Bunte Dachziegel
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Ganz schön bunt

Applikationsingenieure sind der Ethan Hunt unter den Ingenieuren: Sie haben so viele Aufgaben wie der Agent Identitäten – und gerade deshalb sind sie gefragt

Wenn selbst der Verein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) Schwierigkeiten hat, ein konkretes Jobprofil des Applikationsingenieurs zu erstellen, dann muss dieser Beruf ausgesprochen viele Facetten haben. Cathrin Becker, Strategie und Kommunikation VDI: »Leider haben wir keinen Experten im Haus, der etwas zu diesem Berufsbild sagen könnte. Der Applikationsingenieur ist wohl zu vielfältig.«

Sucht man auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit nach ›Applikationsingenieur‹, findet man folgende Definition: »Application-Engineers beziehungsweise -Manager entwickeln technische Produkte, passen sie an und sind zudem im Vertrieb tätig. Application-Engineers oder Application-Manager arbeiten zum Beispiel in Unternehmen des Maschinenbaus, der Elektro-Industrie, der Stromversorgung oder auch des Fahrzeugbaus. Für die Tätigkeit als Application-Engineer oder -Manager wird üblicherweise ein ingenieurwissenschaftliches Studium in den Bereichen Elektrotechnik, Informations-, Kommunikationstechnik, Maschinenbau oder Ingenieurinformatik, Computational Engineering erwartet.« Bei dieser Tätigkeit kann die tarifliche Bruttogrundvergütung 4.826 Euro bis 5.035 Euro im Monat betragen. Einstiegsgehälter liegen für gewöhnlich zwischen 3.800 Euro und 4.000 Euro.

»Die Vielfalt der Aufgaben als Applikationsingenieur ist wesentlich höher als in vielen anderen Ingenieursberufen und die Jobmöglichkeiten sind besser«, findet auch Nico Bremerkamp. Der 25-Jährige hat nach einer Ausbildung als Vermessungstechniker an der Fachhochschule Kiel Maschinenbau mit dem Abschluss Bachelor of Engineering studiert. Seit letztem Sommer ist er als Projektingenieur bei der M Plan GmbH in der Entwicklung für Stoßdämpfer tätig. »Ich begleite das gesamte Projekt vom Anfang bis zur Serie.« Das bedeutet: Entwicklung und Konstruktion, Erstellung von 3-D-Modellen und Zeichnungen, Erstellung und Pflege entwicklungsbegleitender Dokumentationen, Durchführung von Toleranzanalysen, sämtliche Berechnungen und die Absprache mit Lieferanten und Kunden. Der Ingenieur beginnt seine Arbeit gegen 8 Uhr, die 40-Stunden-Woche ist normal, Kundebesuche im In- und Ausland stehen regelmäßig auf der Tagesordnung. »Reisebereitschaft sollte man für den Job mitbringen«, meint Bremerkamp. Wichtig sei es außerdem analytisch denken, systematisch arbeiten und gut mit Kunden umgehen zu können. Englischkenntnisse sind Voraussetzung. Das Wichtigste, meint Bremerkamp, sei jedoch das Interesse an der Entwicklung und Weiterentwicklung des Produktes. Er selbst ist Autofan und findet: »Die Automobilbranche im Allgemeinen ist einfach sehr komplex und interessant.«

Als Engineering-Dienstleister für die Automobilindustrie ist die M Plan GmbH in zehn Niederlassungen in Deutschland und mit über 500 Mitarbeitern aktiv. »Aktuell haben wir mehr als zehn offene Positionen für Applikationsingenieure ausgeschrieben, die wir gerne kurzfristig mit geeigneten Kandidaten besetzen möchten«, sagt Personalreferentin Maria Chiaravalloti. Und fügt hinzu: »Da nahezu in jedem Bereich der Fahrzeugentwicklung Applikationsingenieure benötigt werden, ist davon auszugehen, dass wir auch im kommenden Jahr mindestens 20 Ingenieure mit verschiedenen Schwerpunkten und Fachrichtungen für den Einsatz im Applikationsbereich suchen werden.«

Von besonderem Interesse sind für sie dabei Ingenieure aus den Bereichen Fahrzeugtechnik, Elektronik, Mechatronik und Softwareentwicklung. »Neben dem fachlichen Background sollten Bewerber natürlich auch die entsprechende Leidenschaft für die Automobilindustrie, das nötige ›Benzin im Blut‹ mitbringen«, rät die Personalreferentin. Kommunikationsstärke, Motivation und Teamgeist sind weitere Qualifikationen, die M Plan von Bewerbern erwartet. Dafür erwarten diese dann »anspruchsvolle Projekte bei OEMs, Zulieferern und Systemlieferanten von der Konzeptentwicklung bis zur Serienreife«, verspricht Chiaravalloti. Der Haustarifvertrag mit der IG Metall biete zudem sichere Rahmenbedingungen und regelmäßige Tariflohnerhöhungen.

Bei Rohde & Schwarz, dem Elektrotechnikkonzern mit Hauptsitz in München, sucht man ebenfalls nach Applikationsingenieuren – allerdings liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit hier nicht nur auf der Entwicklung. Es ist vielmehr eine Schnittstellenposition zwischen Vertrieb und Entwicklung. »Meine Aufgabe ist vermehrt der technische Kunden-Support: telefonisch, per E-Mail und auch vor Ort und das weltweit«, sagt Carlos-Atila Vieira Sabino. Dabei geht es hauptsächlich um die Erklärung neuer Produkte und um die Lösung von technischen Problemen mit bereits vorhandenen Systemen. Seit zwei Jahren arbeitet der gebürtige Brasilianer bei Rohde & Schwarz als Applikationsingenieur. Auch seine Masterarbeit hat er bereits beim Unternehmen geschrieben. »Dabei ging es um ein Projekt für die Entwicklung eines neuen Features für unsere Messgeräte – das ist mittlerweile integriert und im Verkauf«, erzählt der 28-jährige Informationstechniker nicht ohne Stolz.

Vier Sprachen spricht Vieira Sabino – neben Portugiesisch und Deutsch auch Englisch und Spanisch. »Aber Englisch ist für meinen Beruf entscheidend. Die anderen Sprachen sind einfach ein Plus.« Flexibilität, interkulturelle Kompetenz, technisches Know-how und die Fähigkeit, mit Menschen umzugehen, seien weitere Kompetenzen, die man mitbringen sollte. Der Ingenieur hat sich die Stelle in der Applikation ausgesucht, weil er sowohl im Vertrieb als auch in der Entwicklung arbeiten wollte. »Als Applikationsingenieur sind wir sozusagen eine Brücke zwischen den Kunden und der Entwicklung. Das ist genau das, was ich machen wollte«, sagt Vieira Sabino. Sein Tipp für alle, die wie er als Applikationsingenieur arbeiten wollen: »Es ist immer gut, wenn man bereits durch ein Praktikum oder seine Masterarbeit Kontakt zu seinem Wunscharbeitgeber geknüpft hat. Praxis ist generell wichtig, denn das, was man an der Uni lernt, und das reale Arbeitsleben sind doch sehr unterschiedlich.«

Michaela Wiest, HR-Manager Recruiting bei Rohde & Schwarz: »In der Applikation haben wir momentan zehn offene Positionen, unter anderem auch zwei Nachwuchskräftepositionen, das bedeutet Praktikum respektive Werkstudententätigkeit.« Messtechnik, Rundfunktechnik, sichere Kommunikation sowie Funküberwachungs- und Ortungstechnik sind die Unternehmensschwerpunkte von Rohde & Schwarz. Das bedeutet auch, dass das Unternehmen nach bestimmten Spezialisten sucht. Michaela Wiest: »Wir haben eine relativ enge Zielgruppe. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Elektrotechniker und Informatiker mit starkem Hochfrequenz-Hintergrund. Herzblut für die Hochfrequenztechnik sollte bei uns vorhanden sein.«

Auch Rohde & Schwarz ist an den IG-Metall-Tarifvertrag gebunden und die Recruiterin sieht weitere Vorteile ihres Unternehmens: »Wir sind ein wachsendes Familienunternehmen das Produkte entwickelt, die innovativ sind und technisch ganz weit vorne. Bei uns hat man Spaß an der Technik und kann sich als Mitarbeiter stark selbst mit seinen Ideen einbringen.«


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