen und am Ende sogar mehrere Awards abzuräumen. Eine Geschichte, die das illustriert, was alle Teilnehmer so nebulös als den ›FSG-Spirit‹ bezeichnen.

Dieser Spirit ist es, der auch Peter Berg so fasziniert. Berg ist Leiter der Globalen Talentgewinnung und -entwicklung sowie des Employer Brandings bei Daimler, ein ruhiger Mann, der schon viel gesehen und erlebt hat im Hochschulmarkt, dessen Augen aber anfangen zu funkeln, wenn er über die FSG spricht. »Die FSG ist ein Testumfeld für Studierende, die sich bewusst für die Ingenieursparte entschieden haben. Und die FSG ist meiner Meinung nach die valideste Testphase für die eigene Karriereplanung, um zu merken, ob man wirklich in dieser Sparte arbeiten möchte, weil man durch seine Teilnahme im Prinzip ein Jahr Berufserfahrung sammelt«, resümiert Berg, dessen Arbeitgeber die FSG seit ihren Kindertagen unterstützt. Ganz ähnlich sieht das Peter Dencker, Hochschulbeauftragter der ETAS GmbH, einer Bosch-Tochterfirma. ETAS unterstützt 22 Teams mit Softwaretools für die Steuergeräte der Rennwägen. 22 Teams sind eine ganze Menge für ein vergleichsweise kleineres Unternehmen, Auswahlkriterien bei den Sponsorships gibt es aber dennoch keine, mit einer Ausnahme. »Man muss hartnäckig sein. Wir wollen die Leute mit Biss, die Macher von morgen, die ein verbindliches Auftreten zeigen und technische Kenntnisse mitbringen«, so Dencker. Dessen Mutterunternehmen Bosch sponsert 35 Teams in zwölf Ländern und ist einer der Hauptsponsoren der FSG. »Die FSG ist eine spannende Möglichkeit, uns als Arbeitgeber zu präsentieren, uns mit dem Ingenieursnachwuchs zu vernetzen. Auch dafür ermöglichen wir den Teams, das Event auf unserer Bosch-Teststrecke in Boxberg zu simulieren«, erzählt Annett Fischer von Bosch.

Reinhold Schmidt, Dekra

»Das Highlight ist für mich die Endurance. Ich höre am Motorengeräusch, ob das Auto an die Spitze fährt. Der Motor muss einen gleichmäßigen Ton haben, der beim Beschleunigen höher wird. Das ist ein Gespür, das man über die Jahre aufbaut.«

Reinhold Schmidt, Technische Abnahme und Leiter Mechanische Werkstatt bei Dekra

Sonntag, 3. August 2014

Der Finaltag führt die Endurance, die Königsdisziplin, auf der Tagesordnung. Die Rennautos müssen ihre Ausdauer unter Beweis stellen, insgesamt 22 Kilometer müssen sie zurücklegen und zwischendurch den Fahrer tauschen. Die meisten Teams sind heilfroh und weinen vor Glück, wenn ihr Auto dieser Belastung standhält. Dann kennt der Jubel keine Grenzen mehr. Die Anspannung im Fahrerlager ist dementsprechend zum Greifen, überall wuseln hektisch Mechaniker, sorgen für den nötigen Feinschliff an den Autos. In einigen Boxengassen sitzen abgekämpfte Techniker, die die Nacht zum Tag gemacht haben, um an ihrem Rennwagen noch ein paar Zehntel oder wenigstens Hunderstel rauszuholen. Einige Teams, wie ›Scuderia Mensa‹ von der Hochschule Wiesbaden, sind aber auch relaxt. In den vergangenen Jahren hatten sie mit jeder Menge Probleme zu kämpfen. In diesem Jahr aber läuft das Auto so sorgenfrei, dass sich zum kurzen Plausch mit audimax gleich vier, fünf Teammitglieder versammeln und fleißig Fotos schießen.

In diesen schwül-heißen Stunden befinden sich die Teams in einem Gefühlszustand irgendwo zwischen Nervosität und ›bereit zum Jubeln‹. Die Endurance läuft lange Zeit wenig spektakulär ab, auffällig ist, dass es in der FSE ziemlich viele Autos nicht schaffen, die 22 Kilometer zu bewältigen. In der FSC-Klasse allerdings haben viele Teams Grund zum Jubeln. Zum Jubeln bereit sind auch schon die Mitglieder der Teams aus Hamburg, Graz und Melbourne. Ihre Autos befinden sich in den letzten Runden der Endurance, die Teammitglieder stehen aufgeregt am Zaun zur Boxeneinfahrt, wo ihre Fahrer in wenigen Minuten einbiegen, die Faust wie einst Michael Schumacher zum Himmel recken und sich wie über die Abgabe der Abschlussarbeit freuen werden, das Ziel erreicht zu haben. Doch was dann passiert an diesem August-Sonntag, an dem das Wetter permanent an der Grenze zwischen brütender Sonneneinstrahlung und aufziehenden Gewittern schlingert, wird in die FSG-Geschichte eingehen als die fünf herzzerreißenden Minuten der FSG 2014. Zunächst erwischt es Team Melbourne Monash. Ihr Auto befindet sich in der letzten Runde, 21,6 der 22 Kilometer sind bewältigt, die Teammitglieder zum Feiern bereit. Bis das Auto wie vom Blitz getroffen stehen bleibt. Das Aus 400 Meter vor dem Ziel. Schockstarre. Tränen. Augenblicke danach: Das Team aus Hamburg befindet sich im Wellenbad der Gefühle. Auch ihr Auto kurvt durch die letzte Runde, ein Grund zur Freude. Doch die Hamburger haben das Unglück der Australier mitbekommen und leiden mit ihnen, bis urplötzlich auch ihr Rennwagen, ebenfalls nur wenige hundert Meter von der Ziellinie entfernt, seinen Geist aufgibt. Zwei Teams, die in ihrer letzten Runde scheitern, unglaublich. Und als wäre das nicht schon Tragik genug, erwischt es, ebenfalls nur wenige Augenblicke später, auch noch das Team der TU Graz, ihr Auto befand sich gerade in der vorletzten Runde. Ein ganzes Jahr lang arbeiten die Teams für diesen Moment, wenn ihr ›Baby‹ die Ziellinie der Endurance überquert, sie alle in die Lüfte springen, sich in den Armen liegen und vor Freude weinen können – und dann scheitern sie so kurz vorm Ziel. Tränen fließen.

Den Sieg in der Endurance fahren die fünf nach dem Autocross bestplatzierten Teams unter sich aus. Sie treten gleichzeitig gegeneinander an, fast jede Runde wird ein neuer Rundenrekord aufgestellt. Letztlich gewinnt in der Combustion-Klasse das Team GFR, eine Art Joint Venture zwischen der Oregon State University mit der DHBW Ravensburg. Bei den Elektroautos setzt sich die ETH Zürich, jahrelang immer knapp gescheitert, durch. Und dann ist da noch die Sache mit Petrus. Just in dem Moment, als das letzte Auto die Ziellinie überquert, setzt der erwartete Regen ein. Das nennt man Timing.

Auf der abschließenden Award Ceremony fließen nicht nur Tränen der Freude, sondern auch der eine oder andere Tropfen Alkohol. Die Anspannung von einem Jahr Vorbereitung fällt von den Teams, auch von den Sponsoren und vor allem den Organisatoren, die mit all ihren Helfern einmal mehr ein faszinierendes Event auf die Beine gestellt haben. Eine letzte Disziplin müssen die Teams, die schon das dem Hockenheimring nahe Campingareal in all den Tagen zu einer Art Festivallocation gemacht haben, noch bestehen. Diese letzte Disziplin heißt: Party. Die große FSG-Family feiert bis tief in den Montag hinein ein großes, vom Automobilzulieferer Mahle gesponsertes Fest und dabei sich selbst – wohlwissend, dass schon jetzt die Vorbereitungen für das nächste Jahr beginnen. Dann werden sie sich alle wiedersehen am Hockenheimring: die Teams, die Sponsoren, die vielen Helfer und mit Sicherheit auch wieder die typische FSG-Hitzewelle.

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www.mint-minded-company.de

Ausgewählte Unternehmen, die sich in besonderer Weise um die Förderung des MINT-Gedankens bemühen, ehrt audimax mit dem ‘MINT Minded Company-Siegel’. Diese Auszeichnung ist für Unternehmen nicht mit Kosten verbunden und kann nicht käuflich erworben werden, sondern du kannst die Unternehmen vorschlagen!

Peter Berg, Daimler

»Die FSG ist meiner Meinung nach die valideste Testphase für Studenten, ob ihnen der Ingenieurberuf wirklich zusagt, weil man hier in einem Jahr das Berufsleben simuliert. Aber auch für uns ist es eine Schule, in der wir von der nächsten Generation an Studenten lernen können. «

Peter Berg, Globale Talentgewinnung und -entwicklung bei Daimler

Sebastian Goldbach, Mahle

»Höchste Professionalität, Pioniergeist und große Emotionen machen für uns die Formula Student Germany jedes Jahr zu einem ganz besonderen Highlight. Wie nirgendwo sonst haben hier Ingenieure von morgen die Möglichkeit, an ihren eigenen Vorstellungen und Konzepten zu tüfteln und technologisch in Fahrzeuge umzusetzen. Mahle ist stolz als Hauptsponsor einen bedeutenden Teil zur Erfolgsgeschichte FSG beitragen zu können.«

Sebastian Goldbach, HR Marketing and Employer Branding Mahle

Kurt Mirlach, Schaeffler

»Die FSG ist eine Art Festival, auf dem auch die Konkurrenten beklatscht werden. Alles ist sehr teamorientiert und technikbegeistert, so dass wir in diesem Jahr erstmals nicht nur Teams unterstützen, sondern auch Hauptsponsor der FSG sind.«

Kurt Mirlach, Personalvorstand Schaeffler

Waldemar Schweigert und Maren Peters, Volkswagen

»Es ist jedes Jahr wieder beeindruckend, so viele technikbegeisterte junge Menschen auf dem Hockenheimring zu treffen. Die Atmosphäre, die Leidenschaft und der Teamgeist auf den Wettbewerb sind einzigartig. Auch wir als Arbeitgeber können von den vielen kreativen Ideen profitieren. Sie helfen uns oft, Dinge aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.«

Maren Peters, Leiterin Personalmarketing, und Waldemar Schweigert, Leiter Technische Produktentwicklung bei Volkswagen

Martin Frick, ZF Friedrichshafen

»Die Formula Student hat einen sehr hohen Stellenwert für ZF, das sieht man schon am
ZF Race Camp, bei dem wir Hockenheim simulieren. Die FSG bietet immer eine tolle
familiäre Atmosphäre und eine hochprofessionelle Organisation.«

Martin Frick, Leiter Personalmarketing ZF

Joachim Schlosser, Mathworks

»Die Formula Student halte ich für einen Knüller – nicht nur ein Knüller-Event, sondern eine Knüller-Bewegung. Was die Studierenden hier schaffen, hat Signalwirkung bis in die Automobilfirmen hinein: ›Seht her, es gibt Nachwuchs, der sich freiwillig und gerne mit der Materie beschäftigt.‹«

Joachim Schlosser, Technical Manager Academia bei Mathworks

Joachim Schreiber, Brunel

»Ich will nicht sagen, dass die FSG für uns ein Paradies ist, aber wir bekommen hier soviel wertvollen Input, den wir für uns und unsere Kunden verwenden können! Das ist das Schöne.«

Joachim Schreiber, Juror und Geschäftsbereichsleiter bei der Brunel GmbH

Bastian Mattlener, SKF

»Wir wollen die Chance nutzen, mit richtig guten Talenten in Kontakt zu kommen und sie für SKF als Arbeitgeber zu begeistern. Unsere Ingenieure sind vom technischen Niveau auf der FSG begeistert und wollen auch jedes Jahr wieder mit.«

Bastian Mattlener, Kommunikation bei SKF

Johannes Jachning, EDAG

»Studenten haben auf der FSG die Chance, in einem geschützten Raum Dinge zu entwickeln, Fehler zu machen, aus ihnen zu lernen und etwas Tolles zu entwerfen. Ich selbst bin durch meine Teilnahme an der FSG zu meinem jetzigen Job gekommen.«
Johannes Jachning, Berechnungsingenieur bei EDAG

Christian Willenberg, IAV

»Für IAV ist die FSG immer auch ein interner Wettbewerb, weil internationale Standorte Teams sponsern und wir dann immer mitfiebern, welches Team und damit welcher Standort gewinnt.«

Christian Willenberg, Personalwesen bei IAV

Annett Fischer, Bosch Engineering

»Die FSG ist eine fas­zinierende Veranstal­tung, auf der wir schon mehr als 60 neue Mitar­beiter kennengelernt haben. In diesem Jahr sponsern wir erstmals Formula-Student-Aktivitäten in zwölf Ländern auf der Welt, einfach weil es sich lohnt.«

Annett Fischer, Pressesprecherin Bosch Engineering

Michael Albrecht, BMW Group

»Die FSG-Teilnehmer sind reifer als ihre Kommilitonen, weil sie über ein Jahr hinweg - auch emotional -  den gesamten Entwicklungs-, Produktions- und Vermarktungszyklus ihres Autos durch­laufen, also das im Kleinen machen, was wir im Großen unternehmen.«

Michael Albrecht, Leitung Personalmarketing und Recruiting bei der BMW Group

Dr. Konstantin Drozhdin, Continental

»Die Teilnehmer beweisen Engagement und Leidenschaft, sie haben ein Funkeln in den Augen und Benzin im Blut! Im Team erfolgreich Ziele zu erreichen - das erleben wir bei den Studenten hier hautnah. Und das ist auch eine der Kompetenzen, die wir uns von künftigen Mitarbeiter wünschen. Daher passt das hervorrragend zusammen.«

Dr. Konstantin Drozhdin, Head of Corporate Employer Branding & Strategic Recruiting bei Continental

Peter Dencker, ETAS

»Die FSG ist eine sehr dynamische Veranstal-tung und die ideale Möglichkeit, etwas Komplettes innerhalb eines Jahres herzustellen, das Berufsleben von der Pike auf zu lernen. Die Teilnehmer haben Biss und sind richtige Macher.«

Peter Dencker, Hochschulbeauftragter der ETAS GmbH

Vanessa Wünsche, MTU

»Die FSG ist ein tolles Event, um Studierende kennenzulernen, die Engagement zeigen und ihr Herzblut in die Arbeit stecken. Da freuen wir uns natürlich, wenn wir später Mitarbeiter wie diese bei uns in der Firma begrüßen dürfen.«

Vanessa Wünsche, Global HR-Marketing/Employer Branding bei MTU Friedrichshafen GmbH

Konstanze Marinoff, Porsche

»Uns freut die Verbindung von sportlicher Herausforderung mit nachhaltigen Komponenten, beispielsweise durch die FSE oder die Bewertung der Energieeffizienz. Der einmalige Spirit und die Begeisterung der Studierenden runden die FSG ab.«

Konstanze Marinoff, Leiterin Personalmarketing Porsche

»Die FSG entwickelt sich jedes Jahr weiter, wird jedes Jahr professioneller, ebenso wie die Teams. Wir stellen den von uns gesponserten Teams unter anderem einen LKW zur Verfügung, mit dem sie zu den einzelnen Events fahren können.«

Fabiola Rau, Personalmarketing bei MAN