Fahrradfahrer
Foto: Roman Koester/ Unsplash

Klimafreundliche Fortbewegung in Städten

So wird der Traum von einer nachhaltigen Mobilität zur Wirklichkeit

Professor Dr. Andreas Knie ist sich sicher: Für eine Mobilitätswende braucht es eine kleine Revolution. »Die Industrie, die bisher den Verkehr organisiert hat, möchte ihn eigentlich auch so erhalten – aber er ist eben we- der nachhaltig noch auskömmlich. Entsprechend gibt es Wi- derstand«, so der Mobilitätsforscher vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Seine Aussage bezieht sich dabei vor allem auf Taxifahrer, die öffentlichen Verkehrsbetriebe sowie die Autoindustrie. Wohin aber mit den Menschenmassen, die täglich befördert werden müssen? Sind Seilbahnen, wie sie beispielsweise den Bahnhof Dachau mit dem Münchener Stadtteil Moosach verbinden soll eine mögliche Lösung? »Es gibt immer wieder die Notwendigkeit gebündelter Verkehrssysteme, die Personen über U- oder S- Bahn von A nach B bringen. Hier können Seilbahnen in einem Gesamtverkehrssystem eine sinnvolle Lösung darstellen. In der Utopie der Urban Mobility ist eine Stadt nie mehr als eine Stunde Wegzeit groß.«

CO2-POSITIVE FORTBEWEGUNG

»Pro 250 gefahrene Kilometer pflanzen wir einen Baum«, so Niclas Schubert, Geschäftsführer von movelo. Das Unternehmen stellt E-Bike Mobilität für Unternehmen bis hin zur touristischen Vermietung. Die E-Bike-Flotte kann über eine App überwacht und verwaltet werden. Das Besondere für Schubert ist, »dass wir hinsichtlich des technischen Equipments, der digitalen Komponenten sowie aller Serviceleistungen eine einzigartige Komplettlösung bieten und somit für Unternehmen leicht implementierbar sind.« Seit über zehn Jahren vermietet movelo bereits E-Bikes – 2018 konnte mit dem Konzept sogar der Mobilitätspreis der Metropolregion München gewonnen werden. Gerade im Hinblick auf die Urbane Mobilität ist sich Schubert sicher, dass E-Bikes nicht nur als Fortbewegungsmittel in der Freizeit, sondern auch in anderen Situationen eine optimale Alternative zu an- deren Verkehrsmitteln darstellen. Kurzstrecken ließen sich noch schneller zurücklegen, da der Bewegungsradius bei geringerer Anstrengung erhöht werde. »Die Mobilität muss und wird sich komplett und nachhaltig ändern. Im Vorder- grund stehen drei Faktoren: Zeit, Kosten und der ökologische Fingerabdruck«, so Schubert.

AUTONOMER PERSONENTRANSPORT

Von einem anderen Blickwinkel nähert sich ZF Friedrichshafen dem Thema Urban Mobility. »Wir gehen davon aus, dass in städtischen Gebieten schon bald selbstfahrende Robo-Taxis, Shuttles oder Kleinbusse unterwegs sein werden«, erklärt Arnold Schlegel. Der Projektleiter für Level 4 Funktionsen- wicklung arbeitet mit seinem Team an Softwarefunktionen für das automatisierte Fahren im Bereich der Smart Mobility Solutions. »Wir bringen Fahrzeugen das Denken bei«, fasst er zusammen. Ziel sei es, dass die selbstlenkenden Gefährte mithilfe von Sensoren in Echtzeit alle relevanten Objekte wahrnehmen, erkennen und entsprechend handeln. Problematisch sei es vor allem, einer Maschine die Komplexität menschlichen Handelns und der Umwelt zu ›erklären‹ und sie passende Entscheidungen treffen zu lassen. »Vor allem auch die richtigen Entscheidungen, denn Sicherheit steht für uns an oberster Stelle«, so Schlegel. Zum Einsatz kommen wird die von seinem Team programmierte Software im ›People Mover‹, den ZF in Zusammenarbeit mit dem Start- up e.Go entwickelt: Ein kastenförmiger Kleinbus mit einer Reichweite von bis zu 150 Kilomtern, der – seinem Namen entsprechend – darauf ausgelegt ist, bis zu 15 Personen elektrisch und autonom zu transportieren. Mit einem ähnlichen Konzept geht auch der Automobilzulieferer Schaeffler ins Rennen. Martin Laumann ist Projektleiter des ›Schaeffler Mover‹, eine flexible und emissionsfreie Plattform für unterschiedlichste Fahrzeugkonzepte. Für ihn steht fest: »Das besonders innovative sind mit Sicherheit die 90-Grad-Lenkmodule, die Radnabenantriebe und die Fahrdynamikregelung.« Durch die beweglichen Lenkmo- dule lässt sich der Mover auch auf engem Raum problemlos manövrieren – lästiges rückwärts seitwärts Einparken entfällt. Neben dem platzsparenden Wendekreis von weniger als fünf Metern, punktet der Schaeffler Mover durch flexible Anpassungsmöglichkeiten: Der Aufbau lässt sich umrüsten. Zudem kann das Fahrzeug, neben dem Modus für autonomes Fahren, auch per elektromechanischem Steer-by-Wire- System gesteuert werden. Laumanns Vision für die Zukunft der Mobilität? »Ich glaube, dass autonome Fahrzeuge eine immer größere Rolle einnehmen werden als heute.«

HERAUSFORDERUNGEN AUF DEM WEG

Bei der Entwicklung der Urban Mobility müssen Ingenieure viele Herausforderungen bewältigen. Niclas Schubert von movelo weiß, was Absolventen im Berufsleben erwartet: »Stets einen Blick in die Zukunft richten und dabei kreativ, technologisch durchdachte Produkte zu entwickeln, sind Kernaufgaben.« Diese dann perfekt in den Vertrieb zu bringen und auf dem Markt zu optimieren, erfordern neben einer innovativen Denkweise eine hohe Koordinations- und Führungsfähigkeit. Laut Martin Laumann ist es zudem wichtig, neben einer guten technischen Grundlage auch Interesse und Wissbegierde mitzubringen. Und Arnold Schlegel ergänzt: »Ich bin fest davon überzeugt, dass jemand, der für ein Thema Feuer und Flamme ist, auch darin erfolgreich sein wird.«


Anzeige

Anzeige