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Im Fokus: MINT – Einstiegschancen und Arbeitgeber

MINT – Das sind vier Buchstaben, die für die zukunftsweisenden Sektoren Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik stehen. Wir sagen dir, welche spannenden Chancen und Möglichkeiten sich MINTlern auf dem Arbeitsmarkt bieten.

MINT – Das sind vier Buchstaben, die für die zukunftsweisenden Sektoren Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik stehen. Wir sagen dir, welche spannenden Chancen und Möglichkeiten sich MINTlern auf dem Arbeitsmarkt bieten. Viel Spaß!

Mathematik

Mathematik. Selten schafft es ein einziges Wort, Männlein wie Weiblein gleichermaßen einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen zu lassen. Schließlich verbinden die meisten von uns mit dieser Disziplin nur allzu oft Kopfzerbrechen, schweißnasse Hände und verwirrtes Kopfschütteln. Du kannst das alles nicht nachvollziehen?

Deine große Liebe heißt Algebra und du hast sie so gerne, dass du den Rest deines Lebens mit ihr verbringen möchtest? Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung! Als MINT-Fan im Allgemeinen und Mathematiker im Besonderen brauchst Du dir um dein berufliches Fortkommen nämlich keinerlei Sorgen zu machen. Das bestätigt auch Dr. Stefan Ehrenfried. Der Finanzmathematiker arbeitet beim Münchner Finanzinstitut Magral, in dem man sich auf Zinssteuerung, Vermögensverwaltung und die Vermittlung von Geldern im Kapitalmarkt spezialisiert hat. »Mathematiker haben auf dem Arbeitsmarkt exzellente Chancen«, ist sich Ehrenfried sicher. »Das gilt vor allem für Studienschwerpunkte in den Bereichen Finanzmathematik, Versicherungsmathematik und Numerik.« Katrin Wendland, Mathematik-Professorin an der Uni Freiburg und Präsidiumsmitglied der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV), stimmt Ehrenfried zu:

»Der Arbeitsmarkt für Mathe-Absolventen ist ausgezeichnet, es gibt nur sehr wenige arbeitslose Mathematiker.«

Das klingt doch vielversprechend. Warum aber sind gerade Mathematiker so begehrte Mitarbeiter – werden sie doch nur allzu oft mit gängigen Rollkragenpulloverträger- und Einzelgängerklischees in Verbindung gesetzt? »Im Rahmen des Mathematikstudiums erlernt man insbesondere das strukturierte Lösen von Problemen. Dazu gehört auch eine sprichwörtlich hohe Frustrationsgrenze bei unseren Absolventen, denn Mathematik ist nicht einfach«, so Wendland. »Genau diese Qualitäten werden jedoch auf dem Arbeitsmarkt geschätzt.« Und der ist für Mathematiker recht groß, schließlich gibt es kein fest definiertes Tätigkeitsfeld, wie Katrin Wendland erklärt:

»Mathematiker arbeiten zum Beispiel in Banken, Versicherungen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, als Unternehmensberater, aber auch in Bibliotheken und Verlagen und natürlich in der Softwareindustrie. Mit dem Internet und dem Thema Internetsicherheit ist ein sehr großer neuer Arbeitsbereich für Mathematiker entstanden. Universitätsprofessor oder Mathelehrer«, fügt sie hinzu, »kann man natürlich auch werden.«

Bis es einmal so weit ist, braucht es neben einem guten Studienabschluss am besten praktische Erfahrungen aus Forschung und Praktika in der freien Wirtschaft, Sprachkenntnisse und eine gute Portion Soft Skills, mit denen sämtliche Klischees widerlegt werden können. »Wichtig sind hier zum Beispiel Erfahrungen mit Präsentation und Lehre, die man in Seminaren und als Tutor an der Uni lernen kann«, weiß Wendland. Stefan Ehrenfried von Magral hält in seiner Branche vor allem »sicheres Auftreten, gutes Verständnis der Finanzmärkte und ein gesundes Maß an Pragmatismus« für besonders wichtig. Genau wie den Abschluss, der im Unizeugnis steht.

»Bei Magral werden vor allem Masterabsolventen eingestellt, da diese über fundierteres Fachwissen in der Finanzmathematik verfügen«, erklärt Stefan Ehrenfried. Beate Kahlhammer, Referentin Rekrutierung und Personalmarketing bei der Gothaer, stimmt ihm zu – mit einer kleinen Einschränkung: »Wir bevorzugen zwar in den meisten Fällen Masterabsolventen, ein Bachelorabsolvent mit sehr guten Noten und praktischer Erfahrung hat bei uns aber ebenfalls gute Chancen, eine Einstiegsposition zu bekommen.«

Bringst du all das mit, steht der Karriere nichts im Weg – es gibt nämlich eine Menge zu tun

Bei Finanzdienstleistern wie Magral beschäftigen sich Mathematiker wie Ehrenfried nach ihrem Berufseinstieg vor allem mit der ganzheitlichen Betreuung von Darlehensportfolios, beginnend mit ihrer Risikoanalyse bis hin zur Auswahl und Umsetzung der Sicherungsinstrumente.« Geradezu prädestiniert für Mathematiker ist der Einstieg in die Versicherungsbranche. So auch bei Munich Re, wie Junior Underwriter Julia Eisenmann erklärt: »Bei Munich Re werden Mathematiker fast überall gebraucht. So kommen sie nicht nur in allen operativen Geschäftsfeldern zum Einsatz, sondern auch in zentralen Abteilungen, zum Beispiel im Controlling, Reserving oder Pricing, sowie vor allem auch in Spezialabteilungen wie Aviation, Agriculture, Space, Mining, Engineering und Financial Risks. Immer wieder herausfordernd ist es dabei für mich«, fährt Eisenmann fort, »die technischen und komplexen Hintergründe für Kollegen und Kunden aus der Versicherungsbranche verständlich zu erklären und so darzulegen, dass sie in Verhandlungen die richtigen Argumente finden.« Julia Eisenmann wusste schon recht früh, dass ihr Herz für Zahlen schlägt: »Bereits in der Schule war Mathe ein Fach, das mich durch seine Logik und Struktur fasziniert hat. Der Gedanke daran, was man mit Mathematik alles steuern und erforschen kann, führte neben dem Spaß an der Materie recht bald zu der Idee, diese Dinge im Studium weiter zu vertiefen. Wer Knobeln und Tüfteln liebt, dem macht auch die Mathematik Spaß!«

Und das gilt nicht nur für das Studium, sondern auch die Arbeit als Mathematiker im Unternehmen

Wer sich nach Routine sehnt, ist hier fehl am Platz, schließlich ist der Arbeitsalltag als Mathematiker fordernd und abwechslungsreich zugleich. Während Dr. Stefan Ehrenfried besonders »das Umsetzen theoretischer Kenntnisse in die Praxis« schätzt, schwärmt Julia Eisenmann vom »breiten Spektrum an Aufgaben und der Suche nach kreativen Lösungen für komplexe Probleme, sowohl für Detailaufgaben als auch für übergreifende Analysen«. Für jede einzelne Branche gilt dabei: Die Verantwortung, die Mathematiker im Unternehmen tragen, ist groß. Warum das so ist, weiß Beate Kahlhammer:

»Bei der Gothaer werden schon frühzeitig verantwortungsvolle Aufgaben auf junge Mathematiker übertragen. Häufig wird dem Mitarbeiter direkt ein eigener Themenbereich zugewiesen, für den er Analysen und Einschätzungen selbstständig vornehmen und eine Vorgehensweise seinem jeweiligen Vorgesetzten empfehlen kann. In den einzelnen Gruppen oder Abteilungen ist ebenso Teamarbeit erforderlich wie beim Einsatz in Querschnittsfunktionen: Die breitgefächerte Aufstellung der einzelnen Mathematiker ist bei der Gothaer ein wichtiger Bestandteil.«

Sich im Mathestudium durchzubeißen, lohnt sich also – das weiß auch Prof. Wendland. »Bringen Sie Geduld und Durchhaltevermögen mit«, rät sie, »denn Mathematik ist nicht einfach und erfordert viel Übung. Außerdem braucht man Zeit, um sich in die mitunter sehr abstrakten Strukturen einzudenken. Als Lohn aber kann man später Zusammenhänge erkennen, die zunächst völlig neu und unerwartet sind« – und die Karriereleiter mit links erklimmen!

Informatik

Informatik – war das nicht die Lieblingsdisziplin aller Träger von Metal-Band-Shirts und undefinierbaren Frisuren mit dem überschaubaren Freundeskreis? Keineswegs! Darauf besteht auch Dr. Christof Leng, Wissenschaftler am International Computer Science Institute in Berkeley, Kalifornien:

»Das Vorurteil, dass Informatiker primär abgeschottet mit dem Computer arbeiten würden, ist leider nicht tot zu kriegen. Häufig aber muss man in der Praxis mit Anwendern und in dynamischen und oft auch internationalen Teams zusammenarbeiten.«

Klingt verdächtig nach Teamwork! Vom einsamen Versteck hinter dem Bildschirm ist auch bei Marc-Stefan Brodbeck, Leiter Recruting und Talent Acquisition bei der Telekom keine Rede. Er gerät ins Schwärmen, wenn er über die Arbeit eines Informatikers in seinem Unternehmen spricht:

»Wir gestalten die Zukunft in einer der spannendsten und dynamischsten Branchen, die es gibt.« Christof Leng sieht das auch so: »Die Informatik ist für viele der wichtigsten Umwälzungen in der Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten verantwortlich und durchdringt mittlerweile alle Aspekte des öffentlichen und privaten Lebens. Trotz des bisher Erreichten«, so Leng, »ist die Dynamik der Entwicklung ungebrochen und jeden Tag gibt es etwas Neues zu entdecken.«

Und das geht in allen erdenklichen Branchen und Unternehmensbereichen

Bei der Telekom beispielsweise werden Informatiker für die verschiedensten Abteilungen gesucht. »Besonders viele Stellenangebote für Informatiker«, verrät Marc-Stefan Brodbeck, »finden sich aktuell in den wachsenden Bereichen wie Cloud- und M2M-Solutions oder im SAP-Umfeld. Jede Aufgabe hat hier ihren individuellen Charme, egal, ob man in den Bereichen Connected Car und M2M-Solutions am Puls der Zeit die aktuellen Trends oder in unserem Zukunftsforum T-Gallery die Telekom-Vision des vernetzten Lebens und Arbeitens mitgestaltet.« Axel Witt, Personalleiter der VHV-Gruppe, bietet in seinem Unternehmen ebenfalls vielfältige Einsatzbereiche für IT-Einsteiger:

»Auch in meiner Branche, der Versicherungswirtschaft, haben wir einen hohen Bedarf an Informatikern verschiedenster Fachrichtungen. Wir stellen Informatiker natürlich in den Informatikabteilungen selbst ein, aber auch in den Fachbereichen mit prozessorientierten Abläufen wie in der Schaden- oder Vertragsberatung. Eigentlich«, fasst er zusammen, »gibt es die ›typischen‹ Aufgaben für Informatiker gar nicht. Es hängt eben davon ab, ob man im Rechenzentrum, also im Operating, in der Anwendungsentwicklung, als Projektleiter oder in der Prozessoptimierung tätig ist. Die Einsatzgebiete sind vielfältig!«

Dabei ist es Witt zunächst relativ gleich, ob Bewerber einen Bachelor- oder Masterabschluss in der Tasche haben

»Im Rahmen eines dualen Studiums bilden wir Informatiker sogar selbst aus«, erklärt Axel Witt, der selbst studierter Mathematiker und Informatiker ist. Bei der Telekom ist das ganz ähnlich: Alle Stellenangebote sind sowohl für Bachelor- als auch Masterabschlüsse ausgeschrieben. Wer sein Studium noch vor sich hat, kann sich ebenfalls für ein duales Studium entscheiden. Marc Stefan Brodbeck findet sowieso »die alleinige Frage nach dem Abschluss nicht mehr zeitgemäß. Ob ein Bewerber gute Chancen hat, hängt vor allem von seiner Persönlichkeit ab. Gute Chancen hat, wer Lernfreude zeigt und keine Scheu hat, sich neuen Herausforderungen zu stellen«.

Wie in anderen Berufsfeldern auch, sind es daher vor allem die berühmt-berüchtigten Soft Skills, die frisch gebackene Informatiker zu ihrem Berufseinstieg parat haben müssen.

»Bei der Personalauswahl achten wir besonders auf Aspekte wie Kommunikations- und Teamfähigkeit, auf Lernfreude und auf den Willen und die Offenheit, etwas zu gestalten und zu verändern«, beschreibt Marc-Stefan Brodbeck. »Wir suchen Mitarbeiter, die bereit sind, sich weiterzuentwickeln. Gerade in unsere Branche ist es besonders wichtig, immer am Ball zu sein, was die neuesten Technologien und Arbeitsweisen betrifft.«

Daher wird auch auf berufliche Weiterbildung allergrößter Wert gelegt, denn in kaum einer Branche wandeln sich die Technologien und Anforderungen so schnell. »Wir wissen, dass gerade in der IT-Branche die Halbwertszeit des Wissens extrem kurz ist«, so Marc-Stefan Brodbeck. »Die bestmögliche Förderung der Mitarbeiter ist daher der Schlüssel zum Erfolg. Berufseinsteiger mit einem Bachelorabschluss können beispielsweise erste Berufserfahrung sammeln und nach zwei Jahren ihr Masterstudium mit unserem Programm ›Bologna@Telekom‹ absolvieren.« Die VHV-Gruppe lässt sich in Sachen Weiterbildung ebenfalls nicht lumpen: »Informatiker«, erzählt Axel Witt, »können bei uns eine zertifizierte Projektleiterausbildung machen. Darüber hinaus gibt es Trainings zur Persönlichkeitsentwicklung bis hin zu Führungsseminaren. Auch außerbetriebliche Aus- und Weiterbildungen werden von uns gefördert.«

Hört sich interessant an, oder? Für alle angehenden IT-Experten hat Christof Leng noch einen Tipp parat: »In einem technisch orientierten Fach lässt man sich leicht durch die aktuell dominierenden Technologien und manche ›Modefächer‹ blenden. Aber es entstehen ständig neue Geräte, Plattformen, Anwendungen und Programmiersprachen. Daher sollte man sich nicht zu sehr auf die aktuellen Werkzeuge versteifen, sondern versuchen, die fundamentalen Mechanismen zu verstehen, welche den Technologien zu Grunde liegen, und sich von der eigenen Neugierde leiten lassen. Dann bleibt die Informatik ein Leben lang spannend!«

Naturwissenschaften

Fragt man Tobias Jost nach den Gründen seiner Studienwahl, so antwortet er wie aus der Pistole geschossen:

»Ich habe mich damals für ein naturwissenschaftliches Studium entschieden, weil ich schon zu Schulzeiten sehr an Naturwissenschaften interessiert war. Außerdem«, schiebt er rasch hinterher, »sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt schon immer sehr vielversprechend.«

Der 21-Jährige studiert im siebten Semester Lebensmittelchemie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und ist erster Vorsitzender der Studentischen Förderinitiative der Naturwissenschaften. »Unser studentischer Verein wurde 2006 von fünf Studenten gegründet und ist bis heute auf etwa 30 aktive Mitglieder, darunter Studenten und Doktoranden, angewachsen. Wir setzen uns beispielsweise für verbesserte Lehrbedingungen im naturwissenschaftlichen Bereich ein und organisieren zusätzliche Lehrveranstaltungen, wie das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Modul ›Nachhaltigkeit‹.« Was Jost an seiner Studienwahl besonders interessant findet, ist schnell erklärt:

»Die Naturwissenschaften selbst sind häufig auf Grundlagenforschung ausgelegt und daher eher langweilig. Spannend wird es für mich dann, wenn anwendungsbezogene Forschung betrieben wird. Die Fähigkeit, durch Fortschritte in Wissen und Technik den Alltag zu verbessern oder bestimmte Phänomene zu verstehen, macht Naturwissenschaften für mich so interessant.«

Einen fest vorgezeichneten Karriereweg gibt es für Naturwissenschaftler allerdings nicht. So unterschiedlich die einzelnen Fächer sind, die unter dem Oberbegriff Naturwissenschaften zusammengefasst werden, so verschieden sind auch die Branchen und Unternehmensbereiche, in denen Naturwissenschaftler Unterschlupf finden. Ob in der freien Wirtschaft, im öffentlichen Dienst oder natürlich in Forschung und Lehre – Naturwissenschaftler sind dank ihrer analytischen Fähigkeiten, ihres Forscherdrangs und ihres Wissensdursts überall gerne gesehen.

»Gerade die Absolventen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik haben ausgezeichnete Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt, da ihm gerade diese Fach- und Führungskräfte massiv fehlen«, sind sich Barbara Götte, Manager Recruiting und HR-Marketing beim Baustoffkonzern Xella International, und Jochen Friedrichs, CEO der Xella- Tochterfirma ecoloop, einig.

Die beiden suchen Naturwissenschaftler für fast alle Bereiche des ersten Unternehmens weltweit, das Reststoffe effizient in Gas umwandeln kann. Sie sind darüber hinaus aber »sehr offen für Bewerber, die vielleicht nicht den klassischen Ausbildungsweg eingeschlagen haben, sich jedoch durch professionelle Erfahrung auszeichnen«.

Auch der Spezialchemiekonzern Altana ist auf der Suche nach gut qualifizierten Studenten und Absolventen aus den Bereichen Chemie, Lack- und Kunststoffingenieurwesen, Chemieingenieurwesen sowie Wirtschaftschemie. Innovation wird bei Altana groß geschrieben, betont Andrea Pfister (HR Corporate Recruiting). »Die überdurchschnittlichen Aufwendungen für Forschung & Entwicklung in Höhe von über 5 Prozent des Gesamtumsatzes sind Markenzeichen unseres Spezialitätengeschäfts. Um sicherzustellen, dass Altana langfristig wächst und dabei Technologie- und Marktführer bleibt, benötigen wir gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte. Dabei merken wir auch, dass der Kampf um die guten Talente immer stärker wird. Ein langfristig angelegtes Employer Branding bzw. Schüler- und Hochschulmarketing hilft uns dabei, Nachwuchs dafür zu motivieren, den Technikstandort Deutschland und seine Reputation am internationalen Markt zu erhalten. Kooperationen mit Kindergärten, Schulen und Hochschulen gehören hier zu unseren wichtigsten Säulen, um schon frühzeitig den Nachwuchs für Naturwissenschaften zu begeistern.«

Selbst wenn der Nachwuchs dank der Bachelorabschlüsse schneller ins Berufsleben einsteigen kann: Tobias Jost fürchtet, dass es vielen Unternehmen noch immer schwer fällt, den Bachelor als Studienabschluss richtig einzuordnen. Daher hält er Soft Skills für absolut unentbehrlich: »Neben einem guten Abschluss sind vor allem zusätzliche Kompetenzen wichtig, die man im Studium nicht erlernt. Am wichtigsten sind meiner Meinung nach gute Kommunikations- und Organisationsfähigkeit. Wer souverän im Gespräch überzeugen kann und in der Lage ist, Problemsituationen durch organisiertes und kreatives Vorgehen zu meistern, der hat gewiss sehr gute Chancen. All das sind Eigenschaften, die man sich durch soziales Engagement aneignen kann.«

Und wer für seinen Berufseinstieg dann noch ein wenig Entscheidungshilfe braucht, dem rät Tobias Jost, »so viel wie möglich neben dem Studium mitzunehmen und das Studium zu genießen. Und Absolventen sollten sich nicht davon abschrecken lassen, wenn sie nicht jeden Punkt im Bewerberprofil erfüllen.«

Technik/Ingenieurwissenschaften

Dank Dr. Johannes Geisler können wir in den Ferien innerhalb weniger Stunden bequem mit dem Flugzeug in wärmere Gefilde gelangen: Der Ingenieur arbeitet beim Triebwerkhersteller MTU.

»Meine Hauptaufgabe besteht darin, Triebwerkskomponenten von Flugzeugen hinsichtlich der jeweiligen Anforderungen strukturmechanisch auszulegen.«

Das klingt simpler, als es ist: Los geht’s meist mit einer Modellbildung, die in Absprache mit Kollegen aus den Bereichen Konstruktion, Werkstoff- oder Wärmetechnik entsteht. Dieses Modell wiederum bildet den Grundstein für die Berechnungen, mit deren Hilfe Johannes Geisler seine Triebwerkskomponenten entwickelt. Das ist jedoch nur ein kleiner Teil seiner Arbeit. »Weitere Aufgaben«, fährt er fort, »sind Bewertungen von Bauteilabweichungen, die Spezifikation und Durchführung von Technologievorhaben sowie die Weiterentwicklung von Auslegungsmethoden.« Johannes Geisler ist Strukturmechaniker. Klingt speziell, umfasst aber ein »sehr breites Aufgabenspektrum, sowohl im Hinblick auf unterschiedliche Bauteile als auch bezüglich der jeweiligen technischen Sachverhalte.« Besonders faszinierend an seinem Beruf findet der Ingenieur, wie viele Aspekte bei der Bewertung von Triebwerksbauteilen relevant sind, die alle aus dem Bereich der Technischen Mechanik stammen.

In seinem Arbeitsalltag stößt Geisler regelmäßig auf komplexe technische Fragestellungen, die gelöst werden wollen – einer der Aspekte, die dem Ingenieur am meisten Spaß an seinem Beruf bereiten. »Meist finden wir die Lösung dann durch intensive Zusammenarbeit mit den Kollegen, wodurch unterschiedlichste Erfahrungen eingebracht werden. Der Wissenszuwachs«, schwärmt er, »ist enorm und am schönsten ist es, wenn es ›klick‹ macht, also wenn man Zusammenhänge versteht und damit der Lösungsweg klar wird.« Nicht nur technische Fragestellungen gehören zu den typischen Herausforderungen, mit denen Ingenieure Tag für Tag konfrontiert werden. Genauso wichtig ist es, die Finanzen nicht aus dem Blickfeld zu verlieren und gleichzeitig die Qualität der Produkte nicht leiden zu lassen.

Das gelingt so reibungslos nicht immer, weshalb es bei der Arbeit als Ingenieur auch diplomatischer Geschicke bedarf, wie Johannes Geisler erzählt:

»Die Präsentation von ›schlechten‹ Nachrichten wie nicht getroffenen Festigkeitskriterien oder die Rechtfertigung von sehr zeitaufwändigen und damit teuren Analysen stellen auch immer eine gewisse Herausforderung dar.«

Erfinder, Problemlöser und Diplomat: Dr. Johannes Geisler ist alles auf einmal. Welch wichtige Rolle Ingenieure für unsere ganze Gesellschaft spielen, betont Tina Lackmann. Die Kulturwissenschaftlerin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und dort für den Bereich ›Beruf und Gesellschaft‹ zuständig. »Als Ingenieur arbeite ich an Lösungen für große gesellschaftliche Probleme und gestalte die Zukunft – ob Energieversorgung, Mobilität, Bio- oder Nanotechnologie.« Die 31-Jährige weiß, wie gut die beruflichen Chancen für zukünftige Ingenieure stehen und rät daher allen angehenden Studenten, sich mit dem Gedanken an ein technisches Studium zu beschäftigen:

»Technische Berufe machen Spaß und die Zukunftsaussichten sind momentan wirklich gut. Wir befinden uns in einer Gesellschaft im Umbruch, alleine schon was Energieversorgung und Mobilität betrifft, und haben die Chance, das aktiv zu gestalten.«

Dass er etwas aktiv gestalten wollte, wusste auch Johannes Geisler schon zu Schulzeiten.

»In der Schule hat mir Physik am meisten Spaß gemacht. Durch Gespräche mit Familie und Bekannten habe ich zunächst eine technische Ausbildung in einer Berufsakademie begonnen. Letztlich aber habe ich mich dann doch zu einem Maschinenbaustudium entschieden.« Obwohl das Studium thematisch mit der Ausbildung vergleichbar war, schätzte Johannes Geisler vor allem die Vertiefungsmöglichkeiten, in denen er seinen persönlichen Interessen nachgehen konnte. »Diesen Schritt«, so Geisler, »habe ich nicht bereut!«


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