gemaltes Gesicht an der Wand mit Gittern vor den Augen

Alles gesichert?

In der Sicherheitstechnik geht es ganz schnell um Leben und Tod

Ela ist für Thomas Tremmel unvergesslich: Das Sturmtief hatte im Juni 2014 mit Windgeschwindigkeiten von über 140 Stundenkilometern vor allem in Nordrhein-Westfalen schwer gewütet. Drei Menschen waren allein in Düsseldorf durch umstürzende Bäume ums Leben gekommen. Unzählige Dächer wurden abgedeckt, Oberleitungen zerstört und Autos beschädigt. Zu dem Zeitpunkt war er stellvertretender Leiter der Abteilung Technik bei der Feuerwehr Düsseldorf. Über 100 Brandmeldeanlagen seien in der Sturmnacht parallel ausgelöst worden – hier musste die Feuerwehr schnell handeln. Auch bei der sogenannten Einsatzabarbeitung nach den Sturmschäden war Tremmel fast permanent gefordert.

In den Sitzungen der Feuerwehreinsatzleitung koordinierte er gemeinsam mit seinen Kollegen die einzelnen Maßnahmen und musste wichtige Entscheidungen treffen: Welche Einsätze sind als erstes nötig? Welche Straßenstücke und Parkwege müssen abgesperrt werden, um die Bürger vor herabstürzenden Ästen zu schützen? Welche Fremdfirmen könnten helfen, um die Mitarbeiter der Feuerwehr und der Hilfsorganisationen zu entlasten? »Die Wochen bei der Feuerwehreinsatzleitung waren enorm anstrengend und prägend«, sagt der 30-Jährige rückblickend. Zwölf-Stunden-Schichten und entsprechend wenig Schlaf – das sei vor allem körperlich eine Belastungsprobe gewesen. Aber auch abgesehen von Ela waren die Herausforderungen bei der Düsseldorfer Feuerwehr groß: In der Abteilung Technik mit ihren etwa 60 Mitarbeitern kümmerte sich Tremmel um die Fahrzeuge und Geräte, die Schutzausrüstung und die Informations- und Kommunikationstechnik. Anfang 2015 wechselte er zur Feuerwehr Ratingen, die er seitdem stellvertretend leitet. Hier trägt er nun für knapp 100 Berufsfeuerwehrleute die Personalverantwortung.

»Da die Ratinger Feuerwehr kleiner ist, bin ich jetzt näher dran am operativen Geschäft«, so Tremmel. Das bedeutet auch, dass er häufiger wieder selbst bei Einsätzen dabei sein kann. »Auch das hat mich an der neuen Aufgabe gereizt«, sagt er. Den Grundstein für seinen Werdegang legte Tremmel durch das Studium der Sicherheitstechnik an der Bergischen Universität Wuppertal. Anschließend absolvierte er die Ausbildung zum höheren Dienst und lernte dabei Feuerwehren und Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland kennen. In den zwei Ausbildungsjahren standen unter anderem Verwaltungsschulungen und Seminare zur Menschenführung auf dem Programm. Durchschnittlich 18 dieser Ausbildungsplätze werden bundesweit im Jahr vergeben.

Allerdings sind sie schwer zu besetzen: Oft scheitert es am obligatorischen Sporttest. Da die Tests bisher in erster Linie auf den männlichen Körper ausgerichtet waren, hatten Frauen bei gleicher Fitness kaum eine Chance. Ihr Anteil bei den Berufsfeuerwehren liegt nach Angaben des Netzwerks Feuerwehrfrauen bei einem mageren Prozentpunkt. Um das zu ändern, entwickelt die Sporthochschule Köln derzeit einen gendergerechten Sporttest.

Sicherheitsingenieure werden grundsätzlich überall dort eingesetzt, wo es darum geht, Risiken für Mensch und Umwelt zu vermeiden oder zu minimieren. Sie sorgen dafür, dass sicherheitstechnische Erkenntnisse und Regeln angewandt und gesetzliche Verpflichtungen erfüllt werden. Dafür erarbeiten sie entsprechende Konzepte wie Gefährdungsbeurteilungen, Risikoanalysen oder sicherheitstechnische Prüfungen. »Sicherheitsingenieure sind daher Garanten für die Gefahrenbekämpfung an der Quelle«, sagt Prof. Dr. Ralf Pieper, der an der Bergischen Universität Wuppertal das Fachgebiet Sicherheits- und Qualitätsrecht leitet. Der Studiengang Sicherheitstechnik in Wuppertal bereitet neben der Arbeit im Brandschutz zum Beispiel auf Tätigkeiten in den Bereichen Arbeitssicherheit, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz oder Umweltsicherheit vor. Absolventen der Bachelor- und Masterprogramme sind nach Angaben der Hochschule so auch für Berufe in der Industrie oder im Dienstleistungssektor qualifiziert.

Bei Dräger, einem Unternehmen für Medizin- und Sicherheitstechnik, entstehen Produkte, die der Feuerwehr, der Polizei, Krankenhäusern oder auch Bergbau- und Industrieunternehmen dabei helfen, ihre Aufgaben gut und sicher zu erfüllen. Das Unternehmen entwickelt zum Beispiel Gasmesssysteme, Atemschutzausrüstungen oder Alkohol- und Drogentestgeräte. Letztere sind das Aufgabengebiet von Sönke Fischer: Er arbeitet bei Dräger als Projektleiter und ist für ein Gerät verantwortlich, dessen Ergebnisse vor Gericht verwertbar sind. Polizeistationen weltweit nutzen das Gerät bereits – daher ist Fischer oft rund um den Globus unterwegs. Da in jedem Land andere Gesetze gelten, sind die Geräte entsprechend anzupassen. So müssen beispielsweise Messabläufe geändert, die Hardware variiert oder die Produkte in das Kundennetzwerk integriert werden. Für sämtliche Schritte im Entwicklungsprozess – von der Erstellung der spezifischen Geräte bis hin zur Abnahme durch den Kunden – arbeiten der 38-Jährige und sein Team eng mit anderen Abteilungen zusammen. Der Markt rund um solche Testgeräte ist stark reguliert: Für jedes Land ist eine eigene Zulassung nötig. Hierfür steht Fischer der jeweiligen Zulassungsstelle bei Fragen zur Verfügung, führt bei Bedarf eine Einweisung in das Gerät durch und ist für die Dokumentation zuständig. »Ich trage die Verantwortung für das gesamte Produkt. Die Aufgaben, die sich daraus ergeben, sind sehr vielfältig und gehen weit über mein ursprüngliches Kerngebiet, die Softwareentwicklung, hinaus«, sagt Fischer, »so kann ich jeden Tag etwas Neues dazulernen.«


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