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Let's connect: Worüber Autos miteinander tuscheln

Autos, die miteinander und mit ihrer Umwelt kommunizieren? Hört sich nach dem Disneyfilm Cars an, hat aber nichts mit wirklich sprechende Fahrzeugen zu tun

Von Buchstaben und Zahlen

Car2X oder V2X (Car/Vehicle-to-everything) ist der nächste Meilenstein der Verkehrssicherheit. Dem ist sich Dr. Reinhard Kolke, Leiter des ADAC Technik Zentrums, sicher. Bisher tauschen Autos vor allem Infos mit ihren Herstellern aus. Künftig soll das verstärkt auch mit anderen Verkehrsteilnehmern (Car2Car) oder Infrastrukturen (Car2I) möglich sein. Kolke vergleicht den Fortschritt mit der Tragweite von ABS oder Airbag seinerzeit – mit einem Unterschied: »Endlich gibt es die Möglichkeit, Unfälle komplett zu verhindern und nicht nur deren Schwere abzumildern.« So können beispielsweise die Positionen aller auf eine Kreuzung zufahrenden Autos in Echtzeit gegenseitig übermittelt werden. Im Fall einer drohenden Kollision wird dann ein Notbremssystem ausgelöst und der Crash verhindert.

Sensoren für mehr Sicherheit 

Car2X-Kommunikation hat nicht nur das Potenzial, für höhere Sicherheit zu sorgen, auch andere Probleme des Straßenverkehrs können damit umgangen werden. Wie wäre es zum Beispiel, durch die perfekte Geschwindigkeit nur grüne Ampeln zu erwischen und lästiges Abbremsen ebenso wie Rückstaus zu vermeiden? GLOSA lautet hier das Stichwort, also ›Green Light Optimal Speed Advice‹, ein System, an dem zum Beispiel Audi gerade tüftelt. Neben der Verbesserung des Verkehrsflusses ist es möglich, Mitteilungen über schwächere Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern und Radfahrern zu erhalten, Umweltdaten zu sammeln, den toten Winkel zu überwachen oder mit sogenanntem Platooning eine dicht fahrende Kolonne vor allem durch den ersten Fahrer zu steuern. Damit sind nur einige Anwendungsfälle genannt. Die Autos von Mercedes übermitteln beispielsweise gegenseitig Warnungen zu gesperrten Straßen oder Sichteinschränkungen.

Dieselbe Sprache sprechen

Die meisten Ideen im Bereich V2X befinden sich derzeit noch in der Entwicklung. Herausforderung ist dabei, den Austausch der Informationen zuverlässig und in Echtzeit zu ermöglichen und dafür die geeigneten Kommunikationswege zu finden. Von Fahrzeug zu Fahrzeug basiert der Datenaustausch vor allem auf drahtlosen Netzwerken und Mobilfunktechnik, die fest im Auto verbaut ist. Auf Seiten der Infrastruktur fehlt bisher noch der empfangende und sendende Gegenpart, der mit den vernetzten Autos kommunizieren kann. Über ein Kommunikationsprotokoll könnte dann ein Austausch von Daten stattfinden. Reinhard Kolke vom ADAC betont aber, wie wichtig ein einheitliches System ist: »Autos aller Hersteller müssen bei V2X rasch dieselbe Sprache sprechen. Denn nur dann kann V2X seine volle Wirkung entfalten«.

Möglichkeiten der Vernetzung

Eine Möglichkeit, die Autos und Infrastrukturen untereinander zu vernetzen, ist das sogenannte WLANp. Es vernetzt Fahrzeuge in einem Radius von bis zu 800 Metern und tauscht dabei Standortdaten und Informationen zwischen ihnen aus. Volkswagen nutzt dieses Prinzip, um zum Beispiel die Position von herannahenden Einsatzfahrzeugen anzuzeigen. Dieses Wissen soll den Fahrer darauf vorbereiten, ob er von der Situation betroffen ist und gegebenenfalls das frühere Bilden einer Rettungsgasse ermöglichen. Der Vorteil ist, dass die Hardware für das System in allen Fahrzeugen fest verbaut ist und es so länderübergreifend funktioniert. Durch die Echtzeitübertragung werden keine Daten gespeichert. Auch hoch im Kurs wird das Mobilfunksystem Cellular-V2X gehandelt. Hier werden die Daten über das 4G- oder LTE-Netz übermittelt. Vorteil ist die höhere Reichweite und die Zukunftsträchtigkeit in Bezug auf 5G, jedoch können Funklöcher Probleme bereiten. Welche Technologie das Rennen macht, wird derzeit auch auf EU-Ebene verhandelt, allerdings sind die Länder noch zu keiner Einigung gekommen.

Job4U

Wer sich als ITler*in für einen Job im Bereich Car2X interessiert, dem bieten sich laut Reinhard Kolke mehrere Möglichkeiten: »Ich sehe da in erster Linie die Aufgabe der Programmierung von Software für den V2X-Stack, die Applikationen und die Benutzerschnittstelle. Darüber hinaus ist auch das V2X-Modul, das Protokoll-Stack, zu programmieren – jedoch ist das Aufgabengebiet auf wenige Ingenieure beschränkt. Ein nicht zu verachtender Aufgabenbereich ist auch die Sammlung, Auswertung und Komprimierung von Verkehrsdaten, die im Umfeld der V2X-Bewegung anfallen. Das ist dann IT im klassischen Sinne.«


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