Dr.-Ing. Frank O.R. Fischer lächelnd, auf einem Arm aufgestützt.
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MatWerk: Arbeitsmarkt, Digitalisierung, Soft Skills

Alles, was MatWerk-Studierende für Ihren Berufseinstieg wissen sollten, im Interview mit Dr.-Ing. Frank O.R. Fischer

Dr.-Ing. Frank O.R. Fischer ist Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde (DGM)

Herr Dr. Fischer, wie hat sich die Branche für Materialwissenschaft und Werkstofftechnik im vergangenen Jahr entwickelt?

Die MatWerk-Branche hat sich vergleichbar zur ökonomischen Gesamtentwicklung in Deutschland gut verhalten. Besonders der Bereich der Nicht-Eisen-Metall-Industrie entwickelte sich hervorragend. Mit dieser Basis bin ich sehr zuversichtlich, dass diese Entwicklung auch in den nächsten Jahren so weitergeht. Schließlich basieren rund drei Viertel aller neuen industriellen ­Erzeugnisse Studien zufolge auf neuen Werkstoffen. In den großen Zukunftsbereichen der Mobilität, Kommunikation, Sicherheit, Energie und Gesundheit kommt man deshalb an der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik schon seit langer Zeit nicht vorbei – gerade auch dann, wenn es um Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz geht. Daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern – im Gegenteil.

Welche Trends prägen die Branche im Jahr 2018?

Dieselben wie 2017: Die Qualität der ­Werkstoffe – und nicht der Preis – entscheidet über den Erfolg von Produkten. Das ist ein Geheimnis der Branche, das es zu wahren gilt. Auf lange Sicht werden wir es mit einer zunehmenden Digitalisierung der MatWerk-Branche zu tun haben, die alle Bereiche von der Forschung und Entwicklung über die Herstellung, Wartung, Instandhaltung, Überwachung  bis hin zur Modifikation und Logistik von Maschinen und Produkten betrifft. Schon heute sind computergestützte Modelle und Simulationen aus dem Fachgebiet der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik nicht mehr wegzudenken. Auch im Bereich der experimentbasierten Simulation wird es bald weitergehen. Und das ist erst der Anfang.

Wie wirkt sich das auf den Arbeitsalltag für Einsteiger aus?

Durch den digitalen Wandel wird sich das Arbeitsfeld für angehende Materialwissenschaftler und Werkstofftechniker in den kommenden Jahren massiv verändern.  Einsteiger sollten auf eine Dynamik der ­Industrie in diesem Feld gut vorbereitet sein, damit sie auf die unterschiedlichen Innovationsrhythmen zwischen Werkstoff und digitaler Welt reagieren können. Darüber hinaus wird es natürlich auch weiterhin Branchen geben, die eher mit dem klassischen MatWerk-Einsteiger rechnen. Denn die Entwicklung schreitet auf den verschiedenen Feldern verschieden schnell voran. Hier wie dort gilt: Wir brauchen motivierte junge MatWerker, die mit Leidenschaft und Kreativität die Lösungen von morgen erarbeiten.

Was müssen Hochschulen tun, um Studierende auf die neuen Anforderungen vorzubereiten?

Es gilt abzuwarten, wie der akademische Betrieb auf die zu erwartenden Revolutionen reagiert. Was die Digitalisierung betrifft, müssen sich die Hochschulen der neuen Herausforderung erst noch stellen. Dabei wird es auf lange Sicht kaum reichen, angehende MatWerker mit digitalem Grundwissen zu versorgen. Die Digitalisierung verlangt nach einer grundlegend anderen Form der Ausbildung. Nicht zuletzt aus weiterführenden Aufbaustudiengängen zur Materialinformatik für die Zeit nach dem Studium ergeben sich riesige Chancen für ­Arbeitgeber und -nehmer.

Wie können MatWerker den Herausforderungen in der Praxis begegnen?

Neben einer soliden Grundausbildung ist Teamgeist gefragt, um die interdisziplinären Herausforderungen meistern zu können. Zumindest daran wird sich sicher auch in einhundert Jahren nichts ändern.

Wie groß ist die Nachfrage nach MatWerkern auf dem Arbeitsmarkt?

Der Bedarf ist ungebrochen hoch, so wie die Nachfrage an Ingenieuren in Forschung und Industrie generell momentan kaum zu stillen ist. Unternehmen finden immer schwerer kreative Köpfe. Gerade MatWerker können sich in der Regel den Arbeitgeber aussuchen.

Was sind die wichtigsten Skills, die MatWerker mitbringen sollten?

Leidenschaft, Kreativität, Teamgeist und die Fähigkeit zum interdisziplinären Austausch. MatWerk bedeutet ja auch: Physik, Chemie und angewandte Lebenswissenschaft mit dem weiten Feld von bioinspirierten Materialien oder Biomaterialien.

Welchen Rat haben Sie für MatWerk-Studierende?

Lernen, lernen, lernen und praktische Erfahrungen in Wissenschaft und Industrie sammeln. Sie sollten schnell fertig werden und dazu beitragen, dass es Deutschland weiterhin so gut geht wie im Augenblick. Denn: Der Erfolg der deutschen Industrie hängt von der Qualität der Werkstoffe ab und damit immer wieder auch von der Leistung junger MatWerk-Talente.


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