Masterstudium als Ingenieur: Zweistufiges Technikstudium

»Nutzt die Zeit des Lernen könnens!«

Professor Gerhard Müller

Professor Gerhard Müller, Mitglied von 4ING, über die Vorteile eines zweistufigen Technikstudiums

Herr Prof. Dr. Müller, wie wichtig ist der Masterabschluss für Ingenieure?
Der Master ist für Studierende der Ingenieurwissenschaften an Unis das Ziel, da er insgesamt besser auf die Berufstätigkeit vorbereitet. Im zweijährigen Master eignen sich Ingenieure Kompetenzen an, die sie in dieser Form nicht im Beruf lernen. Insofern spiegelt sich das auch in den späteren Karrieremöglichkeiten wider. Hinzu kommt, dass es ein Jammer wäre, wenn ein Bachelorabsolvent in dieser Zeit des ›Lernenkönnens‹, also wenn er gerade mitten im Studium steckt, den weiterführenden Masterabschluss nicht erlangen würde.


Ist der Bachelor dann überhaupt für angehende Ingenieure ein berufsqualifizierender Abschluss?
Die Extra-Kenntnisse durch den Master sind so groß, dass sich sowohl für den Studierenden als auch für die Gesellschaft die damit verbundene Investition in Qualifikation in jeder Hinsicht lohnt und den zwei Jahre späteren Berufseintritt deutlich überkompensiert. Allerdings muss man auch sagen, dass eine Begriffsverwirrung in puncto ›berufsqualifizierend‹ stattgefunden hat. Wenn ein Bachelorabsolvent ins Arbeitsleben eintritt, hat er eben bestimmte Inhalte nicht gelernt, was er nur in Grenzen nachholen kann. In der Einarbeitung werden Handlungskompetenz und Fertigkeiten ausgebaut, die auf den im Bachelor-Master- Studium vermittelten Kenntnissen aufbauen.

Welche Hürden muss ein Bachelorabsolvent überwinden, um ein Masterstudium beginnen zu können?
4ING kämpft dafür, dass alle Studierenden, die geeignet und motiviert sind, auch die Möglichkeit bekommen sollen, den Master zu absolvieren. Wir haben Eignungsfeststellungsverfahren an Hochschulen installiert, etwa über Noten oder Motivationsgespräche.

Was ist bei einem berufsbegleitenden Master zu beachten?
Gerade der konsekutive Master ist aufgrund der Lernbelastung parallel zum Job kaum möglich. Wenn jemand das Ziel hat, einen Master berufsbegleitend zu studieren, sollte er zuvor prüfen, ob das Studium überhaupt zur Lebensplanung passt und in den Beruf integrierbar ist. Meines Erachtens gibt es bisher nur wenige Unternehmensprogramme, die dies zulassen. Von daher würde ich es begrüßen, wenn die freie Wirtschaft oder der öffentliche Dienst geeignete Formate für den berufsbegleitenden Master anbieten würden.

Inwiefern sehen Sie hier auch die Politik in der Pflicht?
Wenn ein guter Ingenieur bei einer Firma einsteigt und eingearbeitet ist, ist er schwer entbehrlich. Auf der anderen Seite macht es Sinn, dass man diesen Mitarbeiter durch einen Master weiterqualifiziert. Dafür müssen die Firmen, gerade mittelständische, Einschnitte in Kauf nehmen. Hier vermisse ich im Moment geeignete Formen, wie man dies Prof. Dr. Gerhard Müller ist Ordinarius des Lehrstuhls für Baumechanik an der Technischen Universität München und Mitglied von 4ING, dem Dachverein der Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Universitäten. In dieser Funktion setzt sich Gerhard Müller unter anderem für ein leistungsfähiges Hochschulsystem im Bolognaprozess ein. auch umsetzen kann – und in diesem Punkt ist sicher die Politik auch gefordert.

Wie ratsam ist ein Masterstudium im Ausland?
Das ist ein interessanter Ansatz und auch einer der Vorteile des Bolognaprozesses. An der TU München haben wir beispielsweise hervorragende Erfahrungen mit Doppel-Masterabschlüssen gemacht, bei denen Studenten die eine Studienhälfte in Deutschland absolvieren und die andere in Frankreich. Auslandserfahrungen sind sehr gute Voraussetzungen fürs spätere Berufsleben. Gleichwohl finde ich es sehr positiv, die Zäsur nach dem Bachelorabschluss für einen Auslandsaufenthalt zu nutzen und für den Master wieder nach Deutschland zurückzukehren.

In letzter Zeit sind Stimmen laut geworden, wieder den Titel ›Dipl.-Ing.‹ einzuführen. Wie ist hier Ihre Haltung?
Der ›Dipl.-Ing.‹ ist gerade im Ausland ein anerkanntes Gütesiegel für deutsche Ingenieurkunst. Insofern setzt sich 4ING auch dafür ein, den Absolventen eines konsekutiven Masterstudiengangs neben dem ›Master of Science‹ den ›Dipl.-Ing.‹ zu verleihen. Zu sagen, wir schaffen Bologna wieder ab und kehren zum Diplom zurück, ist bestimmt nicht der richtige Weg.

 


Prof. Dr. Gerhard Müller ist Ordinarius des Lehrstuhls für Baumechanik an der Technischen Universität München und Mitglied von 4ING, dem Dachverein der Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Universitäten. In dieser Funktion setzt sich Gerhard Müller unter anderem für ein leistungsfähiges Hochschulsystem im Bolognaprozess ein.

 

 

Foto: Armando Aguayo Rivera / Quelle: <a href="http://www.flickr.com/" target=_blank>Flickr.com</a> unter CC BY 2.0

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