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Grünes Licht? Energieversorgung in der Zukunft

Sonne, Wasser, Wind – so steht's um die Energieversorgung in der Zukunft

 

Flüssig um die Welt

Mit der Umstellung auf LNG, also Flüssigerdgas, hat die Meyer Werft an vielen Stellen sowohl technologisches als auch regulatorisches Neuland betreten. In sehr kurzer Zeit wurden dazu eine Vielzahl an Innovationen vorangetrieben, die in dieser Weise im Schiffbau weltweit einzigartig sind. »Für uns stellt der LNG-Antrieb die Brückentechnologie von diesel- oder schwerölbetriebenen Schiffen hin zu emissionsfreien Kreuzfahrtschiffen dar«, erklärt Bastian Witt, Abteilungsleiter für Anlagen & Systeme bei der Meyer Werft. Daher beschäftigt sich die Werft im Rahmen diverser Forschungsprojekte unter anderem sehr intensiv mit regenerativ produzierbaren Brennstoffen, wie beispielsweise Methanol im Forschungsprojekt MethaShip, und Alternativen zur Energieversorgung, wie Brennstoffzellen. Viele dieser zukunftsfähigen Technologien befinden sich derzeit im kleineren Maßstab an Bord einiger Schiffe im Erprobungseinsatz. »Da wir eine schwimmende Stadt entwickeln und ein sehr breites technologisches Feld abdecken, sind bei uns alle technischen Fachrichtungen wie Elektrotechnik, Maschinenbau, Verfahrenstechnik und Schiffbau vertreten«, so Witt.

 

Stabile Stromnetze

Die EnergieAgentur.NRW unterstützt die Wirtschaft dabei, energieeffizienter und klimafreundlicher zu werden. Dabei steht die Energieeffizienz natürlich an erster Stelle, denn effiziente Prozesse, Gebäude und Fahrzeuge tragen an allen Stellen zur Entlastung der Infrastruktur bei. »Generell müssen die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität zusammen betrachtet werden, wobei dem Strom eine immer bedeutendere Rolle zukommt«, erklärt Dipl.-Ing. Peter Lückenrath vom Landesnetzwerk Energieeffizienz in Unternehmen der EnergieAgentur.NRW. Die erneuerbaren Energien werden den Energiebedarf nicht vollständig zu jeder Zeit abdecken können. Dazu werden Speicher jeglicher Art sowie das sogenannte ›Demand Side Management‹ benötigt: schaltbare Verbraucher, die in Zeiten volatilen Stromangebots durch die Erneuerbaren zu- und abgeschaltet werden können und so das Stromnetz stabil halten. »Ein großer Schritt hierzu wären smarte, also zeitvariable Energiepreise, die Anreize geben, Speicher zu laden oder andere Lasten stromnetzdienlich, je nach Energieangebot, einzusetzen. Das wären vier oder mehr Stromtarife in der Stunde, mehr als 35.000 im Jahr! Das kann natürlich nur voll digitalisiert umgesetzt werden. Der Aufwand lohnt, ergeben sich doch dadurch völlig neue Geschäftsmodelle«, so Lückenrath. Absolventen rät er, sich vorher zwischen Generalist und Spezialist zu entscheiden. Während der Generalist die Energieströme analysiert und das große Ganze im Blick behält, kommt der Spezialist bei speziellen Technologien zur Beratung und Planung zum Einsatz.

 

Digitales Kraftwerk?

N-Ergie, der regionale Energieversorger in Nürnberg, ist davon überzeugt, dass Energie zum Großteil dort erzeugt werden sollte, wo diese auch verbraucht wird. Dazu müssen viele kleine und mittelgroße Erzeuger zu dezentralen Zellen gebündelt und mit den Nachfragern verbunden werden. »Als Projektleiter bin ich an der Entwicklung eines virtuellen Kraftwerks auf Basis einer Blockchain-Technologie verantwortlich. Über eine Steuerbox verbinden wir viele dezentrale Energieerzeuger mit unserer Plattform. Die erzeugte Energie vermarkten wir dann auf den zum aktuellen Zeitpunkt lukrativsten Energiemärkten. In einer ersten Ausbaustufe konzentrieren wir uns vor allem auf Blockheizkraftwerke. Virtuelle Kraftwerke sind nicht neu, die Blockchain als Infrastrukturbasis hebt sie jedoch auf ein neues Level: Mit dieser Art von Informationstechnologie bringen wir zukünftig mehrere Akteure auf eine Plattform und wollen ganze Ecosysteme darstellen. Weiterhin soll unser virtuelles Kraftwerk zukünftig alle Energieerzeuger – sei es Großkraftwerk oder Photovoltaik-Anlage eines Privathaushalts – auf einer Plattform zusammenbringen. Theoreitsche Grundlagen sind für einen erfolgreichen Einstieg natürlich die Basis. Jedoch entscheiden dann Motivation, Lernbereitschaft und die Herangehensweise an Herausforderungen den weiteren Karriereweg«, weiß Oliver Golker, Senior Produktmanager bei N-Ergie.

 

Wasserstoff to go

Linde, weltweiter Marktführer für Industrie-, Prozess- und Spezialgase, baut gerade mit Partnern eine deutschlandweite Wasserstoff-Infrastruktur auf. Durch seine physikalischen Eigenschaften eignet sich Wasserstoff sehr gut, um Energie zu speichern. Die Energie zur Herstellung von Wasserstoff stammt dabei unter anderem aus erneuerbaren Energien wie Windkraft und Solarenergie. »Über unsere Infrastruktur kann der Wasserstoff dann an speziellen Tankstellen entnommen und zur Energierückgewinnung in Fahrzeugen eingesetzt werden«, so Dr. Sven Fichtner, Projektleiter Segment Chemie bei Linde. Ende 2019 wird es in Deutschland etwa hundert dieser Tankstellen geben: Der Wasserstoff fließt in eine Brennstoffzelle, aus der der Strom erzeugt wird, der das Auto antreibt – natürlich CO2-frei. Dies sei gerade im Hinblick auf die Energie- und Mobilitätswende attraktiv. Besonders bei Lkw, Bussen, Zügen und Schiffen werde sich Wasserstoff als Energieträger durchsetzen, da er gerade bei stärkeren Belastungen viele Vorteile zeige und auch besser verfügbar sei. Die größte Herausforderung stellt im Moment die Marktaktivierung dar: »Damit Fahrzeuge auf den Markt gebracht werden können, ist eine Infrastruktur nötig – und umgekehrt«, erklärt  Fichtner. Welche Kompetenzen er für Absolventen als wichtig erachtet? »Ingenieure sollten sich auch betriebswirtschaftlich gut auskennen.« Ebenso wichtig sei Interesse am entsprechenden Gebiet: »Zusammengefasst: Interesse, fachliches Wissen, Training on the Job und Spaß am Beruf sind eine Kombination, die den Einzelnen sehr weit bringen kann.«


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