Was macht ein Innovationsmanager?

Innovationsmanager sorgen dafür, dass Ideen auch tatsächlich in Produkte umgesetzt werden.

Gute Chancen auf dem Bewerbermarkt – für den heute 31-jährigen Urs Weber war das ein entscheidender Beweggrund, nach seinem Diplomstudium noch einen Masterstudiengang aufzusatteln. »Weil ich ein Alleinstellungsmerkmal schaffen wollte – und nicht wie viele andere zum Beispiel eine Marketingspezialisierung – habe ich mich für den Studiengang Innovationsmanagement an der Hochschule Esslingen entschieden.« Bis 2009 studierte Weber dort, nach seinem Abschluss stieg er bei der Cluster Druck und Printmedien x-medial Bayern GmbH in München als Innovationsmanager ein.

Was macht ein Innovationsmanager eigentlich? Urs Weber erklärt das neue Berufsbild so: »Unternehmen leben davon, dass neue Ideen aufgegriffen und schließlich auch umgesetzt werden. Für diesen Vorgang muss es einen Plan geben, er darf nicht dem Zufall überlassen werden. Dafür sorgt der Innovationsmanager«, sagt Weber und fügt hinzu: »Man kümmert sich darum, dass ein Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell zukunftsfähig bleibt.« Urs Webers Arbeitgeber, die Cluster Druck und Printmedien x-medial Bayern GmbH, ist ein serviceorientiertes Branchennetzwerk zur Förderung der Druck- und Printmedienindustrie in Bayern. Vor allem mittelständische Firmen wenden sich mit Ideen an den Innovationsmanager: »Das kann zum Beispiel die Einführung einer technischen Neuerung sein, die ein besseres Printprodukt zum Ziel hat«, erzählt Weber. »Wir begleiten die Unternehmen dann bis zur Umsetzung, unterstützen sie organisatorisch und auf der Suche nach geeigneten Fördertöpfen.«

Innovationsmanagement ist ein relativ neues Berufsbild, das betriebswirtschaftliche und technische Schwerpunkte miteinander vereint und besonders für angehende Ingenieure ein attraktives Jobfeld darstellt. »Eine Produktidee erfolgreich auf den Markt zu bringen, gehört mittlerweile auch zu den Kernaufgaben von Ingenieuren«, sagt Lars Funk, Bereichsleiter für Beruf und Gesellschaft beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI). »In deutschen Unternehmen sind deshalb viele Ingenieure als Innovationsmanager tätig – auch wenn sie dabei andere Titel tragen.«


»Innovationsmanager? Haben wir nicht!« Diese Auskunft wird erteilt, wenn man zum Beispiel in den Pressestellen von Siemens und Mercedes nach dem neuen Berufsprofil fragt. Kann es sein, dass technologieführende Konzerne in Deutschland keine Innovationsmanager beschäftigen? Nein, natürlich ist das nicht so. Innovationsmanager laufen dort bislang noch unter anderen Bezeichnungen: Es sind zum Beispiel Marketingleiter, Produktmanager oder Projektleiter, die solche Aufgaben erfüllen, die immer häufiger als Innovationsmanagement bezeichnet werden.

»Bislang haben nur knapp 50 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen nach eigenen Angaben mindestens einen Innovationsmanager beschäftigt«, erzählt Professor Frank Andreas Schittenhelm, Leiter des Studiengangs Innovationsmanagement an der Hochschule Esslingen. »Nach unseren Umfragen brennt das Thema jedoch fast allen unter den Nägeln, weil Innovation als Kennzeichen unternehmerischen Handelns erkannt worden ist.« Das Berufsbild werde in den kommenden Jahren massiv an Bedeutung gewinnen, schätzt Schittenhelm: »Schon heute erreichen uns Hilferufe von Unternehmen, die händeringend Innovationsmanager suchen.« Die Absolventen aus Schittenhelms Studiengang finden deshalb regelmäßig reißenden Absatz auf dem Bewerbermarkt. In Esslingen ist der Masterstudiengang Innovationsmanagement zu 60 Prozent aus BWLern und zu 40 Prozent aus Ingenieuren zusammengesetzt, berichtet Professor Frank Andreas Schittenhelm. »Gerade für Ingenieure ist diese Ausbildung ideal, wenn sie nicht nur Forschungs- und Entwicklungsaufgaben übernehmen wollen, sondern auch Management- und Führungsverantwortung.«

Der Andrang auf den Esslinger Studiengang ist groß: Auf 15 freie Plätze kommen rund 100 Bewerbungen, was auch daran liegt, dass sich bislang nur rund 40 Lehrstühle im deutschsprachigen Raum des Themas Innovationsmanagement angenommen haben. Als die Hochschule Esslingen 2007 den neuen Studiengang einführte, gehörte sie noch zu den Vorreitern. Heute wird Innovationsmanagement zum Beispiel auch an der FH Ludwigshafen und an der Uni Oldenburg angeboten.


Bei Bosch heißen die neuen Fachkräfte ›Innovation Specialist‹ oder ›Innovation Agent‹. Der Technologiekonzern hat dafür eigens einen neuen Ausbildungsgang geschaffen. »Früher kamen häufig Entwickler zu uns und wollten die strategisch wichtige Vorgehensweise für ihre Innovationsaufgabe haben oder suchten Ansprechpartner in der Organisation«, berichtet Marco Lang aus der Bosch-Zentralstelle Organisationsentwicklung und Prozesseffizienz, der den neuen Ausbildungsgang ins Leben gerufen hat. »Uns wurde klar, dass wir mehr Spezialisten für Innovationsvorhaben brauchen.« Einer der neuen ›Innovation Manager‹ bei Bosch ist Thomas Ziegler, der im Produktmanagement ›Passenger Cars, Diesel Systems‹ tätig ist. »Meine Ausbildung hat den Effekt, dass ich nun die besten Praktiken aus verschiedenen Bosch-Bereichen umsetze«, sagt Lang. »Ziel ist letztlich, innovative Ideen systematisch zu generieren und schnell zur Serienentwicklungsreife zu bringen.«


Wie viel Innovationsmanager verdienen, ist bislang noch nicht statistisch erhoben. Schätzungen gehen davon aus, dass die Einstiegsgehälter bei jährlich 50.000 Euro und aufwärts liegen. Auch welche Aufstiegschancen sich aus dem Tätigkeitsfeld Innovationsmanagement ergeben, ist noch nicht zu sagen. In der Regel kann der Innovationsmanager zum Senior Berater einer Firma aufsteigen oder in eine große Unternehmensberatung wechseln. »Natürlich muss man dafür bestimmte Fähigkeiten mitbringen, die sonst nicht unbedingt zum Ingenieur-Profil zählen«, sagt Prof. Schittenhelm von der Hochschule Esslingen: »Soziale Kompetenz, Führungsqualitäten, Internationalität.«

»Ein reiner Daniel Düsentrieb ist ein schlechter Innovationsmanager«, sagt auch Urs Weber bei der Cluster Druck und Printmedien x-medial Bayern GmbH in München. Als Innovationsmanager müsse man tagtäglich die verschiedensten Partner zusammenbringen und dafür sorgen, dass sie auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Man müsse sich für neue Ideen begeistern und jeden Tag neuen Aufgaben stellen. »Und genau diese Herausforderungen bereiten mir am Beruf des Innovationsmanagers den größten Spaß«, bilanziert Weber.


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