Mann mit Virtual-Reality Brille

Virtual Reality: Aus der Gaming-Ecke in die Industrie

Eintauchen in fremde Welten - Ingenieure bilden die Brücke zwischen Software und praktischer Anwendung

 

Was die Gamer derzeit begeistert, ist in der Industrie schon lange im Einsatz – Virtual Reality (VR). So werden zum Beispiel in der Luftfahrtindustrie Flugsimulatoren eingesetzt, Arbeitsprozesse können vorab virtuell geplant werden, die Wartung von Maschinen kann aus der Ferne koordiniert werden. Schon in den frühen 1990er-Jahren wurden VR-Technologien als Zukunftstrend gefeiert, dann blieb es lange still um sie. Durch die Gamingbranche und zahlreiche Angebote für Endkonsumenten erlebt das Thema nun einen neuen Hype. Die Lösungen für die virtuell-reale Datenerfassung und -visualisierung werden immer ausgereifter, und dank leicht zugänglicher Endgeräte wie Tablets und Smartphones ist die Nutzung von VR viel einfacher und günstiger geworden.

Welche Rolle spielen Ingenieure bei der Entwicklung von VR-Lösungen?

Hardwarehersteller gibt es in Deutschland nur wenige, die VR-Software entwickeln in der Regel Informatiker. Dr. Christoph Runde, Geschäftsführer des Virtual Dimension Center Fellbach, dem Kompetenzzentrum für virtuelle Realität und Kooperatives Engineering, sieht Ingenieure vor allem als Brücke zwischen dem Kunden und den Softwareexperten:

»Sie können mit den Industriekunden Einsatzszenarien besprechen und die Ergebnisse an die Entwickler weitergeben. Sie wissen am besten, was technologisch möglich und prozesstechnisch notwendig ist.«

30 Milliarden US-Dollar Umsatz könnte der VR-Markt im Jahr 2020 machen.

171 Millionen Menschen könnten bis 2018 VR-Hardware und -Software nutzen.

Gefragte Fachrichtung der Ingenieure ist abhängig von jeweiligem Einsatzgebiet der VR

Die gefragte Fachrichtung der Ingenieure richtet sich deshalb vor allem nach den jeweiligen Einsatzgebieten der Virtual Reality. Das Ingenieurbüro Bertrandt zum Beispiel sucht vor allem die klassischen Fachrichtungen wie Maschinenbau oder Fahrzeugtechnik, aber auch Ingenieure mit einem IT-technischen oder medienorientierten Hintergrund, insbesondere für die VR-Entwicklungstätigkeiten. Darüber hinaus sind auch Ingenieure mit Chemieschwerpunkten für die Entwicklung von Elektromobilität, Softwareingenieure für die Programmierung und Ingenieure mit optischer oder akustischer Ausrichtung willkommen. Sie sollten spezielles Wissen im Bereich von Virtual Reality und After Effects, wie beispielsweise zum Offline-Rendering, und Kenntnisse in den gängigen 3D-Programmen wie RTT DeltaGen oder VRED sowie in der 3D-Animation mitbringen.

»Eine typische Aufgabe von Ingenieuren ist zum Beispiel die fotorealistische Echtzeitvisualisierung von gesamten Fahrzeugen, um etwa die Ergonomie im Innenraum oder Anzeige- und Bedienkonzepte virtuell bewertbar zu machen«,

erklärt Sandra Hoffmann, Leiterin Personalentwicklung, Personalmarketing und Recruiting bei Bertrandt.

Virtual Engineering als Teilbereich der VR

Auch das Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen Star Cooperation setzt Ingenieure für VR-Aufgaben ein. Ein Gebiet ist beispielseweise das Virtual Engineering: Statt Produkte real zu entwickeln, zu testen und zu konzipieren, können Unternehmen mithilfe von Virtual Engineering alle Möglichkeiten und Risiken abwägen, bevor sie mit der teuren Vorserienproduktion beginnen. Der Ein- und Ausbau von Maschinenteilen kann dabei genauso simuliert werden wie die Reparatur.

»Wir wollen in unsere VR-Lösungen eine möglichst realitätsgetreue Abbildung einbringen«,

erklärt Clemens Müller, Manager im Bereich Virtual Engineering.

»Dazu brauchen wir Ingenieure, die die mechanischen Abläufe realitätsgetreu in die Modelle übertragen.«

Da die Berater häufig für die Automobilindustrie arbeiten, sind vor allem Ingenieure mit Fahrzeughintergrund gefragt, die sich mit den Montageprozessen bei Autobauern auskennen.

Vielfältiger Einsatz von VR in verschiedenen Branchen

Nicht nur in der produzierenden Industrie wird Virtual Reality immer häufiger eingesetzt, auch andere Branchen nutzen dieses Technologie: In der Baubranche können Architekten den Bauablauf simulieren, Innenausstatter können virtuell Zimmer dekorieren, Mediziner Operationen planen, Marketingexperten Einblicke in schwer zugängliche Branchen geben.

Das braucht man um in der VR-Branche Fuß zu fassen

Ein reines Ingenieurstudium reicht daher nicht aus, um in der VR-Branche Fuß zu fassen. Clemens Müller erwartet von seinen Bewerbern grundsätzlich Interesse an Programmierung und ein grafisches Vorstellungsvermögen:

»Mitarbeiter müssen sich mithilfe von Koordinaten im dreidimensionalen Raum zurechtfinden«,

betont der Manager.

»Kenntnisse mindestens einer gängigen 3D-Modellierung oder Rendering-Software sind vonnöten.«

Auch Erfahrung im Programmieren von Game Engines, also den Softwaretools, die Gamehersteller für ihre Spiele nutzen, ist hilfreich.

Die Virtual Reality ist mehr als nur ein Hype

Auch wenn es vielen so erscheint: Virtual Reality ist kein unbearbeitetes Feld, sondern wird seit rund 50 Jahren erforscht. Seit einem Vierteljahrhundert sind virtuelle Techniken im praktischen Einsatz.

»Nun geht es darum, neue Anwendungen zu finden, die für die Wirtschaft sinnvoll sind«,

sagt VR-Experte Christoph Runde.

Faszinierend ist die Arbeit mit Virtual Reality auf jeden Fall.

»Aber man darf sich auch nicht von dem Hype blenden lassen: Die Industrie stellt andere Anforderungen an VR als ein Gamer dies tut.«

Messe für Virtual Reality:

MobileTech Conference, 13. bis 16. März 2017, München, www.mobiletechcon.de

92 Prozent der Firmen aus dem 3D-Bereich sind kleine und mittelständische Unternehmen.


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