Comic: ein Mann denkt nach, hat eine Idee und schreibt sie auf

Wie aus einer Erfindung Realität wird

Dann forschen wir halt ein wenig: Wissen satt aus der Forschungsküche oder mit welchen Zutaten aus einer Erfindung Realität zum Anfassen wird.

Patentrezept

Eine Patentanmeldung ist ein langwieriger, komplizierter Prozess. Deshalb sind im Vorfeld einige Dinge zu klären. Eine gründliche Recherche zum Stand der Technik muss sein. Ist XY wirklich eine neue technische Erfindung und ist die Idee vermarktbar? Studenten der Universität des Saarlandes bekommen hier Unterstützung von der Patentverwertungsagentur, die bei der Recherche und bei den Formalitäten helfen.

Ansonsten ist es ratsam, sich einen Patentanwalt zu nehmen, damit das Projekt ›Patent‹ nicht schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt ist. Der Rechtsberater wird auch darauf bestehen, das Patent nicht nur ›XY‹ zu nennen. Eine genaue Beschreibung mit dem bekannten Stand der Technik, dessen Verbesserung und die erzielbaren Vorteile der Erfindung müssen neben einer verständlichen Kurzfassung der technischen Neuerung sowie einer eventuellen Zeichnung in die Anmeldung. Wenn die Erfindung als solche bewertet wird, heißt es warten.

Eine Patentanmeldung dauert zwischen zwei Wochen bis vier Monaten, die Patenterteilung, die nach Prüfung der Anmeldung erfolgt, kann bis zu sechs Jahre in Anspruch nehmen. Wichtig ist auch noch, festzulegen, ob XY auch in Amerika oder Kirgisistan patentiert werden soll – was aber innerhalb eines Jahres nach Anmeldung geschehen muss. Das bedeutet zusätzliche Kosten, die von Land zu Land variieren. Tipp: Am besten eine lukrative Erfindung machen, die von großem Interesse für die Industrie ist, denn die jährlichen Patentgebühren steigen exponentiell an. Sind im dritten Jahr noch schlappe 70 Euro zu berappen, so kostet das zwanzigste und somit letzte Jahr, in dem ein Patent gültig ist, stolze 1.940 Euro – und das nur für Deutschland, Anwalts- und Anmeldegebühren exklusive.

Forschungsstudios

XY ist patentiert, der bewilligte Forschungsantrag hat die Doktorarbeit ermöglicht und die Forschernatur drängt weiter zu neuen Ufern. Deutsche Forschungsinstitute bieten hier viele Chancen:

Max-Planck-Gesellschaft: In 80 Instituten in 40 Städten haben Nachwuchswissenschaftler die Möglichkeiten, auf Gebieten wie Physik und Astronomie, Umwelt und Klima, aber auch Kultur und Gesellschaft zu forschen. Frischgebackene Doktoren haben unter anderem die Gelegenheit, in Max-Planck-Forschungsgruppen eigenständige Forschungsprojekte zu verfolgen.

Fraunhofer-Gesellschaft: Kurzzeitdynamik, Lasertechnik, Toxikologie oder Experimentelle Medizin – die Gesellschaft forscht in Hunderten von Technologiefeldern. Ob Bangkok, Michigan, Ägypten oder Wien – Fraunhofer-Institute sind weltweit zu finden, hinzu kommen internationale Netzwerke, Allianzen und Verbünde.

Helmholtz-Gemeinschaft: Etwa 63 Prozent der rund 30.000 Mitarbeiter in den 17 Helmholtz- Zentren arbeiten wissenschaftlich. Herausragende Wissenschaftler, deren Promotion zwei bis sechs Jahr zurückliegt, haben die Möglichkeit, die Leitung in verschiedenen Nachwuchsgruppen wie zum Beispiel ›Energie‹, ›Erde und Umwelt‹, ›Struktur der Materie‹ oder ›Gesundheit‹ zu übernehmen und sich für eine Unikarriere zu qualifizieren.

Förderantragszutaten

Förderanträge brauchen Zeit. Am Anfang steht die Wahl der Förderinstitution. Noch nicht promoviert?
Dann muss ein Betreuer den Antrag stellen, der inhaltsgleich mit dem Promotionsthema sein sollte. Dabei fördert zum Beispiel die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) keine Projekte, die ausschließlich der Anfertigung von Dissertationen dienen.

Was muss in den Antrag?
Lebenslauf, eine präzise Kurzbezeichnung, die voraussichtliche Gesamtdauer des Vorhabens und die Antragsdauer sowie -zeitraum. Weiter ist eine kurze, verständliche und vor allem spannende Zusammenfassung der Ziele und Vorhaben unumgänglich. Der Stand der Forschung ist ebenso wichtig – im Bereich der Technik oder Naturwissenschaften lohnt sich auch eine Patentrecherche – wie die Darstellung der eigenen Vorarbeiten und Literaturangaben. Weiter geht’s: Ziel der Forschungsarbeit, Beschreibung des Arbeitsprogramms mit Zeitplan – welche Mittel sind nötig: Personal? Reisekosten? Und schließlich: Welche Nutzen hat die Wirtschaft von diesem Forschungsprojekt?

Zukunft à la carte?

XY hat so viel Potenzial, dass eine Forschergruppe mit der weiteren Erforschung beschäftigt ist. Geld ist in rauen Mengen vorhanden und die die nächsten zwanzig Jahre sind gesichert. Wohl kaum! Die wenigsten Wissenschaftler haben diese Möglichkeiten und die finanzielle Absicherung. Wissenschaftler sein bedeutet viel Arbeit und oft wenig Geld, aber die Freiheit, eigene Ideen zu entwickeln, frei zu forschen und dann noch zu publizieren – das führen Forscher als treibenden Motor an.

Um einen Einstieg in die Forschung zu bekommen, braucht es ein gutes Netzwerk. Selbst wenn das Ziel einer wissenschaftlichen Tätigkeit an einer Uni erreicht ist – die stete existenzielle Unsicherheit, die ständig verlangte Mobilität und der Mangel an realistischen Aufstiegsmöglichkeiten resultieren darin, dass viele Forscher ihr Glück im Ausland versuchen. Deshalb lohnen sich interdisziplinäre und anwendungsbezogene Zusatzqualifikationen, denn somit können sich Wissenschaftler weitere Möglichkeiten in der industriellen Wirtschaft offenhalten.


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