So hilft Ingenieure ohne Grenzen: Interview mit René Langheinrich

Egal, welche Disziplin, egal, wie alt: Anpacken und gutes Tun – das können Ings mit der Hilfsorganisation ingenieure ohne Grenzen. Wie das funktioniert, erzählt René Langheinrich

Foto:

privat

René Langheinrich leitet die operative Arbeit, also projektspezifische Geschäfte im In- und Ausland, bei Ingenieure ohne Grenzen. Zu seinen Aufgaben zählen die Teamleitung, Projekt- und Programmentwicklungen sowie Machbarkeitsüberprüfungen.

 

Herr Langheinrich, wie sind Sie zu Ingenieure ohne Grenzen gekommen?  Ich habe vorher in der Forschung an der TU Berlin gearbeitet und habe Verkehrswesen – Fachrichtung Luftfahrt studiert. Zum Verein bin ich schon viele Jahre vor meiner Einstellung ehrenamtlich gekommen, weil ich mich in der internationalen Zusammenarbeit engagieren wollte. Schließlich wurde ein hauptberufliches Engagement daraus.

Was motiviert Sie, bei Ingenieure ohne Grenzen zu arbeiten?  Die Herausforderungen, die sich bei der internationalen Zusammenarbeit ergeben, begeistern mich. Ein Grundsatz von Ingenieure ohne Grenzen ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Das stellt meiner Meinung nach eine Bereicherung für alle Beteiligten dar.

Klingt nach einer erfüllenden Aufgabe. Was war bisher Ihr persönlich größter Erfolgsmoment bei Ingenieure ohne Grenzen?  Unsere akute Soforthilfe in Nepal nach dem Erdbeben 2015. Wir konnten eine schnelle Ausreise unserer Mitarbeiter ermöglichen. Durch einen verlässlichen Partner vor Ort waren wir in der Lage, recht schnell Notunterkünfte für die betroffenen Menschen zu bauen. So hatten sie als die Monsunzeit begann, erstmal ein Dach über dem Kopf und konnten die provisorischen Unterkünfte, die sie sich aus Zeltplanen gebaut hatten, verlassen.

»Die Projektfinanzierung zählt zu unseren wesentlichen Herausforderungen.«

Notunterkünfte bauen, Bedürftigen mit Technik-Know-how helfen: Wie viele hauptberufliche Ingenieure beschäftigt der Verein – und wer kann sich bewerben?  Bei uns arbeiten aktuell zwölf Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. Derzeit gibt es in der Geschäftsstelle in Berlin keine Vakanzen, aber ehrenamtliches Engagement in den über 30 Regionalgruppen ist jederzeit möglich.

Was sind die Zielsetzungen des Vereins?  Ingenieure ohne Grenzen ist seit 2003 weltweit tätig, um die Lebenssituation der Menschen durch den Aufbau einer Wasser- oder Stromversorgung oder den Bau einer Sanitäranlage zu unterstützen.

Wie sieht das Engagement des Vereins konkret aus?  Der Verein setzt Projekte im Aus- und Inland um und engagiert für eine Vielzahl seiner Aktivitäten ehrenamtliche Mitarbeiter. Während wir im Ausland die Lebensbedingungen von Menschen durch etwa Wasser- oder Energieprojekte verbessern wollen, unterstützen wir in Deutschland derzeit Geflüchtete bei der Arbeitsmarktintegration.

Welche Projektthemen gab es bisher?  Grundsätzlich versuchen wir die Lebensbedingungen von Menschen in unseren Partnerländern zu verbessern. Dazu setzt der Verein auf eine Vielzahl technischer Implementierungen. Weiterhin ist bei unserer Arbeit auch der Bereich des gemeinsamen Lernens, Austausch von Wissen und Aufbau von Strukturen verstärkt im Fokus.

Sie verfolgen dabei den Ansatz ›Hilfe zur Selbsthilfe‹ …  Das Ziel eines jeden Projektes ist, dass die Menschen selbstständig die Anlagen warten und reparieren – auch nachdem unsere Mitarbeiter abgereist sind. Beim Zisternenbau in Tansania hat die Partnerorganisation zum Beispiel selbstständig weitergemacht und weitere Arbeiter ausgebildet, so dass sich Teams bilden konnten, die sich nun um viele Anlagen kümmern können.

Wer initiiert Projekte wie den Brunnenbau in Tansania eigentlich?  Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: Projekte können durch die Eigeninitiative unserer Mitglieder und Mitarbeiter entstehen oder aus unserem weltweiten Netzwerk, aufgrund von Sofortmaßnahmen – etwa nach einer Katastrophe – oder durch Initiative der Förderer.

Nachdem der Entschluss gefasst wurde, anzupacken: Wie geht es weiter?  Ein Projekt beginnt in der Regel mit einer Machbarkeitsstudie. Je nach Komplexität werden hierfür ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter entsendet. Anschließend binden wir am Projekt beteiligte Stakeholder ein. Dazu zählen lokale Partnerorganisation sowie Förderer in Deutschland. Vor Ort unterstützen einzelne Ingenieure das Projekt mit technischem Wissen. Gemeinsam mit den Mitarbeitern aus der Partnerorganisation werden die Anlagen gebaut. Durch die Kooperation ist die Akzeptanz der neuen Anlagen bei den Menschen sehr hoch und sie sind in der Lage, Reparatur- und Wartungsarbeiten vorzunehmen.

»Hilfe zur Selbsthilfe steht stets im Vordergrund unserer Arbeit.«

Wie stellen Sie sicher, dass die Projekte, die Sie durchführen, auch wirklich einen ›guten Zweck‹ erfüllen?  Wir kooperieren in den Partnerländern stets mit registrierten und erfahrenen Organisationen. Die enge Zusammenarbeit und der Austausch mit den Menschen vor Ort stellt sicher, dass wir die Bedürfnisse erkennen und so angepasste Lösungen liefern können.

Welche Herausforderungen begegnen den engagierten Ingenieuren?  Die Herausforderungen sind vielfältig: Viel Energie wird bereits in Deutschland in die Vorbereitung gesteckt, damit die ehrenamtlichen Mitarbeiter gut auf ihren Einsatz vorbereitet sind. Vor Ort geht es darum, ein Projekt mit Menschen unterschiedlicher Kulturen und Hintergründe umzusetzen und diese dabei in den Mittelpunkt zu rücken. Unsere Organisation unterstützt diesen Prozess vor Ort. Das bedeutet in der Regel die größte Herausforderung für unsere Mitarbeiter.

Die Projekte des Vereins sind häufig in anderen Kulturkreisen angesiedelt. Wie bereiten sich die Helfer auf ihren Auslandseinsatz vor?  Wir bieten ein Vorbereitungsprogramm an, dass Workshops und Seminare zum Thema praktische Projektarbeit umfasst, sowie die Themen Sicherheit, interkulturelles Verhalten, Kommunikation, Sensibilität und so weiter.

Wie fallen die Reaktionen der helfenden Ingenieure nach dem ersten Einsatz meist aus?  Häufig erfahren die Menschen den Aufenthalt als eine erfüllende Arbeit und Bereicherung, bei der ihnen bewusst wird, wie viel sie von den Menschen und Partnernorganisationen vor Ort lernen können und dabei ihre zuvor erdachte Projektidee mit den Menschen abgleichen. Viele sind auch nach Abschluss des Projekts noch lange in Kontakt mit den Menschen, die sie vor Ort kennengelernt haben.

Petra Herr

Dieser Text stammt aus der Feder von:

Petra Herr

herr(at)audimax.de
Telefon: 0911-23779 41

12.06.2017
Teile diese Seite

Artikelsuche

Foto: Armando Aguayo Rivera / Quelle: <a href="http://www.flickr.com/" target=_blank>Flickr.com</a> unter CC BY 2.0

Stell dich unseren Fragen für angehende Ingenieure und finde heraus, wie gut dein Wissenstand bereits ist.


Mach mit beim Ingenieur-Quiz!