Karriere bei einem Ingenieurdienstleister

Die Branche der Ingenieurdienstleister boomt aufgrund des Fachkräftemangels – dem Nachwuchs winken immer wieder neue und abwechslungsreiche Jobangebote

Frau vor grüner Wand hält sich ein Strauß Rosen vors Gesicht
madochab / Quelle: PHOTOCASE

Blitzschnell umzudenken gehört zu Marbod Kindermanns Berufsalltag: »Es kann passieren, dass ich von der Entwicklung eines Fahrzeugzubehörs hin zum Komponenten einer Kaffeemaschine wechseln muss«, erzählt der 29-jährige Maschinenbauingenieur, der bei der Invenio AG beschäftigt ist – einem Unternehmen, das international und branchenübergreifend Ingenieursdienstleistungen in den Bereichen Entwicklung, Industrialisierung, Software und Beratung anbietet. »Ich hab es immer wieder mit neuen Kunden zu tun und auch mit völlig unterschiedlichen Branchen«, berichtet Kindermann. »Je nach Wunsch des Kunden bedeutet das, dass zu meinen Aufgaben auch Angebotserstellung, Konzeptentwicklung, Nutzwertanalysen, Gestaltung, Konstruktion und Erprobung von Prototypen, Optimierung der Konstruktion für die Serienfertigung, aber auch Bauteilberechnung und Auslegung gehören.«

Das Bäumchen-Wechsle-Dich-Spiel geht Kindermann aber keineswegs auf die Nerven – im Gegenteil: »Mein Arbeitsalltag besteht nicht nur aus den klassischen Maschinenbaudisziplinen, sondern umfasst das ganze Spektrum und unterstützt ein ganzheitliches Denken für die Entwicklung«, sagt Kindermann. Die »kreative Arbeit im Team« mache einen Job bei einem Ingenieurdienstleister besonders interessant. Immer häufiger kaufen sich Großunternehmen wie Siemens oder EADS Ingenieure bei ausgesuchten Dienstleistungspartnern ein, anstatt bestimmte Stellen selbst zu besetzen. In Zeiten wirtschaftlicher Engpässe und angespannter Arbeitsmärkte werden Ingenieurdienstleister deshalb gern als ›Leihbuden‹ verschrien. Fakt ist jedoch: Die Branche boomt und hat für Absolventen flexible und attraktive Jobs zu bieten. »Der Trend zur Reduzierung der Zahl der externen Partner für Technologieberatung und Engineering Services hat sich umgekehrt«, sagt Hartmut Lüerßen, Partner der Lünendonk GmbH, die eine Studie durchgeführt hat, nach der von 150 befragten großen mittelständischen und großen Unternehmen in Deutschland rund 38 Prozent eine größere Zahl an externen Engineering-Partnern erwarten. »Dass die Lieferfähigkeit inzwischen das wichtigste Auswahlkriterium der Auftraggeber-Unternehmen ist, zeigt, dass die Unternehmen den Fachkräftemangel als ernsthafte Bedrohung für ihre Projekte sehen.« Der Hintergrund: Ingenieurdienstleister können flexibler auf Projektaufträge reagieren und schneller liefern, weil sie Personal gezielter einsetzen können.

Nachwuchsingenieure wie Marbod Kindermann bei Invenio schätzen diese Flexibilität: »Ich wollte in einer Firma arbeiten, die sich auf keine Branche festlegt und das ganze Spektrum der Produktentwicklung anbieten kann.« So sei eine große Abwechslung gegeben und man fokussiere sich nicht auf einen speziellen Bereich und bleibe damit unabhängig. »Durch flache Strukturen und die im Verhältnis zu großen Konzernen relativ kleinen Niederlassungen ist ein Abteilungsdenken in der Entwicklung ausgeschlossen und man kann die Zeit effektiv für das eigentlich Ziel nutzen«, findet Kindermann. So sieht das auch Liliane Tchouli: »Bei einem Ingenieurdienstleister bekomme ich durch den Einsatz in unterschiedlichen Projekten vielfältige Einblicke in verschiedene Unternehmen und Branchen, was für meine Weiterentwicklung eine robuste Basis an Erfahrungen schafft«, ist sich die Wirtschaftsingenieurin sicher. Bei der Ferchau Engineering GmbH ist die Ingenieurin im Qualitätsmanagement mit Optimierungsprojekten von Fertigungsprozessen und Arbeitsabläufen betraut.

Liliane Tchoulis Arbeitgeber gehört zu den größten Unternehmen der Branche und rechnet auch in Zukunft mit wachsendem Nachwuchsbedarf. »Die Arbeitsmarktlage für Ingenieure im Bereich der Engineering-Dienstleistungen schätze ich weiterhin positiv ein«, urteilt Markus Präßl, Vertriebsleiter Nord-West bei Ferchau. Allein im Jahr 2013 wolle das Unternehmen 800 neue Mitarbeiter einstellen. Dafür gewünscht seien ein Bachelor- oder Masterabschluss in einem MINT-Fach, alternativ staatlich geprüfte Techniker mit Berufserfahrung. »Weiterhin sind Sprachkenntnisse – vor allem Englisch –, eine fundierte Ausbildung in Projektmanagement-Methoden, Berufserfahrung und relevante Praktika erforderlich«, ergänzt Präßl.

Auch bei Invenio schätzt man die Berufsaussichten als glänzend ein: »Sowohl kleine und mittelständische Unternehmen als auch die ganz großen Global Player wissen unsere Dienstleistung zu schätzen und bauen fest auf diese flexible Masse an externen Mitarbeitern«, berichtet Michael Kübelwünsche, Leiter Produkt- & Systementwicklung bei Invenio Engineers Karlsruhe GmbH. Dabei sei es meist zweitrangig, ob Spezialisten beim Kunden vor Ort die eigenen Teams unterstützen oder einzelne Pakete geschnürt werden, die in enger Abstimmung mit dem Kunden in Invenio-Räumlichkeiten abgearbeitet werden. »Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten können Projekte mit unserer Hilfe weiter vorangetrieben werden, ohne sich langfristig an neue Mitarbeiter binden zu müssen. Diese Flexibilität wird immer häufiger gefordert, um im strenger werdenden Wettbewerb weiter erfolgreich bestehen zu können«, sagt Michael Kübelwünsche.

Ingenieurdienstleister haben aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher aktueller Projektanfragen ständig an allen Standorten sowohl interne als auch externe Stellen zu besetzen. Einen Überblick kann man sich über die Stellenausschreibungen auf ihren Homepages verschaffen. »Die Ausschreibungen ändern sich aufgrund der Projektsituation jedoch laufend und können nicht immer auf aktuellem Stand gehalten werden. Daher freuen wir uns auch über eine Initiativbewerbung, wenn auf den ersten Blick keine passende Stelle zu finden ist«, sagt Michael Kübelwünsche von Invenio. Obwohl Arbeitgeber der Engineeringbranche überwiegend breit aufgestellte Generalisten suchen, gibt es auch hier Spezialisten. So hat sich beispielsweise P3 Communications weltweit als Dienstleister für Mobilfunkanbieter einen Namen gemacht. Hier arbeitet der 32-jährige Ingo Schroeder, der Elektrotechnik mit der Fachrichtung Nachrichtentechnik an der FH Aachen studiert hat. »Die Projekte stehen größtenteils in Zusammenhang mit den Funkschnittstellen der Netze«, erzählt der Ingenieur. »Mein Projektportfolio geht von der Erstellung und Bewertung von Ausschreibungen landesweiter Netze über Abnahmezertifizierung bis zur Leistungsoptimierung für den Endverbraucher.« Besonders interessant seien die Projekte, die in Verbindung mit der neu eingeführten Technologie LTE stehen: »Sie sind eine besondere Herausforderung, hier gibt es viel Potenzial zur Optimierung«, berichtet Schroeder.

Derzeit verzeichnet P3 ein jährliches Wachstum von 100 Prozent. »Wir sind immer auf der Suche nach guten Kandidaten in verschiedenen Bereichen«, bestätigt Thi Thanh Vi Dao, Sprecherin der P3 Ingenieurgesellschaft mbH. «Einen großen Wert legen wir auf Social Skills, denn ein Ingenieur muss sowohl intern als auch extern glänzen.« Um professionell beim Kunden aufzutreten, sei es wichtig, ein Team um sich zu haben, mit dem man gemeinsam die besten Ergebnisse erzielen könne. »Man sollte sich nicht den Job aussuchen, der statistisch gesehen die besten Gehälter hat, sondern der einem am besten liegt«, findet Thi Thanh Vi Dao. Denn eines ist sicher: »Nur so kann man sich optimal im Beruf mit Spaß weiterentwickeln.«


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