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Das Phänomen Fachkräftemangel

Es gibt ihn, es gibt ihn nicht, es gibt ihn ... was stimmt denn nun?

Als Medien im vergangenen November aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zitierten, nach der es den viel beschworenen Fachkräftemangel gar nicht gebe, herrschte allenthalben Ratlosigkeit. Eines der Lieblingsthemen der schwarz-gelben Regierung löste sich auf einmal in Luft auf. Kein durch den Fachkräftemangel hervorgerufener volkswirtschaftlicher Schaden von 18 Milliarden Euro pro Jahr?

Wenig später ruderte das DIW zurück, die Studie sei vorschnell an die Öffentlichkeit gelangt. Also doch Fachkräftemangel. Vor wenigen Wochen aber fragte die Bundestagsfraktion der Linkspartei im Parlament offiziell an, ob es nun eigentlich diesen scheinbar Verstecken spielenden Fachkräftemangel gibt oder nicht. Die Antwort der Koalition fiel dürftig aus – schlagkräftige Beweise für die Existenz eines Mangels scheinen im Bundestag Mangelware zu sein. Nun unterscheidet sich das Leben im Berliner Reichstag nicht selten von der Realität im gesamten Land. Fragt man Unternehmen, insbesondere aus dem Mittelstand, ist der Fachkräftemangel schon lange Zeit spürbar. Umfragen und Statistiken bestätigen den Anfangsverdacht, dass der Mangel existiert. Die Bund- Länder-Kommission zum Beispiel rechnet für den Zeitraum von 2003 bis 2020 mit einem Anstieg der Fachkräftelücke vor allem bei Lehrern (+139.000), Businessabsolventen (+204.000) und MINTAbsolventen (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, +507.000). Von insgesamt 100.000 innovativen Unternehmen in Deutschland sehen sich 66.000 vom drohenden Fachkräftemangel akut betroffen, sagt die Deutsche Industrie- und Handelskammer. Und die MINT-Ersatzquote allein im Ingenieurbereich wird von derzeit 0,9 bis zum Jahr 2020 auf rund 0,7 sinken. Das heißt, auf 100 in Ruhestand gehende Ingenieure kommen nur 70 Hochschulabsolventen. Mit diesen Zahlenspielen könnten wir noch ein paar Seiten füllen, je nach befragtem Wirtschaftsforschungsinstitut unterscheiden sich die Zahlen im Detail, die Schlussfolgerung aber lautet unisono: Wir haben einen Fachkräftemangel, dieser wird sich ausbreiten und Deutschland vor gravierende Probleme stellen.

Doch nicht nur die klassischen MINT-Berufe sind vom Fachkräftemangel bedroht. Auch im Gesundheitswesen und in der Pflege vergrößert sich die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bedrohlich – insbesondere, da mit der Wehrpflichtaussetzung auch Zivildienststellen wegfallen, auf die viele soziale Einrichtungen angewiesen sind. Der Fachkräftemangel wird also mittelfristig nicht nur größer, sondern auch breitfächiger.


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